DAVID GAHAN
David Gahan (den zweiten Vornamen, den er sehr
wahrscheinlich hat, da seine Geschwister alle zwei Vornamen tragen, ist er in all
den Jahren schuldig geblieben) wurde am 09.05.1962 in Chigwell
geboren. Ähnlich wie bei Fletch und Martin wurden im Laufe der Jahre immer wieder
verschiedene Angaben zum Geburtsort gemacht, er selbst nennt jedoch in zwei oder
drei Artikeln "Chigwell".
"Ich wurde um 5 Uhr morgens am 9. Mai 1962 geboren. Wir wohnten
in der Romford Road in Chigwell in Essex, in einem Reihenhaus,
dort wurde ich auch geboren."[1]
(Da wir gerade dabei sind - Davids Geburtstag würde später zu einer Art
Nationalfeiertag russischer DM-Fans werden, der sogenannte "Dave Day".)
Der leibliche Vater verließ die Familie, als David und seine ältere Schwester
Susan Christine - etwa 1960 geboren - noch sehr klein waren.
Ungenauen Quellen zur Folge hieß er Leonard William F. Callcott, ein Mann, der
in einem britischen Sterberegister verzeichnet ist und dessen Lebensdaten durchaus
passen könnten (siehe hierzu diesen
Thread).
Mutter Sylvia Ruth heiratete wieder und "wir zogen in ein anderes Reihenhaus - in
Basildon."[2] David dachte lange, sein Stiefvater, dessen Nachnamen er trägt,
sei sein richtiger Vater. Übrigens ist "Gahan" ist irisch und wird "Gaan"
gesprochen. "Aber mein leiblicher Vater hatte malaysische Vorfahren.[3] Mein Stiefvater
starb, als ich neun war.[4]" [In anderen Quellen heißt es, er sei sieben gewesen.]
Aus dieser zweiten Ehe der Mutter stammen die beiden jüngeren
Halbbrüder, Peter Eric, etwa 1966 geboren, und Philip Michael,
ungefähr 1967 geboren.
(mit freundlicher Genehmigung von © Anja - compositionofsound)
"Als ich klein war, war ich ziemlich fett und meistens habe ich
geheult", sagt David über sich selbst, "meine früheste
Kindheitserinnerung ist, dass ich in der Vorschule dazu
gezwungen wurde, heiße Milch zu trinken, auf der sich Haut
gebildet hatte, aber ich kann mich nicht daran erinnern, ob
ich es mochte oder nicht."[5]
Im Laufe der Zeit gab er viele solcher Kleinigkeiten über sich preis.
Zum Beispiel, dass er ein sehr ängstliches Kind gewesen sei und auch noch
heute jemand ist, den die Angst von vielem abhält, was er gern tun würde.
Außerdem war er immer schon jemand, der sich gern in den Mittelpunkt stellte
und versuchte, die Aufmerksamkeit anderer zu erregen.
"Als ich sehr jung war, und die Tanten kamen, habe ich sie
und meine Mum mit Mick Jagger- oder Gary Glitter- Imitationen
unterhalten, und alle haben sich amüsiert. Ich war nicht besonders
gut in irgendwas, aber da bekam ich wirklich eine Reaktion."[6]
Erstmals in der Zeitung erwähnt wurde er übrigens, als er bei
den Pfadfindern einen Preis für einen selbstgebackenen Kuchen
gewonnen hatte. Seine ersten Auftritte als Sänger hatte er mit
der Heilsarmee, der seine Mutter angehörte. Es waren jedoch keine
Popsongs, sondern Weihnachtslieder, die er zum Besten gab.
"Ich war nie religiös, während meine Mutter an ihrem Glauben
festhielt. Ich fuhr mit meiner Schwester mit dem Rad zur
Sonntagsschule, aber anstatt hinein zu gehen, fuhren wir
ein bisschen durch die Gegend, und wenn wir zurückkamen,
sagten wir, es wäre toll gewesen."[7]
Die Kindheit verlief einigermaßen unbeschadet, bis der
Stiefvater starb und sich der leibliche Vater zu Wort meldete.
