1986
Übersicht: Veröffentlichungen in diesem Jahr waren die Single Stripped/But Not Tonight, das Album Black Celebration, weitere Singleauskopplungen A Question of Lust / Christmas Island und A Question Of Time sowie die Videosammlung Some Great Videos. Alan begann mit seinem Recoil-Projekt und veröffentlichte 1+2.
Die Konzentration ging in diesem Jahr endlich etwas weg von all
den Klamottenfragen, aber nur etwas. Wenigstens war man die Hälfte
des Jahres damit beschäftigt, sich um Musik zu kümmern.
Mit Black Celebration mischten DM bereits das dritte Album in
Berlin ab.
David: "Ich kann nicht mehr in England arbeiten. Es ist komisch.
Das Studio ist direkt neben der Berliner Mauer, aber niemand von
uns war je im Osten. Martin hat's mal versucht, aber sie haben es
ihm verweigert. Sie mochten nicht, wie er angezogen war. Dachten,
er wäre ein Hooligan." (Der Witz des Jahres :D) "Die Leute denken, wir arbeiten hier, weil es
ist wow ist, viel los, aber ich empfinde das nicht so. Es ist wie
ein Vorort. Berlin ist wie Brixton."[1]
Und über den Keller der Hansa-Studios: "Oh ja, es ist ein bisschen
verrückt, nicht wahr? Ich habe hier unten Shake The Disease gesungen,
und ich hatte Angst. Ich hatte komische Geräusche im Kopfhörer, so
was wie Wispern und manchmal kann man auf dem Projektor Schatten
sehen. Hier spukt es." Trotzdem waren sie zum dritten Mal in dieses Studio
gekommen. "Hauptsächlich, weil
wir zu faul sind, um ein anderes Studio zu finden, und wir wissen,
dass, wenn wir hierher kommen, wird es gut werden. Es ist eines der
besten Studios der Welt. In London zu arbeiten ist schwierig,
weil zu viele Leute vorbeikommen, um uns zu sehen. Wir haben keinen
Manager, der sie von uns abhalten könnte. Wir vier, wir sind die
Manager."[2]
Zu dieser Zeit wurden die Rollen innerhalb der Band immer klarer definiert, etwas,
was nicht immer frei von Konflikten war.
Fletch: "Martin ist der Songwriter, die kreative Kraft der Band.
Alan ist der Chefmusiker, der beste Musiker in der Band Dave ist der Frontmann. Ich denke, er
ist der Grund, warum wir live so gut sind. Viele Leute mögen seine
Bühnenpräsenz nicht, aber er kann eine Menge zum Kochen bringen,
und das kann man nicht ignorieren. Er verwendet sehr viel Aufwand
darauf und sein Gesang ist über die Jahre immer besser geworden.
Ich bin der Organisator. Da wir keinen Manager haben, übernehme ich
all diese Funktionen." (Interessant ist, dass sich Jahre später - als Alan
große Teile seiner DM-Sammlung verkaufte - herausstellte, dass es allerdings
eher Alan gewesen war, der Listen anfertigte, organisierte und über alles
"Buch führte".) "Ich halte auch die Band zusammen und so was,
was sehr wichtig ist, denke ich. Jede Band hat so jemanden."[3]
Alan: "Martin und ich sind für die musikalische Seite zuständig,
und wir scheinen uns gut zu ergänzen. Er ist mehr am Songschreiben
und der Melodie interessiert, während ich mich mehr für den Rhythmus
und die Produktion interessiere. Martin langweilt sich damit
schnell."[4]
Manchmal störte es ihn, dass Martin sich so wenig für diese Seite interessierte,
andererseits gab es ihm auch Raum. Gleichzeitig war dies wohl aber auch Grundlage
für die späteren Probleme.
"Wir haben die Theorie, dass Martin ein fauler Hund
ist, der ein ganzes Album an einem Nachmittag schreibt, aber
vorgibt, er hätte es nicht. Also kann er stundenlang über andere
Sachen nachdenken und macht nichts."[5]
Und: "Die NME sagte mal, wir wären nicht abenteuerlustig genug.
Sie sagten, dass wir viel mehr rausholen könnten, dass wir zu faul
wären. Bis zu einem bestimmten Punkt ist das wahr, aber es rührt
von dem Problem her, dass wir eine Demokratie sind. Wir neigen
dazu, Kompromisse zwischen der abenteuerlustigen und der
konservativen Seite der Band zu schließen."[6]
Die einzige Option, die sie hatten, wenn sie sich überhaupt nicht einigen
Konnten, war eine "unabhängige Meinung von Leuten einzuholen, die
wir respektieren, also Dan Miller, Flood, Jonathan Kessler usw."[7]
(Stripped - mit freundlicher Genehmigung von © Steve Mishos)
Das Ergebnis der Kompromisse und Spannungen
während der Aufnahmen
war zunächst die Single Stripped / But Not Tonight,
die am 10.02. veröffentlicht wurde. Zum Ärger der Band
erschien But Not Tonight in den USA als A-Seite.
Martin: "Die amerikanische Plattenfirma hält uns für eine Disko-Band und
veröffentlicht daher gern unsere B-Seiten.[8] Wir haben drei Wochen gebraucht,
um Stripped zu perfektionieren, But Not Tonight hingegen war so
eine lasche Geschichte, die wir an einem Tag aufgenommen haben.[9]"
Alan: "Der US-Markt ist ein ganz anderer als der in Europa oder im Rest
der Welt. Ich gebe nicht vor, ihn wirklich zu verstehen, aber wann immer
wir ein Produkt 'liefern', werden sie etwas anderes wollen, damit es 'zu ihrem
Markt passt'. Ihr Argument ist, dass 'wir unseren Markt besser kennen als ihr,
also lasst uns entscheiden'. Vielleicht haben sie Recht. Man muss auch sagen,
dass Radio in den USA so etwas wie ein seltsames Tier ist, das den Firmen
diktiert, was sie zu veröffentlichen haben."
