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1990

Übersicht: Veröffentlichungen in diesem Jahr waren die Single Enjoy The Silence / Memphisto / Sibeling, das Album Violator, die weiteren Single-Auskopplungen Policy Of Truth / Kaleid und World In My Eyes / Happiest Girl / Sea Of Sin sowie die Video-Kollektion Strange Too.




Am 05.02. erschien die Single Enjoy The Silence / Memphisto / Sibeling. Sie wurde zur erfolgreichsten Single überhaupt, erreichte Platz 6 in den britischen Charts, Platz 8 in den USA und brachte der Band in den USA und in Deutschland Gold ein. Außerdem gewannen sie damit bei den Brit Awards 1991.
Enjoy The Silence war eigentlich eine Ballade, ehe Alan die Idee hatte, sie schneller zu machen, mehr Beat darunter zu legen: "Als ich das Demo zu Enjoy The Silence hörte, war das Erste, was mir dazu einfiel, dass Neil Tennant es singen könnte. Etwas an der Zeile All I ever wanted klang sehr nach Hamster ... äh ... Pet Shop für mich. Martins Demos beinhalteten immer die kompletten Texte, variierten musikalisch aber von sehr detailliert bis hin zu sehr simpel. Bei diesem Song hatte ich das Gefühl, dass es aufgrund des großen kommerziellen Potentials geradezu kriminell gewesen wäre, ihn als Ballade aufnehmen. Er hatte eine gute Melodie, die danach schrie, die Behandlung zu erfahren, die sie dann auch erhielt. Flood und ich arbeiteten das Grundgerüst aus, bevor wir Martin dazu riefen, um die Gitarrenriffe hinzu zu fügen."[1]
Martin: "Ich dachte, dass die Natur des Songs, weißt du, eben genieße die Stille war. Daher sollte er eine ruhige Atmosphäre ausstrahlen. Es dauerte eine Weile, ehe ich mich an die neue Idee gewöhnt hatte, aber als wir weiter daran arbeiteten und den Gitarrenriff hinzufügten, passte es für mich."[2]
David: "Ich weiß noch, wie er da saß und spielte, und dann kam er mit diesem Riff, und dann sang ich den Song, und alle waren überrascht, dass ich es so gut sang - einschließlich mir selbst." (lacht)
Fletch: "Es war das erste Mal in unserer gesamten Karriere, dass wir dachten, wir hätten einen Hit geschrieben. Wir wussten es von Anfang an."[3]

Ähnliches kann man über das Video sagen, obwohl DM Corbijns Konzept zunächst überhaupt nicht mochten. Besonders David war skeptisch, und die Band fragte Corbijn sogar, ein anderes Konzept zu entwickeln. Aber später änderte nicht nur David seine Meinung: "Enjoy The Silence war Antons [Corbijn] bestes Video."
Fletch: "Wir gingen ins Studio, und Anton sagte, es würde eine Weile dauern. Und nach einer Stunde sagte er, wir könnten gehen ... und der arme Dave musste sechs Tage damit verbringen, bei eiskalten Bedingungen zu filmen."
David: "Wir haben eine Woche gebraucht, um das zu filmen. Es war ziemlich harte Arbeit, aber es hat auch Spaß gemacht. Ich wurde als König angezogen, mit Krone und allem. Wir waren dann in Portugal, in Schottland, in den französischen Alpen ... hauptsächlich Anton, Richard, der Produzent, und ich. Es gibt aber Szenen in dem Video, die nicht mich zeigen. Gegen Ende hatte ich es satt, ich wollte nur zurück ins Hotel. Wir hatten diesen Helikopter genommen und waren auf diesen Berg geflogen, und Anton wollte, dass ich diese Szene drehe, bei der ich weit, weit weg bin, und da war diese schöne Landschaft und all der Schnee, und mir war so kalt. Und so sagte ich: Weißt du was, Richard?, ich nahm die Krone ab, ich setzte sie auf seinen Kopf, ich nahm die Robe ab, ich zog sie ihm an, ich sagte: Jetzt machst du das. Und ich ging zum Helikopter, flog runter ins Hotel und trank eine Tasse Kakao."[4]



Enjoy The Silence

(Enjoy The Silence - mit freundlicher Genehmigung von © Ingo B.)