"Dann kam ich eines Tages nach Hause, ich war etwa 11",
[in manchen Quellen heißt es auch 10], "und traf dort diesen Typ an.
Meine Mutter stellte ihn mir als meinen richtigen Vater vor. Ich war sehr
durcheinander, und wir hatten einen Streit, weil ich dachte,
man hätte mir das sagen sollen.[8]"
In einigen Quellen heißt es, dass dies das erste und zugleich letzte Mal war,
dass er seinen Vater sah. Ein belgisches Teenie-Magazin zitiert ihn hingegen
mit: "Von diesem Tag an, besuchte Len uns oft. So etwa ein Jahr lang. Dann
verschwand er wieder, diesmal für immer. Seitdem gab es kein Lebenszeichen
mehr von ihm. Je älter ich wurde, umso mehr dachte ich über ihn nach. Das
einzige, was meine Mutter mir verraten wollte, war, dass er nach Jersey gezogen
war und dort ein Hotel eröffnet hatte.[9]" In jedem Fall war es nicht gerade
das, was man eine positive Erfahrung nennen würde. "Danach hatte ich immer ein
Misstrauen Leuten gegenüber, bei denen man sich eigentlich sicher fühlen
sollte. Ich bin immer noch ein bisschen so.[10]"
Er geriet hierdurch außer Kontrolle und in eine Menge Schwierigkeiten.
Tatsächlich begann seine Drogenkarriere bereits mit 12, als er
seiner Mutter, die unter Epilepsie litt, Barbiturate stahl. Dann kam
der Alkohol, später alle möglichen Tabletten, Speed und sogar Heroin.
"Heroin nahm ich zum ersten Mal, als ich ungefähr 17 war, in einem besetzten
Haus am King's Cross. Aber ich mochte es nicht, weil Speed das
Ding der Zeit war. Ich denke, ich habe eine sehr abhängige Natur,
besonders, wenn mir die Dinge über den Kopf wachsen, und ich vor
mir selbst fliehen will."[11]

Als Schüler war David nicht besonders erfolgreich. "Ich hasste
die Schule. Wenn es Viertel vor vier war, und wir um vier Schluss
hatten, war diese letzte Viertelstunde wie eine Ewigkeit. Das
ist meine einzige bleibende Erinnerung an diese Zeit.[12] Ansonsten
interessierte ich mich nur dafür, jede Nacht auszugehen und ein Konzert zu hören.
Ich lehnte Schule ab, weil mir vorgeschrieben wurde, mich so zu benehmen,
als würde ich einen langweiligen, stupiden Job machen. Ich ließ
alles hinter mir und floh nach London.[13]"
Er beschreibt sich selbst als einen sehr destruktiven Teenager, und anstatt
für die Schule zu lernen, trieb er sich lieber herum. "Erst
war ich ein Soulboy. Ich habe alles gemacht, ich habe alles gemocht.
Ich mochte Soul und Jazz-Funk wie The Crusaders. Ich ging viel zu
Soul-Wochenenden und hing mit der Crew von Global Village rum,
und ich ging an freitags ins Lyceum."[14]
Dann kam Punk in Mode. "Sehr zum Ärger meiner Mum
färbte ich mein Haar in verschiedenen Farben und trug revolutionäre
Klamotten. Ich bin viel auf Konzerte gegangen.[15] Aber irgendwann
langweilte mich Punk, weil alle gleich aussehen, gleiche Klamotten,
gleiche Frisuren, es wurde zu einer Norm.[16]"
Und er kam immer wieder mit dem Gesetz in Konflikt. "Seitdem ich etwa 12 war,
geriet ich immer wieder in Schwierigkeiten. Kurzschließens von Autos und Motorrädern,
Autos anzünden ... Wände besprühen. Ich war kein besonders schlauer Graffitikünstler.
Ich habe meinen Nachnamen benutzt, um meine Graffitis zu unterschreiben. Es gab
nicht so viele Gahans in England und schon gar nicht in Basildon. Ich wurde ein
paar Mal verhaftet.[17] Ich war ständig in Schwierigkeiten mit der Polizei,
ich hatte mit Leuten zu tun, die in Schwierigkeiten gerieten.[18] Ich wollte nur
Aufmerksamkeit. Meine Mutter musste viel aushalten, zumal ich mehrmals vor dem
Jugendgericht stand."
