1995
Übersicht: Die einzige Veröffentlichung in diesem Jahr war Martins Solo-Beitrag Coming Back To You zu einem Leonard-Cohen-Tributalbum.
Alan beschloss, die Band zu verlassen und
berief dazu ein Meeting in London ein. Dies fand ohne David
statt, der weder auf Alans Anrufe und auf ein Fax
reagierte.
(In Malins' Biographie wird Daniel Miller zitiert,
dass es noch ein Meeting direkt nach der
Tournee gegeben haben soll, in dem Alan forderte, die volle Kontrolle
im Studio zu bekommen. Alan bestreitet, dass es jemals ein solches
Treffen gab oder er so etwas gesagt habe.)
Martin: "Alan sagte, dass er nicht mehr weitermachen könne. Er
fand, dass unsere Beziehungen den Bach runtergegangen wären. Aber da gab es
eine Menge Dinge, die er während des Meetings nicht sagte, sondern die erst
später rauskamen. Er machte dann ein großes Statement in der Presse. Sein
Hauptpunkt war, dass die Arbeit über die Jahre unfair verteilt gewesen sei,
und dass seine Arbeit von Seiten der Band nicht genügend gewürdigt worden sei.
Was er in seinem Statement vergessen hat zu erwähnen, war, dass er ein
Kontrollfreak war, der beschlossen hatte, einer zu sein. Für uns war es okay,
um Mitternacht oder um ein Uhr morgens nach Hause zu gehen. Aber Alan ist
einer dieser Studionerds, die es lieben, bis vier Uhr morgens zu arbeiten. Er
konzentrierte sich auf jedes winzige Detail. Oder überfokussierte. Er hat sich
ja auch selbst die Arbeit mit den Backingtapes für die letzte Tour aufgeladen.
Er sagte, er wolle es gern tun. Da niemand sonst großartige Lust zu dieser
Aufgabe hatte, sagten wir: 'Fein, dann mach das'. Vielleicht haben wir ihm
wirklich nicht genug gedankt."[1]
In Alans Statement hieß es:
"Aufgrund wachsender Unzufriedenheit mit den internen Beziehungen
und Arbeitsverhalten innerhalb der Gruppe habe ich - mit Trauer -
beschlossen, DM zu verlassen. Meine Entscheidung, die Gruppe zu
verlassen, war keine einfache. Seitdem ich 1982 Mitglied wurde, war
ich beständig bestrebt, mit Energie, Enthusiasmus und
Pflichtbewusstsein zum Erfolg der Gruppe beizutragen und war trotz
der ungleichen Arbeitsverteilung gewillt, dies zu leisten. Leider
ist dieser Einsatz seitens der Gruppe nicht mit dem Respekt und der
Dankbarkeit gewürdigt worden, den er verdient hätte. Während wir
unsere Musik immer weiter verbessert haben, hat sich die Qualität
unserer Beziehungen immer weiter verschlechtert. Es liegt mir fern,
irgendjemand Bestimmtes zu verurteilen, es ist ausreichend, zu
sagen, dass die Beziehungen sehr anstrengend, zunehmend frustrierend
und schließlich, in bestimmten Situationen, unerträglich wurden.
Aufgrund dieser Umstände sehe ich keine andere Möglichkeit, als
die Gruppe zu verlassen."[2]
Im Rückblick erklärte er: "Der Grund, warum ich ein Statement gemacht
habe, als ich die Gruppe verließ, war der Versuch, die Gründe in
meinen eigenen Worten zusammenzufassen, damit in der Presse nicht
zu viel spekuliert würde."[3]
Es scheint, als Martin vor allem wegen dieses Statements verärgert gewesen.
Die Frage ist hier, ob Alan ein paar unbequeme Wahrheiten ausplauderte oder
ob Martin das Gefühl hatte (oder wusste), dass das so nicht stimmte. In jedem
Fall hatte er zunächst das Gefühl, dass dies das Ende der Band war, weil sie
ohne Alan nicht weiter machen wollten. Wir wissen, dass er seine Meinung
später änderte.