Es heißt, dass Sire Records vorhatte, But Not Tonight als Soundtrack
für den Film Modern Girls einzusetzen und daher die Single "umdrehte".
Auf seiner Webseite erklärte Alan, dass der Hauptteil des Sounds von
Stripped auf einem "Motorrad im Leerlauf, erzeugt mit einem
Original-Emulator" basiert, zuzüglich eines "tiefen Brummens, erzeugt mit
einem Leslie Cabinet. Weitere Sounds waren das Zündungsgeräusch von Daves
Porsche 911 und ein Feuerwerk (es war gerade Guy Fawkes Nacht), die Gareth
mit ungewöhnlichen Mikrophonen auf dem Studioparkplatz aufnahm. Die
Mikrophone wurden in unterschiedlichen Abständen und Höhen platziert, sodass
eine Art Surround-Stereoeffekt entstand. Außerdem wurde ein Schlagzeug
ausgeliehen und in dem großen Empfangsbereich der Westside Studios",
wo dieses Album vorrangig aufgenommen wurde, "aufgestellt. Damit wurden
verschiedene Töne aufgenommen, die dann gesampelt wurden."[10]
Fletch: "Die Idee von Stripped ist, für einen Tag von Technologie
und Zivilisation wegzukommen, zurückzukommen zur Basis in der Natur.
Es geht um zwei Leute, die ihre nackten Emotionen enthüllen. In
dem Video demolieren wir ein Auto und zerschlagen einen
Fernsehen ... es ist ein bisschen, äh, symbolisch."[11]
Die Idee zu dem Video stammte von Regisseur Peter Care, der es in Berlin,
ganz in der Nähe der Hansa-Studios filmte.
Alan: "Es war erstaunlich. Nur, weil wir in dem Video Autos
demolieren ... Briten können es nicht leiden, wenn materielle
Güter sinnlos zerstört werden. Wir bekamen viele Beschwerden.
Danach wurde vermutlich ein Film gezeigt, in dem jemand der Kopf
weggeschossen wurde."[12]
David: "Es geht nicht um Sex. Es geht darum, dass man sich selbst
nicht akzeptiert. Die Leute in dem Song können das alles abstreifen,
wenn sie es wollen."[13]
Das Gerücht, es ginge um Sex, war vor allem von den deutschen
Teenie-Magazinen geschürt worden, die mit Phrasen wie "sie träumen
von nackten Mädchen" aufwarteten.

Am 17.03. wurde das Album Black Celebration
veröffentlicht.
Einige der Stücke auf dem Album haben sechs oder acht kleine Melodien, die
miteinander spielen und sich in einer Art "Techno-Fuge" vereinen, was eine ganz
neue Atmosphäre erzeugte.
Alan: "Einige dieser Melodien stammten vom Originaldemotape, andere
entstanden im Studio. Dan und ich fanden oft, dass es zu viele Konter-Melodien
gab und nicht genug 'Raum' in der Musik. ...
Das Ungewöhnlichste, was wir wohl je gesampelt haben, war Daniel Miller, der
sehr schnell horse sagte. Dies wurde für den Anfang von Fly On The
Windscreen verwendet."[14]
David: "Black Celebration klingt etwas morbide, aber es ist so:
Am Ende eines Arbeitstages geht man aus und ertränkt seine Sorgen,
egal, wie Sch**** du dich fühlst oder wie besorgt du in die
Zukunft schaust."[15]
Martin: "It Doesn't Matter Two ist sehr verzweifelt. Sehr, sehr
morbide. Es gibt einen ganz lustigen Song, Sometimes, der ist über
jemanden, der alles in Frage stellt und damit endet, ermüdend und
entschuldigend zu werden."[16]
Er lachte nervös, denn er ist als autobiographischer Schreiber bekannt
und dürfte somit sich selbst beschrieben haben. Oder wie Alan einmal
sagte: "Martin ist sehr ehrlich in seinen Songs, nahezu beschämend ehrlich."[17]
Am 29.03. begann die Black-Celebration-Tour, die sich in vier Teile
gliederte. Der Auftakt lag wieder in Großbritannien, wobei dieses mit 13
Konzerten diesmal deutlich weniger bedacht wurde. Dieser Leg endete am
17.04. in London.
David: "Ich denke, auf dieser Tournee muss sich die Band wirklich
zusammenreißen. Wir haben darüber gesprochen. Darin sind wir ganz
gut, sonst wären wir nicht mehr zusammen. Wir sind durch eine
Menge schlechter Zeiten gegangen. Wir haben keine musikalischen
Differenzen, aber als Menschen. Besonders zwischen Fletch und mir.
Wir neigen dazu, uns manchmal zu streiten, obwohl wir uns wirklich
lieben", (lacht), "aber definitiv nicht auf schmalzige Art."[18]
(Viele Interviews mit anderen Musikern (siehe die
Interviews auf dieser Webseite) zeigen, dass die meisten Bands in der Lage
sind, persönliche Probleme zu kompensieren, solange es keine tiefgreifenden
musikalischen Differenzen gibt. Meine persönliche Erfahrung (nicht in Bands,
aber in vielen Teams) hat allerdings gezeigt, dass sich zumeist beides gegenseitig
bedingt.)
Fletch (über die Tournee): "Die Atmosphäre hinter der Bühne [in
Oxford] war leicht angespannt, aber als wir auf die Bühne kamen,
ging es schon viel besser. Das Konzert lief gut bis auf ein paar
kleine Pannen, hauptsächlich, als ich während der Zugabe fehltrat,
mich verletzte und fast die gesamte Tournee in Gefahr brachte. Zu
meiner Verärgerung erinnern mich die Leute immer noch an diesen
Zwischenfall."[19]
In dieser Zeit entwickelten sich DM mehr und mehr zu einer "Live-Macht",
wenngleich sie - die Fans (und die Band) mögen es mir verzeihen - im traditionellen
Sinne keine gute Live-Band waren. Auf den ersten Blick erschienen DM wie
eine statische Formation mit drei Jungs hinter programmierten Keyboardburgen und
einem Frontman, der wie angestochen auf der Bühne herum hopste und nicht immer
jeden Ton traf.