Zu dieser Zeit erlebte die Band etwas, das sie so vorher nicht gekannt hatten, zumindest nicht in diesem Ausmaß: hip sein.
Am 01.03. gaben David und Alan ein Interview bei einem Radiosender in Madrid. Als sie zum Auto zurückkamen, wurden sie von rund 500 Fans empfangen. Der Fahrer wollte eilig eine Abkürzung nehmen, wurde aber von einem LKW aufgehalten, der die Straße blockierte, sodass die Fans das Auto einholen konnten, und es umringten.

Am 19.03. wurde das Album Violator veröffentlicht, das zum kommerziell erfolgreichsten der Band wurde. Einen Tag später erschienen DM bei Wherehouse Records, einem großen Plattenladen in L.A., um Violator zu signieren. Berichten zufolge sollen rund 5.000 Fans schon vier Tage davor rund um den Laden kampiert haben. Zum Signiertermin kamen dann etwa 20.000 Leute. Der Verkehr brach zusammen, die Polizei versuchte, die Lage unter Kontrolle zu bringen, gaben nach 90 Minuten jedoch auf und brachen die Aktion ab, eskortierten DM zu ihrem Hotel zurück, um Schlimmeres zu verhindern. Dennoch soll es etliche Zwischenfälle und sogar Verletzte gegeben haben.
David: "Das war ziemlich beängstigend. Das Ganze geriet außer Kontrolle. Wir konnten nicht wissen, dass da so viele Leute auftauchen würden. Die haben da diese riesigen Glasfenster, und die Fans drückten gegen die Fenster. Man konnte fühlen, wie die Spannung stieg. Wir sahen uns an und sagten: Wir müssen hier raus!"
Martin: "Irgendwann geriet es so außer Kontrolle, dass die Polizei uns sagte, wir sollten abbrechen. Also kehrten wir ins Hotel zurück, schalteten den Fernseher ein, und wir waren überall in den Nachrichten."[5]
David: "Wir saßen alle davor und zappten uns durch die Nachrichtenkanäle, und es kam: 'die englische Rockband Dee-Pesh Mode verursachte ein Verkehrschaos'." (lacht) "Es war lustig, sich das anzusehen."[6]
Ironischerweise stellte dieser Zwischenfall jedoch den endgültigen Durchbruch in den USA dar, da DM nun von einer breiteren Öffentlichkeit wahrgenommen wurden.
Übrigens - wusstest du, dass Violator nicht nur das erfolgreichste Album ist, sondern auch an der Spitze der Lieblingsalben in nahezu allen Umfragen auf zahlreichen Fan-Foren und –Webseiten steht? Acht verschiedene Umfragen zusammengenommen ergab, dass Violator einsam an der Spitze steht, vor SOFAD, Music For The Masses, Black Celebration und Ultra. Dies ist die Top 5. A Broken Frame steht auf dem letzten Platz. (Einige dieser Umfragen wurden übrigens vor der Veröffentlichung von SOTU durchgeführt, aber alle beinhalten Playing The Angel.)