Alan: "Martin schüttelte meine Hand und sah ein wenig verlegen aus,
und Fletch wurde sehr defensiv und schien es sehr persönlich zu
nehmen. Ein paar ihrer späteren Statements waren enttäuschend für
mich, aber nicht wirklich überraschend, und ein bisschen kann ich
auch verstehen, warum sie das gesagt haben.
Die meisten Leute verstehen jedoch nicht, dass es viel Energie und
Konzentration bedarf, um ein Album zu produzieren. Jeder kann in ein
Studio gehen, eine Menge Drogen nehmen, ein bisschen an einigen Knöpfen
herumspielen, das auf eine CD packen und es ein fertiges Album nennen, aber
das Ergebnis wird sich nach dem anhören, was es tatsächlich ist - faul und
krank.
Ich kann nicht um fünf Uhr nachmittags mit einem Kater ins Studio kommen
und dann erwarten, dass die Arbeit effektiv sein wird. Das bedeutet nicht,
dass ich zwischendrin nicht mal eine Pause mache, aber ich trenne
lieber zwischen der Zeit, in der ich arbeite, und der, in der ich
Spaß habe, dann kann ich mein Bestes zu einem Projekt beisteuern,
an dem ich arbeite. Wenn mich das langweilig macht, na schön ...
Ich bin lieber langweilig und habe dann ein gutes Album."[4]
(mit freundlicher Genehmigung von © Anja - compositionofsound)
Die Aussagen von Martin und Fletch, die Alan ansprach, waren
tatsächlich nicht immer ganz glücklich.
Fletch: "Wir waren nie wirklich mit ihm in Kontakt, auch, als er
noch in der Band war. Es ist fast ein bisschen so, als hätte er nie
existiert."
Martin: "Ich denke, wir sollten uns nicht in eine Schlammschlacht
mit Alan begeben, denn er war ein wesentlicher Bestandteil der
Band, der einen großen Beitrag geleistet hat und viel zu sagen
hatte.[5] Es kam nicht total unerwartet. Alan war immer sehr
privat und verschlossen, daher ist es schwer zu wissen, was genau
er denkt. Aber es wurde uns klar, dass er nicht glücklich war. Es
war kein Schock, als er ging. Ich denke, er hat sich da selbst zu
viel aufgeladen. Ich denke, sogar er würde zugeben, dass er ein
Kontrollfreak ist.[6] Ich denke, Alan war sehr starr. Ich denke, wenn
wir etwas vorschlugen und er es nicht mochte, sorgte er dafür, dass es
nicht funktionierte.[7]"
(Interessant ist, dass Alan dachte, dass "keiner der anderen es
kommen sah, dass ich die Band verlassen würde, und wenn doch, dann dachten
sie wohl nicht, dass ich es tatsächlich tun würde."[8])
Fletch: "Ich denke, er fühlte, dass sich die Band trennen würde,
was bei Daves Zustand nahe lag. Ich denke, er wollte der erste
sein, der das sinkende Schiff verlässt."[9]
Alan: "Es klingt arrogant, aber wenn ich alles allein machen könnte,
würde ich es tun. Das Programmieren mache ich gern selbst. Ich
denke, ich mag es, allein zu arbeiten - was nicht bedeutet, dass
ich es nicht mag, mit jemandem zusammen zu arbeiten, aber nicht
permanent. Bei DM habe ich über die Jahre gelernt, dass das Arbeiten
mit anderen Leuten sehr wertvoll ist. Heutzutage finde ich, dass
das Arbeiten mit anderen Leuten den Prozess verlangsamt und manchmal
zu Streit führt. Ich denke, ich bin ziemlich diplomatisch im
Studio. Ich bin in der Lage, die Leute dazu zu ermutigen, das Beste
aus sich herauszuholen. Dave zum Beispiel mochte es, hart angefasst
zu werden, sogar bis zu dem Punkt, an dem er frustriert war, aber
dann, am nächsten Tag, sagte er: Ich bin so glücklich, dass du das
gemacht hast, weil ich jetzt zufrieden damit bin, wie mein Gesang
klingt.[10] Ich würde nicht sagen, dass es mir bei DM um die Masse der
Arbeit ging. Ich habe das gern gemacht, die Produktion und das
Programmieren, daher hatte ich keine Ressentiments dagegen. Ich
hatte nur das Gefühl, dass es einfach so hingenommen wurde.[11]"
Martin meinte einmal, Alans Spannungen mit Fletch seien der Schlüssel zum
Verlassen der Band gewesen.