Trotzdem gingen von ihnen eine Magie und eine Faszination aus, der sich auch
sehr kritische Leute nicht entziehen konnten. Es gibt wohl niemanden, der
auf ein DM-Konzert gehen und hinterher sagen kann, er sei nicht in irgendeiner
Form beeindruckt gewesen, denn die Atmosphäre war einzigartig.
Als Alan DM zum ersten Mal live aus dem Publikum erlebte, zeigte er sich sehr
beeindruckt von der Art und Weise, in der David das Publikum kontrollierte.
Dies ist eine durchaus zutreffende Beobachtung - und sie traf auch schon 1986 zu.
Im Versuch, einen Vergleich zwischen den damaligen und den heutigen
Konzerten zu ziehen, taten sich die Fans, die die früheren Konzerte bevorzugten,
schwer, ihren Reiz auszudrücken. Man könnte es mit: "Die recht statische und
unnahbare Bühnenpräsenz einer nahezu rein elektronisch arbeitenden Band war
etwas, das völlig aus dem Rahmen fiel, sehr beeindruckte, etwas Neues,
Einmaliges und Mystisches darstellte" zusammenfassen. (Hierzu sagte Martin
einmal: "Ich denke, dass dies Dave dabei geholfen hat, sich als Frontmann zu
entwickeln. Denn viele Jahre lang waren wir eine total statische Keyboard-Formation.
Das gab ihm mehr Raum auf der Bühne, er rannte herum und versuchte, das
Publikum einzubeziehen."[20]) 45 Prozent erklärten
auch, dass die "Liveversionen früher kreativer, interessanter und ausgeklügelter"
waren, "was natürlich spannender ist".
Eine echte Erklärung ist dies jedoch nicht, zumal diese rätselhafte Magie
auch schon in den ganz frühen Tagen von ihnen ausging, als sie noch mit
Schlips, Anzug und Tonbandgerät auf der Bühne standen und David sich eher
wie beim Tanztee bewegte.
Mit dem atmosphärischen, düster wirkenden Black Celebration gewann diese
Magie an Kraft, die sich bis hin zur Devotional immer weiter steigerte.
(Black Celebration - mit freundlicher Genehmigung von © Alessandro Pagni)
Zwischendrin erschien am 14.04. die Single A Question Of Lust /
Christmas Island. Eine der seltenen Singles, bei denen Martin der
Leadsänger war.
Alan: "Es war immer sehr leicht, zu bestimmen, wessen Stimme am
besten zu dem jeweiligen Song passen würde. Generell gesprochen passt
Martins Stimme am besten zu Balladen, während Daves Stimme besser zu den
raueren Songs passt."
Am Anfang des Videos zu A Question Of Lust erscheint Martin nackt vor
der Kamera.
Alan: "Wir waren irgendwo in einem Club und wie üblich
schaffte Martin es, all seine Kleidung auszuziehen. Der Regisseur
Clive Richardson hatte seine Kamera dabei und das war es, was er bekam."[21]
Fast unmittelbar darauf begann am 24.04. mit dem Konzert in Oslo der
europäische Teil der Tour, der 24 Konzerte umfasste und am 25.05. in
Rüsselsheim endete.
Praktisch ohne Pause fügte sich der Übersee-Leg an, der am
28.05. in Los Angeles begann, 29 Konzerte in die USA und drei in Japan
beinhaltete und am 23.07. endete.
David: "Gegen Ende des europäischen Teil der Tournee war ich sehr
depressiv. Ich wollte einfach nur nach Hause. Ich habe viel
geschmollt, denn obwohl dies der ideale Job ist, den ich liebe,
ist es auch physisch und psychisch anstrengend."[22]
Fletch: "Trotzdem hatten wir nur ein paar Tage Pause, bevor wir
die Amerikatournee begannen."[23]
David: "In Amerika schmeißen sie alles Mögliche auf die Bühne -
BHs, Unterwäsche, sogar Schuhe. Nach einem Konzert hatten wir 40
Schuhe auf der Bühne - aber kein einziges Paar! Ich stelle mir vor,
wie diese Leute nach Hause gehopst sind!"[24]
Fletch: "Wir haben an Orten gespielt, an denen zuvor noch nie eine
elektronische Band aufgetreten war. Vorher traten wir nur an den Orten auf,
von denen wir dachten, dass es dort gut laufen würde, an der Ost- und an der
Westküste, aber was die Mitte der USA anbelangte, so waren wir auf das
Schlimmste vorbereitet. Am Ende war jedoch die gesamte Tour ein voller
Erfolg. Wohin wir auch kamen, wollten die Leute unsere Musik hören. Ich denke,
sie haben zuvor noch nie eine solche Band gesehen, die ohne Schlagzeug und
Gitarren auskommt."[25]
Alan: "Wir gingen auf eine Tournee, die richtig abzugehen schien,
besonders in Amerika. Wohin wir auch kamen, wir waren hip, und wir wechselten
praktisch schlagartig von kleineren Hallen in die großen Arenen. Von diesem
Zeitpunkt an entwickelte sich alles rasend schnell."[26]
Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass das Interesse an britischen
(Elektronik)Bands zu diesem Zeitpunkt in den USA eigentlich immer mehr
nachließ. DM startete dort erst so richtig durch, als englische Bands out
waren und man sich wieder mehr den amerikanischen Rockbands zugewandt hatte.
Fletch: "Danach ging es nach Japan, wo wir nur Züge,
Hotelzimmer und Konzerthallen sahen. Martins Geburtstag fiel
auf den letzten Tag dort. Nach einem großartigen Konzert in
Tokio waren wir bei einem Fernsehsender, wo der Produzent ihm
eine Videokamera schenkte." (Eine Aufzeichnung dieser Sendung kann man
übrigens auf YouTube finden.) "Meine Gedanken wanderten zurück zu
meinem Geburtstag drei Wochen zuvor, den ich krank im Bett in
Vancouver verbrachte. ...