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Martin: "Ich schreibe nur über Dinge, die mich berühren. Ich finde es langweilig, Songs zu schreiben, die 'sicher' sind, die nirgendwo hinführen, in denen nichts passiert. Ich weiß, Clean hat so ein Heiligen-Image, das sich mit dem Sex-Thema verbindet. Dies sind zwei Dinge, die ich gern miteinander verbinde.[7] Ich war nie ein Christ, aber ich bin zwei Jahre lange regelmäßig in die Kirche gegangen, was sicherlich auf mich abgefärbt hat. Ich bin nahezu besessen von der Idee des Guten und des Bösen. Ich nehme an, dass meine Songs die Unsittlichkeit befürworten, aber da ist auch immer ein wenig Schuld dabei. In Halo sage ich 'lass uns dem nachgeben', aber es gibt auch ein Gefühl dafür, dass es falsch ist. Dann ist da Blue Dress - das ist der perverse Song! - die Idee, einem Mädchen dabei zu zuschauen, wie es sich anzieht, und dabei zu realisieren, dass es das ist, was makes the world turn. World In My Eyes besagt, dass in diesem Moment nur Freude und Erfüllung zählen. Es ist ein positiver Song. Es macht mir nichts aus, wenn man hier auch Existenzialismus ins Spiel bringt, denn ich werde davon beeinflusst. Ich werde vermutlich von Camus, Kafka und Brecht ebenso beeinflusst, wie ich von Popsongs beeinflusst werde.[8]
Vielleicht hätten wir uns als Rockgruppe bezeichnen sollen. Wenn wir das getan hätten, hätten uns die Leute vielleicht ernster genommen. Aber wir sind das nicht. Wir sind eine Popgruppe und stolz darauf. Die einzigen Songs, die ich schreiben kann, sind Popsongs, egal, wie düster und seltsam manche Leute sie finden mögen. Wir haben das Album aus Spaß Violator genannt. Wir wollten mit dem extremsten, lächerlichsten Heavy-Metal-Titel rauskommen, der möglich war. Mal sehen, ob die Leute den Scherz verstehen werden. Als wir das Album Music For The Masses nannten, wurden wir beschuldigt, arrogant und überheblich zu sein. Es war nur ein Scherz in Bezug auf die Unkommerzialität. Es war alles, aber nicht Musik für die Massen!"
(Die Querverbindungen zwischen DM und Metal sind definitiv lustig. Während Martin seinen Spaß daran hatte, gleich drei DM-Alben (Violator, Ultra und Exciter) "metallische" Namen zu geben (man findet alle drei in vielfacher Ausfertigung im Metal wieder, sei es als Band- oder Albumname), gibt es auf der anderen Seite auch viele DM-Songtitel bei Metalbands. Um nur eins von vielen Beispielen zu nennen: 1991 nahmen Massacra ein Album mit dem Titel Enjoy The Violence auf. Auch gibt es ein Metal-Tribut-Album mit vielen interessanten Versionen, und wenn man sich mit "Metalheads" unterhält, wird man feststellen, dass es darunter viele gibt, die DM mögen, "weil sie Substanz haben".)
Alan: "Wir haben sehr viel mehr Humor, als man uns nachsagt. Vielleicht ist unserer oder Martins nur sehr speziell. Es ist keine schlechte Sache, ab und zu düster zu sein. Radio 1 wollte uns teilweise nicht spielen, aber sie werden dazu gezwungen, weil die Leute uns hören wollen. Es ist gut, dass es ein paar Bands gibt wie uns, die einen Konterpunkt zu all dem lustig-lustig-Party-Kylie setzen."[9]