Aber Alan sagte: "Die Beziehung, die nie wirklich funktioniert hat,
war die mit Martin. Es war hauptsächlich er, der nie wertschätzte,
was ich machte, und das enttäuschte mich, weil wir sonst eigentlich
gut zurecht kamen und ich sein Talent als Songwriter schätze."[12]
Weiterhin erklärte er: "Während der Devotional beschloss ich, DM
zu verlassen. Ich hatte darüber aber auch schon während der Arbeit
an dem Album nachgedacht. Das Verhältnis innerhalb der Band war
sehr schlecht geworden. Ich wusste schon eine ganze Weile, dass
ich nicht mehr so lange in der Band bleiben wollte. Ich wollte
generell, mein ganzes Musikerleben lang, nicht in einer Band sein,
lieber allein arbeiten, und ich dachte, dies wäre ein guter
Zeitpunkt, diesen Schritt nach vorne zu gehen."[13]
(Man erinnere sich an die vorherigen Kapitel. Es gibt auch Aussagen von ihm,
in denen es heißt, er habe sich erst 18 Monate nach der Devotional dazu
entschieden. Vermutlich meint er, dass er während der Aufnahmen zu
SOFAD und während der Tour anfing, darüber nachzudenken, die
endgültige Entscheidung aber erst später traf. Wenngleich er mit dem eigenen
Studio gewiss auch schon vorher irgendwelche Pläne gehabt haben dürfte.)
1997 nannte er einen der Songs auf seinem Album Unsound
Methods
Control Freak und wurde gefragt, ob dies im Zusammenhang stünde,
wie Martin ihn genannt habe.
Alan: "Ja schon, aber das bezieht sich nicht auf den Text, sondern
nur auf den Namen des Songs. Ich fand das irgendwie witzig. Es hat
aber keine tiefere Bedeutung."[14]
Gab dann aber auf meine eigene Aussage hin, dass ich bei einem
Projekt gern möchte, dass es möglichst perfekt wird und ich daher
dazu neige, alles zu kontrollieren, doch zu: "Es ist wahr, dass
ich schon so etwas wie ein Kontrollfreak bin. Ich denke, dass
jeder, der eine tiefe Leidenschaft für etwas besitzt, ein wenig
so ist."[15]
Fletch wurde einmal mit: "Alan mochte uns nie. Er mag an sich
niemanden wirklich - er hat auch keine Freunde"[16] zitiert. Ich weiß nicht
so recht, ob er das wirklich so gesagt hat, aber auch Martin nannte Alan mal
einen Misanthropen.
Alan: "Da ist durchaus was Wahres dran, wenngleich 'Misanthrop' ein
bisschen sehr hart ist. Ich habe keine riesige Armee von sogenannten 'Freunden',
weil ich mich mit Dummköpfen schwertue und ich auch nicht so unsicher bin,
dass ich eine Anhängerschaft brauche, die ständig ein Loblied auf mich singt.