Während das Equipment von Japan zurückgebracht wurde, hatten Alan und
Martin einen kurzen Aufenthalt in Bali. Dave und ich hatten etwas
Heimweh und fuhren nach Hause. ... Der letzte Teil der Tournee führte durch
Südeuropa, wo wir von schlechtem Wetter geplagt wurden. Das
Konzert in Bordeaux musste sogar wegen Regens abgesagt werden."[27]
David: "Als Live-Band sind wir sehr laut. Wir übertrumpfen
Motörhead - aber darum geht es, es ist die Macht von Rock'n'roll!
Wir haben uns nie eine Rock'n'roll-Band genannt, aber alles, was
wir tun, hat damit zu tun. It's Called A Heart war Rock'n'roll,
Mann." (lacht)[28]
Martin: "Auf eine subtile Art korrumpieren wir die Welt. Wenn
man sich selbst als Popband bezeichnet, kommt man mit allem durch."[29]
Und noch eine seiner Theorien:
"Vier Leute ist die richtige Anzahl für eine Popgruppe. Die
Geschichte gibt mir Recht. Fünf Leute sehen falsch aus und
drei dumm. Vier sieht stark aus."[30]
(Man sollte sich diese Aussage für später merken ...)
Schon während dieser USA-Tour begann die Band, in eine "Party-Falle" zu
geraten, und sie fingen tatsächlich an, ein "Rock'n'Roll-Leben" zu führen.
Alan: "Es ist aufregend, die Möglichkeit zu haben, so viele verschiedene
Länder zu besuchen und neue Leute kennen zu lernen, aber ständiges Reisen
und das Leben in Hotels kann dich auch runterziehen. Auch ist es auf den
ersten Blick toll, dass dir alle alles zu Füßen legen - Clubs, Restaurants, man
bekommt einfach alles. Die andere Seite der Medaille ist, dass man sich zu
leicht mitreißen lässt und man schnell den Kontakt zur Realität verliert. Es ist
wahr, dass man auf Tour wie in einer Seifenblase lebt. Je länger die Tour geht,
umso langweiliger wird es, jede Nacht das Gleiche zu spielen. Ich empfand es
auch immer als eine Art surreales Erlebnis, auf der Bühne zu sein - manchmal
war ich mit meinen Gedanken ganz woanders, während mein Körper auf
Autopilot geschaltet war.
Ein gewöhnlicher Tag auf der Straße ist: Hotel verlassen um 13 oder 14 Uhr,
zum Flughafen fahren, mit einem Privatjet zur nächsten Stadt fliegen. Ankunft
gegen 16 Uhr. Von dort direkt zum Soundcheck, um 18 Uhr ins Hotel, wenn
noch Zeit ist, kurz in die Sauna oder in den Fitnessraum, ab zum Konzert um
Viertel vor acht, auf die Bühne um 20:30 oder um 21 Uhr.
Wenn man dann von der Bühne kommt, ist es 23 Uhr, und man ist sehr wach.
Man braucht zwei Stunden zum Umziehen und Plaudern und trinkt ein, zwei
Bier. Inzwischen ist es ein Uhr morgens und man will nur noch ausgehen. Ehe
man es wirklich merkt, hat man die ganze Nacht hindurch getrunken und es ist
sieben Uhr morgens. Im Verlauf einer Tour koordiniert man sich so sehr auf
diesen Lebensstil, dass man ständig nachts wach ist und trinkt, ohne sich jemals
betrunken zu fühlen. Dies wird dann so normal, dass es einem selbst gar nicht
ausschweifend vorkommt."[31]
Dies ist der typische Lifestyle nahezu jeder Band auf der Welt. Ich habe tausende
von Interview mit verschiedenen Musikern gelesen und exakt diese Beschreibung
ist mir hunderte von Malen untergekommen. Ein Musiker beschrieb es gegenüber
depechemodebiographie.de mit: "Die Sache war doch einfach die: Ich kam zur
Probe - erst mal 'n Bier trinken... Wir setzten uns in den Tourbus: Zisch!
Wir sind vor der Halle angekommen: Zisch! Soundcheck... After Show Party...
Und ehe du dich versiehst, bist du in einem Kreislauf gefangen, der für dich
zwar die Normalität darstellt, der aber durchaus in der Alkoholabhängigkeit
enden kann." Und ein anderer mit: "Es ist leicht, einen ausschweifenden
Lebensstil zu führen. Ich trank schon auf der Bühne einen halben Kasten
Bier, um danach die ganze Nacht zu feiern, mir so viel Pulver wie möglich
durch die Nase zu blasen und am nächsten Abend wieder ganz von vorne anzufangen.
So ein Leben hat eine kurze Halbwertzeit: Entweder landest du im Knast,
du stirbst - oder du kriegst den Sch*** in den Griff!"
Aber ehe man die Schattenseiten dieses Lebensstils registriert, hat man natürlich
erst einmal Spaß daran - und zu dieser Zeit hatten DM definitiv Spaß daran ...

Nur wenig später absolvierte die Band vom 04.08. bis
zum 16.08.
mit sieben Konzerte einen kleinen zweiten europäischen Teil, der bis auf das
Abschlusskonzert in Kopenhagen hauptsächlich in Italien stattfand.
David (über Italien): "Es ist schön, zu dieser Jahreszeit hierher
zu kommen, aber es ist Chaos! Das ganze Land ist ein totales Chaos!"
Martin: "Die Leute sind nett hier und alles, aber sie sind
berühmt für ihre schlechte Organisation. Meistens stimmen die
Klischees über Länder nicht, aber in Italiens Fall ist es leider
wahr." (lacht)[32]
Alan: "In Italien kann alles passieren. Das letzte Konzert haben
wir in einem Zelt gespielt. Es regnete, und es war überall
Kondenswasser auf den Keyboards! Ein anderes Mal hat jemand ein
Kabel durchgeschnitten und die Elektrizität brach zusammen."