David: "Trotzdem mögen uns die Leute. Es hängt von den Songs ab, und die Mühe, die wir uns mit ihnen geben. Wir sind nie auf einen Zug aufgesprungen und haben einen Trend mitgemacht. Wir wollten nie für fünf Minuten groß sein und das war es dann. Wir haben uns verändert, und die Veränderung ist natürlich. Wir machen genau das, was wir wollen und wie wir es wollen. Wir lernen immer noch, versuchen, uns zu verbessern, im Gegensatz zu so vielen anderen Bands. Wir leben in unserer eigenen kleinen Welt.[10] Heutzutage ist Pop und Rock viel kontrollierter und normaler. Es ist traurig. Ich denke, das Musikbusiness ist daran selbst schuld, weil die Bands so manipuliert werden. Die Art, wie das Management die Bands verkauft. Ja, es ist traurig, dass es keine Rebellion mehr im Pop gibt. Das ist das, was mich früher an Bands interessierte wie Sham 69, The Clash und so. Das ist es nämlich, warum ich in einer Band sein wollte. Für mich war das die aufregendste Zeit meines Lebens. Zu der Zeit interessierte mich nichts anderes. Ich machte dieses klassische Ding - die Schule sausen lassen, mich nicht um die Examen kümmern. Nun schaue ich zurück, und wünschte, ich hätte es. Ich wünschte, ich hätte eine bessere Ausbildung. Hätte ein paar Sprachen gelernt. Wenn ich nach Frankreich, Italien oder Deutschland komme, realisiere ich, wie dumm ich bin. Ein dummer Engländer, der keine andere Sprache gelernt hat. Ein ignoranter Bastard."[11]

Dies alles klang in der Tat sehr viel ernsthafter als in den früheren Jahren, aber ein paar Highlights gab es dennoch und ab und an auch einen Rückfall in frühere Themen. Manchmal war die Band daran selbst schuld. So betrat Alan in Florida eine Hotelbar, in der sie zu einem Interview verabredet waren und äußerte umgehend: "Ich wurde heute so etwa zwanzigmal als Schwuler beschimpft. Meistens Typen, die sich aus einem LKW lehnen. Die Leute sind hier ein bisschen zurück, wie?"
David: "Es ist der Haarschnitt. In den USA denken die Leute, du bist homosexuell, wenn du kurze Haare hast. Außer du bist bei den Marines. Wir müssen nur mit den Marines rumhängen."[12]
Später schickte David den Bodyguard nach einem Orangensaft. Dies nutzte ein Fan, um sich um zu nähern: "Martin, kann ich ein Autogramm haben? Hast du einen Stift?"
"Sicher", erwiderte David lächelnd, "aber mein Name ist Dave."
Wenig später wiederholte sich die Szene mit einem anderen Fan: "Martin, kann ich dein Autogramm haben?"
David (rollte mit den Augen, offensichtlich genervt): "Erstens ist mein Name Dave und zweitens habe ich keinen Stift!"[13]



David

(mit freundlicher Genehmigung von © Adrianna
- Das Bild wurde von ihr gemalt und von Dave signiert)



Am 07.05. erschien die Single Policy Of Truth / Kaleid.
Die Worldviolation-Tour fiel im Vergleich zur Masses-Tour kürzer aus und splittete sich in drei Teile auf. Um den vermehrten Erfolg in den USA zu nutzen, begann man am 28.05. mit dem USA-Leg und spielte dort bis zum 05.08. 42 Konzerte.
Bis auf den heutigen Tag wünschen sich viele Fans, es würde eine DVD zur Worldviolation geben. Zu den Gründen, warum damals keine DVD veröffentlicht wurde, sagte Alan: "Es wäre zu viel gewesen, nach 101 noch eine Live-LP zu veröffentlichen. Es kam uns so vor, als würden wir die Kuh damit zu sehr melken. World Violation war einfach zu dicht nach Music For The Masses. Die 101 LP und der Film schienen DM live recht gut darzustellen, und wir fanden, dass es an der Zeit war, den Live-Veröffentlichungen eine Pause zu geben. Ich bin sicher, dass es einige Aufnahmen von der Worldviolation gibt, aber ich weiß nicht, ob sie jemals veröffentlicht werden."[14]