Mit 15 wurde er sogar zu einer Jugendhaftstrafe bzw. einem
Freizeitarrest verurteilt. "Es war furchtbar.
Man musste arbeiten - ich kann mich erinnern, dass wir Kisten
füllen mussten und so. Man musste sich die Haare schneiden.
Es war jedes Wochenende. So war man seines Wochenendes beraubt,
und es fühlte sich an wie für immer. Man machte mir sehr deutlich, dass ich das
nächste Mal ins Gefängnis käme."[19]
Und noch eine enttäuschende Erfahrung, die man als Schlüsselerlebnis bezeichnen könnte: "Mein bester Freund war Mark. Dann war ich aber in ein Mädchen verliebt. Ich war auf dieser Party und konnte meine Freundin nirgends finden. Alle sahen mich an. Sie wussten es. Ich stieß die Schlafzimmertür auf und sah Marks weißen A*** auf und ab hüpfen. Es gab mir das Gefühl, ich sei nicht gut genug. Damit habe ich bis heute zu kämpfen."[20]

Mit 16 verließ er die Schule, von ihr gelangweilt und mit dem Gefühl, dort immer nur herumgeschubst worden zu sein. "Meine Qualifikationen in Kunst und Technischem Zeichnen schienen nicht gerade von Nutzen zu sein." [Es waren Qualifikationen, die man konform zu Deutschland im Bereich der Realschule/Hauptschule einordnen würde.] "Erst mal machte ich viele Jobs. In acht Monaten hatte ich 20 verschiedene Jobs.[21] Ich hielt es nie lange irgendwo aus, und meine Chefs hassten meine rebellischen Attitüden.[22] Schließlich realisierte ich, dass ich keine Zukunft hatte, also bewarb ich mich um eine Ausbildungsstelle als Installateur bei den North Thames Gas. Mein Bewährungshelfer sagte mir, ich solle bei dem Vorstellungsgespräch ehrlich sein, sagen, dass ich ein Vorstrafenregister habe, aber dass ich jetzt auf dem rechten Weg sei bla bla. Natürlich bekam ich den Job genau deswegen nicht. Es hatte mich so viel Mut gekostet, mich da zu bewerben, die Tests durchzustehen, und dann wurde ich nicht genommen. Ich ging zurück und schlug das Bewährungsbüro kurz und klein."[23] (Ich konnte nicht herausfinden, ob er das wirklich gemacht hat oder nicht. Sicher ist nur: David neigt manchmal dazu, Geschichten ein wenig "aufzublasen" ...)
Schließlich besuchte er das "Kunstcollege". An dieser Stelle möchte ich einhaken und erklären, dass die Worte "Art College" und "study" dazu verleiten, das etwas höher einzustufen, als es tatsächlich ist. Stattdessen besuchte er wohl eher so etwas wie eine Berufsbildende Schule. Er hat das im Laufe der Zeit immer wieder etwas anders erzählt und ein bisschen geschönt und am Ende klingt es so, als habe er Modedesign oder Kunst studiert. Tatsächlich war es wohl eher eine handwerklich/technische Ausbildung mit dem Ziel, den Beruf des Schaufensterdekorateurs zu erlernen, wozu eben auch die Fächer Modedesign und Malen gehören. In vielen Quellen wird es so dargestellt, als er hätte das abgeschlossen, aber da es in der zuverlässigsten heißt, er sei "höflich dazu aufgefordert worden, die Schule zu verlassen", weil er zu häufig fehlte, bezweifle ich das.
"Ich mochte die Kunstschule. Der Lehrer war ein netter Typ, der
uns rauchen ließ. Gute Zeiten. Ich genoss das College, ich entwarf
Klamotten für Freunde, ging, um Gen X und The Damned zu sehen."[24]
Bei einem Damned-Konzert traf er auch Joanne, seine spätere
erste Frau.