Fletch: "Oh ja, und erinnert ihr euch an diese italienische
Fernsehsendung? Sie sagten uns, wir wären in einer Minute dran,
am Ende mussten wir 13 Stunden warten."
David: "Da war dieser Typ, der sich über unsere Frisuren lustig
machte. Ich sagte: Nun, zumindest haben wir welche. Er trug nämlich
ein Toupet. Und als er Martin fragte: Junge oder Mädchen? haben
wir ihn verhauen. Wir wurden rausgeschmissen ..."[33]
Das stimmt definitiv nicht. Man kann sich dieses Interview auf YouTube
ansehen. Der Moderator fragte Martin in der Tat, ob er ein Junge oder
ein Mädchen sei, aber verhauen haben sie ihn nicht, zumindest nicht vor
laufenden Kameras.
Zwischendrin erschien am 11.08. die Single A Question
Of Time.
Es wurde größtenteils in den Hansa-Studios aufgenommen, die den Song
"mit ihrem einzigartigen Ambiente prägten", wie Alan sagte, "es ist
schwierig zu sagen, welchen Effekt das Studio auf den Song hatte, aber Hansa
hatte definitiv Einfluss darauf. Obwohl wir sonst zumeist ganz oben im Gebäude
im Studio 4 arbeiteten, liehen wir uns den Hauptaufnahmeraum von Studio 2
aus, um dort ein 2K PA-System aufzustellen, durch das wir verschiedene Töne
jagten. Dies passierte zum großen Ärger des Besitzers des Hansa Cafés, der nun
drei Tage am Stück Geräusche wie von einem Presslufthammer ertragen musste.
Ich will nicht wissen, was er uns dafür ins Essen gemischt hat ..."[34]
A Question Of Time war das erste Video, bei dem DM mit Anton Corbijn
zusammenarbeiteten, der ihr Image entscheidend prägen und
verändern sollte. Mit Corbijn verlor die Band ihr naives Image. Sie waren nicht
länger eine "junge, poppige Boyband, die vielleicht schwul war". Ihre Musik
wurde erwachsener, und Corbijn verpasste ihnen einen düstereren, maskulineren
Stil. Manchmal verlieh er ihnen sogar etwas Machohaftes (besonders in den
späteren Videos wie etwa Personal Jesus.) Übrigens: Wusstest du, dass
er DMs Musik vorher nicht gemocht hatte? Dies
änderte sich mit A Question Of Time. Außerdem gab es ihm die Gelegenheit,
in Amerika zu filmen, etwas, was er immer schon mal gern hatte machen wollen.
Martin: "Wir hatten schon eine ganze Weile versucht, mit Anton zu
arbeiten, aber er war nicht daran interessiert, mit uns zu arbeiten. Er fand,
dass wir zu sehr eine Pop-Band waren, und er mochte das, was wir machten, nicht
besonders. Es war so etwa der dritte Versuch, als wir ihm A Question Of Time
schickten und fragten, ob er dafür ein Video machen würde. Und endlich mochte
er einen unserer Songs.[35] Wir hatten eine Menge schlechte Erfahrungen mit
Videos aus den früheren Tagen. Ich denke, dass die Regisseure reinkamen, sahen,
wie jung und naiv wir waren und sich dann sagten: Lasst uns mal sehen, wie dumm
wir sie erscheinen lassen können, sehen, wie weit sie damit kommen."
David: "Mit Videos fühlten wir uns nie wohl. Wir standen immer im
Hintergrund und hinterher sagten wir: Urrrgh, das sieht wirklich
schlecht aus, oder? In dem Moment, in dem wir anfingen, mit Anton zu arbeiten,
wussten wir, dass wir den Richtigen gefunden hatten."[36]
Fletch: "Früher war es immer eine Art Lotterie, wie das Video wohl
ausfallen würde. Es war frustrierend, weil wir wussten, dass wir keine Kontrolle
darüber hatten. Wirklich, bis zu dem Tag, an dem wir Anton Corbijn trafen, sahen
wir manchmal okay aus und manchmal schrecklich. Wir hatten kein einheitliches
Image. Wir sahen nicht aus wie eine einheitliche Band. Als wir anfingen, mit
Anton zu arbeiten, fingen wir auch plötzlich an, wie eine coole Band auszusehen."[37]
Dann lag der Fokus des Videos jedoch hauptsächlich auf Alan: "Ich kann mich nicht mehr wirklich an die Umstände erinnern, aber es kann sein, dass ich der Einzige war, der es schaffte, rechtzeitig aufzustehen. Der Drehort lag zwei Stunden von L.A. entfernt und ich glaube, der Dreh fand direkt nach einem Konzert statt. Regisseure bestellen dich immer um 5 Uhr morgens zum Dreh, einfach, um dich zu ärgern. Später hatten wir dann mit den Babies zu kämpfen, ehe sie das machten, was angedacht war. Da waren Mütter, Windeln, Fläschchen, Spielzeug - jede Menge Chaos."[38]
Martin (dazu, wer mit der 15jährigen in A Question Of Time
gemeint sei): "Nun, hmmmmm, ja, es geht um eine bestimmte Person. Punkt,
kein Kommentar." (lacht)
David: "Ich denke, es ist mehr eine Beobachtung ... wie ... äh, also,
es beschreibt nur, was mit einer Person passieren wird, ein junges,
attraktives Mädchen, das unschuldig ist, und sich dann
offensichtlich verändert, wenn wir Kerle sie in die Hände kriegen."
Genau in dem Moment tauchte eine Horde Teenager auf und eines
der Mädchen bat darum, David auf die Wange küssen zu dürfen.
"Nein, nein", sagte er, bevor er dann doch nachgab: "oh, na schön."[39]
(A Question Of Time - mit freundlicher Genehmigung von © Camilo Rueda López)
Am 18.08. erschien mit 1 + 2 eine Mini-EP von Alans so eben
gegründeten Soloprojekt Recoil.