Laut Insideraussagen sollen alle Bandmitglieder auf der Worldviolation Ecstasy konsumiert haben. Während David es öffentlich zugegeben hat, ist es bei den anderen zwar offensichtlich, aber nicht eindeutig. Jonathan Miller fährt in seiner Biographie mit einem Zitat von Martin auf, in dem dieser zugibt, Ecstasy genommen zu haben, während er zugleich Fletch zitiert, der dies abstreitet, der aber laut der Biographie von Malins ebenfalls "kräftig zugelangt" haben soll.
Interviews und andere Aussagen der Bandmitglieder - mit Ausnahme von David - sind in Bezug auf dieses Thema immer recht vage.
Alan: "Martin wird sehr anlehnungsbedürftig, wenn er einen in der Krone hat. Er sammelt Wildfremde um sich und erzählt ihnen seine Lebensgeschichte, aber anders als Dave hat er bei seinen Exzessen nie ein Trümmerfeld hinterlassen. Vielleicht muss Dave Ärger machen, um sich selbst zu erniedrigen. Martin bleibt cool und vieles kommt nie ans Licht. Um ehrlich zu sein, war der Alkohol schlimmer als alles andere, aber während der Violator-Zeit spielten Drogen eine große Rolle: Ecstasy, Kokain - alles außer Heroin. Dann fing Dave mit Heroin an, während der Tour. Ich glaube, es muss an seiner Persönlichkeit liegen. Er braucht einfach das ultimativ Extreme."[15]
Martin: "Um ehrlich zu sein, mag ich es nicht, über Drogen zu reden. In Interviews fühle ich mich mit diesem Thema nicht wohl. Wir hatten ein paar wilde Partys. Ich entdeckte sie 1988, bevor ich anfing, Violator zu schreiben ..."
Fletch: "Ich glaube, die Antwort ist vielleicht ja."[16]
Martin: "Jeder macht wohl Erfahrungen mit Drogen, wenn etwas gut läuft und man sich am nächsten Tag entspannen kann. Aber für mich hielt das nicht lang an. Ich war danach immer wochenlang depressiv."[17]
Somit ist die Antwort - vielleicht! - ja. ;)

Weiterhin wurden laut Insidern jede Menge Groupies vernascht - sowohl während der Worldviolation, als auch später bei der Devotional - aber auch hier war es nur David, der später offen bekannte, oft fremd gegangen zu sein. Bei den anderen wird es mit "ich hatte meinen Spaß" angedeutet und es gibt ein Interview, bei dem sich eine "Dame" im Termin geirrt hat und in Martins Hotelzimmer erscheint.
In Interviews mit anderen Musikern schimmert durch, dass es in den 80ern und Anfang der 90er ziemlich einfach war, so viele Groupies zu vernaschen wie man nur wollte. Einer sagte gegenüber depechemodebiographie.de: "In den 80ern und 90ern war es viel einfacher, Groupies ins Bett zu bekommen. Heute ist das viel schwieriger geworden. Das liegt nicht so sehr an den Mädchen, aber alles ist irgendwie distanzierter. Man wird auch mehr beobachtet. Wenn du ein Groupie mit ins Hotel nimmst, steht das am nächsten Tag garantiert in irgendeinem Sch***-Forum."
Dass es keine Mädchen gab, die ihre Geschichten in Boulevardmagazinen verkauften, erstaunt die Fangemeinde nur wenig. 41 Prozent meinen, dass DM "nicht Mainstream genug wären, um ein generelles Interesse zu erzeugen", sodass die "Yellowpress an solchen Geschichten wohl auch nicht interessiert" gewesen wäre.