Er wollte zunächst Punkfrontmann werden. "Ich hatte ein paar Vorsingen bei einigen
Bands. Ich habe nie ein Konzert gegeben, nur nach der Schule geübt,
mit einer Band namens The Vermin."[25]
Als Punk nicht mehr interessant war, ging er in die Clubs in
London, wo er Musik wie David Bowie, Roxy Music, Kraftwerk und
Gary Numan hörte. "Eine Gang von uns hing das ganze Wochenende
zusammen, sparte für ein paar Pillen, aß dafür die ganze Woche
kein Abendessen. Wir verbrachten die ganze Nacht in London,
endeten auf einer Party und nahmen dann den letzten Zug nach
Billericay. Es war ein furchtbar langer Weg nach Hause!
Irgendwann langweilte mich das, aber für eine Weile war es
aufregend. Ich hatte ein Doppelleben, einmal die Kunstschule
und Bas[ildon]. Ich ging in den Pub und trug Make-up, aber weil
ich die Jungs kannte, passierte mir nichts."[26]
Schließlich kreuzten sich seine Wege mit denen von Vince, Fletch und Martin
und er ergriff die Gelegenheit, Mitglied einer Band zu sein, die die Musik
spielte, die er mochte.
(mit freundlicher Genehmigung von © Ulrike Müller)
Inzwischen ist David Vater von Jack, geboren 1987, der aus
seiner ersten Ehe mit Joanne stammt. In zweiter Ehe war er mit
Theresa verheiratet, aus der keine Kinder entstanden. Seit 1999
ist er mit Jennifer verheiratet, deren Sohn Jimmy er 2010
offiziell adoptierte. Die gemeinsame Tochter Stella Rose wurde
1999 geboren.
Neben DM war David auch solo aktiv. Er steuerte einen einzelnen
Song A Song for Europe zum Sampler Dream Home
Heartache bei (1997), Soloalben sind: Paper Monsters
(2003) und Hourglass (2007).
Quellenangaben:
[1] A Broken Frame Tour Programme, 1982
[2] A Broken Frame Tour Programme, 1982
[3] Ask Dave, Bong 7, Oktober 1989
[4] Facing my Monsters, Daily Mirror, 27.06.2003. Text: Gavin Martin
[5] A Broken Frame Tour Programme, 1982
[6] Just Can't Get Enough, Uncut, Mai 2001. Text: Stephen Dalton
[7] Blasphemy Rewarded, Melody Maker, 22.09.1984. Text: Mark Jenkins
[8] Dave Gahan: The Wild Boy, No. 1, 04.05.1985
[9] Depeche Mode begs for a vacation, Joepie, 1984, Autor unbekannt
[10] Facing my Monsters, Daily Mirror, 27.06.2003. Text: Gavin Martin
[11] Dead Man Talking, NME, 18.01.1997. Text: Keith Cameron
[12] Intimate Details, No. 1, 12.09.1987
[13] 80's, Mode d'Emploi, Best, Oktober 1987. Text: Gerard Bar-David
[14] Three Modes in a Boat, NME, 22.08.1981. Text: Paul Morley
[15] A Broken Frame Tour Programme, 1982
[16] 80's, Mode d'Emploi, Best, Oktober 1987. Text: Gerard Bar-David
[17] The Basildon Bond, The Times Magazine, 14.04.2001. Text: Paul Connolly
[18] Coming up Smiling, The Face, Februar 1985. Text: Sheryl Garratt
[19] Just Can't Get Enough, Uncut, Mai 2001. Text: Stephen Dalton
[20] The Ten Commandments: Dave Gahan, Q, November 2005. Text: Dave Gahan / Johnny Davis
[21] Dave Gahan: The Wild Boy, No. 1, 04.05.1985
[22] Depeche Mode prive (Part 2 : Dave Gahan), Autor, Medium und Datum sind unbekannt
[23] Dave Gahan: The Wild Boy, No. 1, 04.05.1985
[24] Dave Gahan: The Wild Boy, No. 1, 04.05.1985
[25] Just Can't Get Enough, Uncut, Mai 2001. Text: Stephen Dalton
[26] Dave Gahan: The Wild Boy, No. 1, 04.05.1985
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