Frage eines Fans: "Woher kommt der Name Recoil?"
Alan: "Aus dem Wörterbuch."[40]
(2010 beantwortete er die gleiche Frage weit weniger ironisch: "Es
ist das, was passiert, wenn du ein Gewehr abfeuerst und dich der Rückstoß
zurückschleudert. Das ist (ein) Recoil (Rückstoß). Und ich fand, dass es gut
wäre, wenn Musik einen solchen Effekt auch auf die Zuhörer hat ... man will
(als Musiker) nicht, dass die Musik einfach über die Leute hinweg spült und
keinen Effekt auf sie hat. Aus diesem Grund mag ich dieses Wort. Aber davon
mal abgesehen, gab es keinen echten Grund dafür. Es klang zu dieser Zeit
einfach gut für mich."[41])
Alan: "Ich betrieb zu Hause ein paar Spielereien mit Samples und
nahm diese auf Kassette auf. Sampling war zu der Zeit brandneu,
und es war aufregend für mich, mich damit zum Spaß außerhalb der
Band zu beschäftigen.[42] Ich hatte eine Demokassette, die ich mit einem
vierspurigen Mischpult aufgenommen hatte. Schließlich spielte ich Daniel die Kassette
vor. Es endete darin, dass wir die Songs praktisch so
veröffentlichten, wie sie waren. Ich hatte keine Zeit, das
vernünftig aufzunehmen.[43]
Wir hatten das Gefühl, dass es gut wäre, so etwas herauszubringen, und
zu diesem Zeitpunkt war es wirklich ein Nebenprojekt, sodass ich keine
hohen Ansprüche daran stellte."
Der Rest der Band nahm das Projekt zunächst nicht sonderlich zur
Kenntnis.
Alan: "Sie sagten nicht viel dazu. Und zu Beginn war ich damit auch
sehr zurückhaltend. Schließlich war die erste Veröffentlichung nicht mehr als ein
Demo. Ich hatte nicht den Eindruck, als würde sie das sehr interessieren."[44]
Während ich auf Anfragen bezüglich einer Erlaubnis zum Einfügen von
Ausschnitten aus Depeche-Mode-Songs nie eine Antwort erhalten habe,
erlaubte Alan mir dies in Bezug auf Recoil-Songs.
Dies ist ein Ausschnitt aus "2":
(mit freundlicher Genehmigung von © Recoil / Alan Wilder)
Es war ein Jahr der eher missglückten Interviews.
So gab es eines, in dem David die Reporterin einfach zutextete.
Sie kam gar nicht dazu, ihre Fragen zu stellen, sondern bekam Dinge
wie diese zu hören:
"Ich war sehr betrunken nach dem letzten Konzert und kam nicht vor
vier am Morgen zurück ins Hotel. Dort lag ich auf dem Bett, bis ich
plötzlich pinkeln musste. Ich ging ins Bad und schlief auf dem
Klo ein. Nach etwa einer Stunde versuchte ich aufzustehen, aber ich
rutschte auf einem Handtuch aus und fiel in die Dusche ... Ich
schrie nach Jo, die mich zurück ins Bett brachte. Ich sah meinen
Knöchel an und starb beinahe, als ich seine Größe sah. Er war wie
ein Elefantenfuß. Riesig. Er tut noch immer weh ..."[45]
Und natürlich sollte jetzt niemand glauben, dass deswegen ein Konzert
abgesagt worden wäre. Egal, welche Viren und Verletzungen auch durchs
Bandlager huschen mochten - die Show musste weitergehen.
Alan: "Und schon gar nicht kann man mal eben ein Konzert absagen,
weil man müde ist. Außerdem - einmal auf der Bühne hilft einem ein natürlicher
Adrenalinstoß dabei, die Sache durchzustehen."[46]
David: "Du würdest nicht glauben, wie viel Geld ich für Klamotten
ausgebe. Heute sind mir die Lederhosen ausgegangen, weshalb ich
weiße Baumwollhosen tragen musste. Ich bin so durchgeschwitzt jede
Nacht, und das Leder wird hart. Fünf Konzerte, und sie sind
ruiniert. Heute wäre ich fast ausgerutscht, weil die Bühne so
nass war."[47]
Und falls jemand glauben sollte, er würde sich selbst um seine Garderobe
kümmern - Alan: "Jedes Bandmitglied hat eine Tourgarderobe und eine
Person, die sich darum kümmert, damit jedes Bühnenoutfit rechtzeitig
gewaschen wurde und zum Anziehen bereit lag usw."[48]
Gerade in diesem Jahr gab es einige Interviews, die zeigten, dass sie sich
nicht mehr großartig um die Anwesenheit von Journalisten scherten. So zum
Beispiel das folgende, in dem es ursprünglich um etwas anderes ging, was David
und Fletch aber nicht weiter kümmerte.
David: "Ja, ich habe Pläne, Kinder zu haben. Ich werde alles
versuchen. Und ich bin in einer Position, gut für sie sorgen zu
können, was nicht bedeutet, dass ich sie auf eine Privatschule
schicken werde. Ich will, dass sie ganz normal aufwachsen."
Fletch: "Ich bin 24. Ich habe oft den Wunsch - Kinder zu haben
und so - aber meine Freundin hat gerade ihre Karriere begonnen und
will das nicht unterbrechen."
(Die Rede ist von seiner späteren Frau Grainne, mit der er auch heute
noch verheiratet ist.)
David: "Manche Leute widmen sich so sehr ihrem Beruf, dass alles
andere unwichtig wird, aber ich denke, das ist eine sehr enge
Sichtweise. Zum Beispiel unser Ingenieur, er hatte gerade eine
Vasektomie, und er ist sehr jung. Ich finde das ziemlich dumm." (Und ich
finde es unmöglich, dass du das jedem erzählst :D) "Warum denn nicht das
Baby mit ins Büro nehmen? Was ist daran falsch?"
Fletch: "Sei nicht so dumm."