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Wie dem auch sei, ihr Lebensstil wurde in jedem Fall immer ausschweifender, und David war nun nicht mehr immer so entspannt. Bei den Partys verlor er mehr und mehr die Kontrolle und schlug immer häufiger über die Stränge.
Fletch: "Ich denke, er hatte das Gefühl, das Einzige, was er richtig konnte, war die Bühnenshow. Er war sehr emotional. Ich persönlich neigte dazu, ihm aus dem Weg zu gehen."[18]
1990 versuchte David noch, sich diesbezüglich sehr diplomatisch auszudrücken, redete viel um den heißen Brei herum:
"Unser Lebensstil hat seine Höhen und Tiefen, und es ist manchmal ein Kampf, die Dinge zusammen zu halten, weil ich so viel weg bin. Es ist ein massiver Druck, zu versuchen, eine Familie aufrechtzuerhalten und zur gleichen Zeit monatelange Tourneen zu machen. Ich möchte definitiv mehr Kinder, aber im Moment ist es wirklich schwierig. Als Jack geboren wurde, war ich in seinen ersten drei Wochen bei ihm, und dann war ich weg auf Tournee für den Rest des Jahres. Es ist ein schizophrenes Leben und es verursacht Streit, aber ich liebe beide Teile meines Lebens so sehr, dass ich weitermache. Es wäre eine Lüge, zu sagen, wir wären den Verlockungen des Popstarlebens nicht erlegen. Ich denke, wir haben alles ausprobiert. Man kann von Dingen beeinflusst werden, natürlich, wie Drogen oder Mädchen. Sie können deine Beziehung, Ehe, angreifen. Ich bin da selbst durch, und ich sah, ich würde die Dinge verlieren, die besonders sind für mich. Ich erkannte, wie oberflächlich diese on-the-road Attraktionen wirklich sind. Ich rede hier von eigenen Erfahrungen, aber ich will das nicht vertiefen. [19] Man geht durch die Extremen - macht Blödsinn, Exzesse mit Alkohol und so - und man kommt viel weiser raus. Ich bin jetzt ein Familienmann. Ich mag es, nach Hause zurückzukehren und Zeit mit meiner Frau und meinem kleinen Jungen verbringen, Alltagsdinge zu machen, wie jeder andere auch.[20]"

Zu dieser Zeit war David noch damit beschäftigt, seine Ehe zu retten. Als es nichts mehr zu retten gab, hörte sich das ganz anders an: "Ich bin fremd gegangen. Oft. Man macht sich selbst blind dafür und macht damit weiter. Es ist toll, so viele verschiedene Mädchen zu treffen und Spaß zu haben, aber dann realisiert man, wie sch*** man ist und wie das Leben anderer damit zerstört wird. Und es hat sich über die Jahre aufgebaut. Ich denke ... Nun, ich weiß, nun ... Ich denke, ich weiß ... dass meine Frau, meine Ex-Frau, mir vertraut hat. Und ich ging zurück zu ihr und ... ich habe nicht gelogen, weil Joanne mich nicht fragte. Ich bin sicher, sie hat es vermutet. Sie ist nicht dumm.[21] Ich fühlte mich gefangen von allem, was um mich herum war. Violator war ein riesiger Erfolg - und ich hätte glücklich sein müssen, aber ich war es nicht. Ich hatte alles, was ich wollte, aber ich fühlte mich verloren. Ich fühlte mich, als würde ich mich selbst nicht mehr kennen. Ich fühlte mich besch***, weil ich meine Frau andauernd betrog.[22] Ich fühlte mich sehr gelangweilt und sehr sicher. Ich fühlte mich in England sehr sicher, und ich mochte es nicht. Ich war da mit einer liebenden, sorgenden Ehefrau, einem Baby, einem großen Haus auf dem Land, ein paar Autos und es fühlte sich nicht richtig an."[23]
Obendrein meinte er, sich in Theresa verliebt zu haben.
David: "Das war wie ein Hammerschlag. Man sieht sich selbst im Spiegel an und plötzlich ist alles sehr, sehr anders und die ganze Perspektive hat sich geändert. Theresa hat in mir Emotion geweckt, die ich nicht kannte, wie Liebe. Ich denke, ich habe meine wahren Gefühle die meiste Zeit verdrängt, habe eine Menge Leute belogen, die annahmen, ich würde sie respektieren und lieben und für sie sorgen ..."[24]
Ebenfalls 1990 starb Davids leiblicher Vater, was für ihn einen schweren Schlag bedeutete und mit dazu beitrug, dass er den Boden unter den Füßen verlor.