David: "Wenn es bedeuten würde, ich müsste meine Karriere für
ein Baby aufgeben, dann würde ich das tun, weil ich denke, ein
Kind würde meinem Leben etwas hinzufügen, was andere Dinge
dagegen gering erscheinen lässt."
Dann schwenkten sie auf ein anderes Thema um, immer noch weit
entfernt von dem, um was es eigentlich gehen sollte.
David: "Ich denke, wenn man Geld hat, ist es falsch, sich
schuldig zu fühlen, wenn man es ausgibt. Ich habe immer das
ausgegeben, was ich hatte, egal, ob es ein Fünfer war oder 500."
Fletch: "Das ist eine lächerliche Aussage. Du musst sichere
Anlagen haben, Dave, und du musst irgendwo eine Grenze ziehen.
Ich persönlich denke, die Riesensumme, die Martin gerade für
sein neues Sofa ausgegeben hat, ist total dumm."
David: "Aber, Fletch, man muss das Leben genießen."
Fletch: "Das mache ich."
David: "Ich weiß, aber man lebt nur einmal, und es dumm,
das Geld auf der Bank verschimmeln zu lassen."
Fletch: "Ja, Dave, aber alles hat seinen Preis ..."
David: "Ich schaue oft nicht auf die Preise."
Fletch: "Sicher, aber ..."[49]

Ansonsten ging es tatsächlich mal wieder um Martins Klamotten.
Wer hätte das gedacht ...
Warum er denn bei einer Zugabe einen BH mit je einer Dose Lager
auf jeder Seite getragen habe? (Allein schon die Frage verbietet sich.)
Martin: "Es nur etwas, was ich mag, es ist ein Lacher, ich lache,
wenn ich in den Spiegel schaue, andere Leute lachen, wenn sie mich
sehen, und ich mache die ganze Welt glücklich!" (lacht)
David: "Und es lässt Leute weinen, besonders Fletch. Du kannst das
nicht tragen, oh Gott!, sagt er bei jedem neuen Kleidungsstück, und
es ist immer ein großes Event, weil wir uns fragen, was Martin
dieses Mal anziehen wird."
Martin (lacht laut). "Vor ein paar Jahren in Frankreich, wo wir
nie sehr viel Erfolg hatten, zog ich dieses Zeug in der Garderobe
an, als wir diese Fernsehshow machten, und Fletch sah mich an und
sagte: Mart, wir werden nie was in Frankreich reißen, wenn du so
aussiehst! Dann hatten wir dort plötzlich große Hits. Das war es,
was den Ausschlag gegeben hat!"[50]
Legendär das Interview, das Martin auf der Wienerstraße in Berlin
gab, auf dem Asphalt liegend. Man kann hierbei nicht mit Sicherheit sagen, wer sich
hierbei lächerlicher machte ...
So wollte die Reporterin gern etwas über Martins Ambitionen als männlicher
Stripper erfahren ...
Fletch: "Wenn er weiter trinkt, könnte er strippen!"
Martin: "Es ist etwas, was ich nie tun wollte, als ich jünger war,
aber als ich ... Es ist etwas, was gefährlich ist, weil es immer
falsch verstanden wird. Ich habe keine großen Ambitionen, ein
Stripper zu sein, aber ich mag strippen."
Wie wäre es denn gleich hier?
Martin: "Es geht nicht darum, ein Exhibitionist zu sein. Ich würde
mich nicht vor Woolworth in Berlin ausziehen, es ist einfach nicht
der richtige Ort, um es tun."
Dann wurde auch noch nach dem Leder gefragt.
Martin: "Ich liebe es, Leder
zu tragen. Ich liebe es, schwarz zu tragen ... und ich liebe die
Idee, gefesselt zu sein, weil ..." (lacht)
"... ich mag das Gefühl der Hilflosigkeit, und das ist der einzige Grund.
Ich bin nicht auf Schmerz aus ... Nun, es geht um Peitschen und Ketten,
aber es ist nicht ... wie in den meisten meiner Songs hasse ich es, etwas
direkt zu beschreiben. Ich mag es, Songs zu schreiben, die von
etwas Bestimmtem handeln könnten, aber in Metaphern. Ich hasse es,
meine Songs zu beschreiben, denn wenn man es versucht und sie in
wenigen Worten beschreibt, beschreibt man sie nie ganz. ...
Manchmal schreibe ich ein paar Zeilen und bin nicht sicher,
wovon sie handeln. Ich weiß nicht genau, was ich zu sagen versuche,
aber sie passen genau zur Atmosphäre des Songs und zur Musik. ...
Ich hasse Interviews, weil ich es schwierig finde, natürlich zu
wirken. Ich hasse es auch, sie zu lesen. Das ist ein Grund, weshalb
es nicht mag, sie zu machen. ... Ich verurteile Journalisten
deswegen nicht, ich verurteile mich selbst dafür, was ich sage.
Ich weiß, es ist wirklich schlecht. Es ist eine Frage von ...
Ich denke, wenn ihr uns interviewt, ist das meiste, was ihr
kriegt, Müll. Ich weiß, wenn du mich interviewst, hörst du eine
Menge Zeug, das dich nicht interessiert ..."[51]
Die Reporterin dachte vermutlich, sie hätte etwas über Martins Persönlichkeit
erfahren, aber dieses Interview ist ein gutes Beispiel für Martins Humor und
seine Art, mit Leuten umzugehen, die zu neugierig werden.

Da wir gerade bei lustigen Dingen sind ... hier sind zwei kleine Highlights:
David: "Ich nehme an, A-Ha wird allen Bands die Mädchen aus dem
Publikum klauen, weil sie so gut aussehen. Das Problem ist, dass
sie wahrscheinlich komisch sprechen."
Fletch: "Sie sprechen wahrscheinlich besser Englisch als du!"
David: "Blödsinn. Ich wette, das können sie nicht."[52]
(Doch, David, Fletch hat da leider Recht ... A-Ha sprechen sehr
gut Englisch, während es manchmal eine Qual war, dich zu übersetzen ... ;-))
Fletch: "Zu Beginn dieses Projekt habe ich viele Vitamine genommen,
aber sobald ich aufhörte, sie zu nehmen, wurde ich krank. Ich sage
nicht, dass es was damit zu tun hat, aber ich war die letzten
anderthalb Wochen krank, versuchte, die Krankheit abzuschütteln.
Das ist aber immer noch besser als unter Verstopfung zu leiden,
das ist das Schlimmste!"
David: "Toilette ist eines seiner liebsten Themen. Das ist alles,
worüber er jemals spricht!"
Fletch: "Nun, es ist eine seltsame Sache. Ich meine, man macht es
im Privaten ..."
David: "Du solltest ihn über Toilettenstyling interviewen ..."
Martin: "Kann ich für zwei Sekunden unterbrechen? Die brauchen den
Videotitel JETZT! Ich dachte an etwas, was ich nicht besonders mag:
Some Great Videos."
Fletch: "Ja, weil einige unserer Videos sehr schlecht sind, ist es
nicht The Videos, also alle, sondern ein paar davon."[53]
Some Great Videos wurde am 22.09. veröffentlicht.
Ansonsten machte die Band für den Rest des Jahres eine kleine Pause,
wenngleich auch diese nicht sehr lange währte.
Quellenangaben:
[1] Back to the Wall, No. 1, 22.02.1986. Text: Max Bell / Mark Booker
[2] "I Love the Idea of Wearing Leather and I Love the Idea of Being Tied up, Because I Love the Feeling of Helplessness ...", Record Mirror, 08.02.1986. Text: Nancy Culp
[3] Depeche Mode: The Interview, Talking Music SPEEK013, 1988
[4] Basildon Bond, Blitz, April 1986. Text: Bruce Dessau
[5] Back to the Wall, No. 1, 22.02.1986. Text: Max Bell / Mark Booker
[6] Basildon Bond, Blitz, April 1986. Text: Bruce Dessau
[7] recoil.co.uk
[8] Celebrity Squares? Sounds, 26.04.1986. Text: Dave Henderson
[9] Devout Moded, Vox, Februar 1993. Text: Martin Townsend
[10] recoil.co.uk
[11] Back to the Wall, No. 1, 22.02.1986. Text: Max Bell / Mark Booker
[12] Basildon Bond, Blitz, April 1986. Text: Bruce Dessau
[13] Back to the Wall, No. 1, 22.02.1986. Text: Max Bell / Mark Booker
[14] recoil.co.uk
[15] Back to the Wall, No. 1, 22.02.1986. Text: Max Bell / Mark Booker
[16] Back to the Wall, No. 1, 22.02.1986. Text: Max Bell / Mark Booker
[17] Videointerview während der Masses-Tour 1988
[18] "I Love the Idea of Wearing Leather and I Love the Idea of Being Tied up, Because I Love the Feeling of Helplessness ...", Record Mirror, 08.02.1986. Text: Nancy Culp
[19] Information Service newsletter, September 1986
[20] My interview with Depeche Mode, 29.01.2010, Text: oyvindholen
[21] recoil.co.uk
[22] Yes, it's Two Typical Days on Tour with Depeche Mode, Smash Hits, 27.08.1986. Text: Ro Newton
[23] Information Service newsletter, Dezember 1986
[24] One of those Days ..., Smash Hits, 26.03.1986. Text: Chris Heath
[25] Information Service newsletter, Dezember 1986
[26] The Story Of Depeche Mode, BBC Radio London Live94.9, 07.05.2001, Produzent: Tony Wood
[27] Information Service newsletter, Dezember 1986
[28] Depeche Mode's Kinky Moods, Creem, Juli 1986. Text: David Keeps
[29] If You Call Yourself a Pop Band You Can Get Away With Anything, Record Mirror, 23.08.1986. Text: Andy Strickland
[30] Back to the Wall, No. 1, 22.02.1986. Text: Max Bell / Mark Booker
[31] recoil.co.uk
[32] If You Call Yourself a Pop Band You Can Get Away With Anything, Record Mirror, 23.08.1986. Text: Andy Strickland
[33] Yes, it's Two Typical Days on Tour with Depeche Mode, Smash Hits, 27.08.1986. Text: Ro Newton
[34] recoil.co.uk
[35] My interview with Depeche Mode, 29.01.2010, Text: oyvindholen
[36] Interview with Depeche Mode, The Videos 86>98, Mute MF033 and Videos 86>98+, Mute MF042. Regisseur: Sven Harding
[37] My interview with Depeche Mode, 29.01.2010, Text: oyvindholen
[38] recoil.co.uk
[39] If You Call Yourself a Pop Band You Can Get Away With Anything, Record Mirror, 23.08.1986. Text: Andy Strickland
[40] Ask Alan, Bong 6, Juli 1989
[41] Recoil in Bucharest - Otiliei Haraga, depechemode.ro
[42] recoil.co.uk
[43] Unsound Recordings, Sound On Sound, Januar 1998. Text: Bill Bruce
[44] recoil.co.uk
[45] Yes, it's Two Typical Days on Tour with Depeche Mode, Smash Hits, 27.08.1986. Text: Ro Newton
[46] recoil.co.uk
[47] Yes, it's Two Typical Days on Tour with Depeche Mode, Smash Hits, 27.08.1986. Text: Ro Newton
[48] recoil.co.uk
[49] From Lads to Dads, Just Seventeen, 19.03.1986. Text: Jenny Tucker
[50] If You Call Yourself a Pop Band You Can Get Away With Anything, Record Mirror, 23.08.1986. Words: Andy Strickland
[51] "I Love the Idea of Wearing Leather and I Love the Idea of Being Tied up, Because I Love the Feeling of Helplessness ...", Record Mirror, 08.02.1986. Text: Nancy Culp
[52] Back to the Wall, No. 1, 22.02.1986. Text: Max Bell / Mark Booker
[53] Depeche Mode's Kinky Moods, Creem, Juli 1986. Text: David Keeps
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