Waiting For The Night

(Waiting For The Night - mit freundlicher Genehmigung von © Pablo Maza Castillo)



Vom 31.08. bis zum 12.09. erfolgte mit acht Konzerte der "Welt-Leg" der Tournee mit Konzerten in Australien und Japan.
Am 17.09. erschien die Single World In My Eyes / Sea Of Sin / Happiest Girl, ehe am 28.09. der europäische Teil der Tour begann, der nach 38 Konzerten am 27.11. in Birmingham endete.
Zwischendrin erschien noch am 06.11. die Video-Compilation Strange Too.
Die Band zog sich in eine Pause zurück, die ihr nicht gut tun würde. Wie eine Art Orakel im Hinblick darauf und auf die weitere Zukunft, sagte David: "Ich frage mich, ob es uns in fünf Jahren noch geben wird. Es hängt davon ab, ob wir weiterhin Freunde bleiben und wie lange wir zusammen Musik machen wollen. Depeche Mode ist eine Gruppe von vier Leuten, und diese vier Leute prägen den Sound von Depeche Mode. Wenn eine dieser Personen die Band verlassen würde, wäre es nicht mehr Depeche Mode. Wenn wir uns trennen würden, wäre es das Ende."[25]
Natürlich wissen wir, dass er seine Meinung später ändern würde. Es muss jedoch gesagt werden, dass Alan bereits zu diesem Zeitpunkt mehr und mehr das Interesse an Tourneen verlor ...






Quellenangaben:
[1] www.recoil.co.uk
[2] Faith, Hope and Depravity, Select, Dezember 1990. Text: Andrew Harrison
[3] Depeche Mode: A Short Film, EPKMUTEL5, The Singles 86>98 Box Set, PBXMUTEL5. Regisseur: Sven Harding
[4] Interview with Depeche Mode, The Videos 86>98, Mute MF033 und Videos 86>98+, Mute MF042. Regisseur: Sven Harding
[5] User's Guide: Depeche Mode, Kingsize, Mai 2001. Autor unbekannt
[6] K-ROQ FM, L.A., Februar 1997, DJs: Kevin and Bean
[7] Faith, Hope and Depravity, Select, Dezember 1990. Text: Andrew Harrison
[8] Sin Machine, NME, 17.02.1990. Text: Stuart Maconie
[9] Sin Machine, NME, 17.02.1990. Text: Stuart Maconie
[10] Real Gahan Kid, Sky, März 1990. Text: Paul Lester
[11] Depeche Mode Hip it up and Start Again, Melody Maker, 10.03.1990. Text: Jon Wilde
[12] Violator, Alligator, NME, 07.07.1990. Text: Jeff Giles
[13] Violator, Alligator, NME, 07.07.1990. Text: Jeff Giles
[14] www.recoil.co.uk
[15] www.recoil.co.uk
[16] Mode Ahead, Muzik, Juli 2001. Text: Ralph Moore
[17] Just Can't Get Enough, Uncut, Mai 2001. Text: Stephen Dalton
[18] In the Mode, Details, April 1993. Text: William Shaw
[19] Real Gahan Kid, Sky, März 1990. Text: Paul Lester
[20] Depeche Mode Hip it up and Start Again, Melody Maker, 10.03.1990. Text: Jon Wilde
[21] In the Mode, Details, April 1993. Text: William Shaw
[22] "I Never Wanted to Destroy Depeche Mode", Melody Maker, 03.04.1993. Text: Jennifer Nine
[23] The Basildon Bond, The Times Magazine, 14.04.2001. Text: Paul Connolly
[24] In the Mode, Details, April 1993. Text: William Shaw
[25] Depeche Mode Hip it up and Start Again, Melody Maker, 10.03.1990. Text: Jon Wilde



Biographiefaden: 1991

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