Ich wähle meine Freunde sehr genau aus. Ich denke, Martin meinte, dass ich
zynisch und sarkastisch bin - und das ist richtig! Es dauert lange, bis man
mich wirklich auf die Palme bringt. Auch habe ich herausgefunden, dass
Humor (oder sagen wir besser Sarkasmus) die beste Methode ist, um mit
schwierigen Situationen umzugehen."[17]
Später sagte Martin einmal: "Vielleicht ist es eine falsche Intimität,
wenn es alles auf Partys basiert, aber ich denke, Alan wird zugeben, dass er
manchmal auch Spaß mit uns hatte."[18] Es scheint, als wäre ihm mit der Zeit
klar geworden, dass einige ihrer Aussagen etwas zu heftig gewesen waren,
und mit den Jahren würde er von dieser Position auch immer mehr abrücken.

Alan: "Es dauerte eine Weile, bis ich etwas von Dave hörte, aber er
schickte Hepzibah und mir einen riesigen Blumenstrauß, als unsere
Tochter Paris geboren wurde. Ich denke, er versteht sehr gut, warum
ich gegangen bin und hat sich wie ein perfekter Gentleman
verhalten. ... Ich war nie ärgerlich mit den verbliebenen
Mitgliedern von DM. Ich habe immer noch eine gute Freundschaft
mit Dave, und ich habe immer noch geschäftliche Beziehungen mit
DM und das wird auch in Zukunft so bleiben."[19]
David hielt sich in Bezug auf Alan tatsächlich lange zurück, wich
der Frage aus oder schloss sich anfänglich ein wenig an Martin und Fletch
an.
So sagte er 1997: "Das mit Alan fing schon bei SOFAD an. Er hat
da viel Arbeit reingesteckt, und die Sache ist, wenn man all die
Arbeit da reinstecken will, fein, mach es. Aber hinterher sollte
man nicht sagen: Hey, ich habe das alles gemacht und was kriege
ich dafür zurück? Da ist viel Ego drin. Es kam zu dem Punkt, dass
er sagte: Ich hab das alles gemacht, und ich denke nicht, dass ich
respektiert werde. Das ist sehr traurig, aber ich denke, Alan musste
das machen, was er machen musste. ... Weißt du, ich liebe Alan. Ich
meine, er war so lange mit uns in einer Band. Es ist eine Familie.
Sie sind wie Brüder. Manchmal hasst man seinen Bruder, und man
will ihn nicht sehen, aber da ist etwas, das besonders ist."[20]
2001 sagte er
(in Bezug auf Ultra): "Ich fühlte, dass bei einem großen Teil von
dem, was wir taten, etwas fehlte - ein musikalischer Führer, und
für mich war das Alan. Die anderen haben gesagt, er war zu
kontrollierend, aber er hat sich nur den A*** aufgerissen, weil
er wirklich daran glaubte und daran, sich musikalisch zu pushen,
was man auf seinen eigenen Platten hören kann. Ich finde das
wirklich inspirierend. Ich vermisse ihn."[21]
Und 2003: "Ich vermisse Alan bei allem, was wir musikalisch machen,
aber besonders als Freund. Er war wahrscheinlich die Person in der
Band, von der ich mich am meisten unterstützt gefühlt habe, und
ich wünschte, ich hätte darum gekämpft, dass er bleibt. Was Alan
wirklich wollte, ist, dass Martin mal sagt: Du hast wirklich was
Tolles beigesteuert, aber Martin ist niemand, der sehr oft
Komplimente verteilt."[22]
Alan: "Dave ist sehr großzügig, und ich denke, er ist ehrlich
bei seinen Kommentaren. Ich war ihm sicher am nächsten in der
Gruppe, und ich kann mir vorstellen, dass es ihm komisch vorkam,
mit so vielen neuen Leuten zu arbeiten. Dass er so nette Sachen
über mich sagt, gibt mir ein gutes Gefühl. Obwohl ich glücklich
mit dem bin, was ich jetzt mache, vermisse ich es auch, ihn nicht
um mich zu haben."[23]
Für Außenseiter ist es sehr schwierig, nachzuvollziehen, was nun tatsächlich
innerhalb dieser Band passiert ist.
Die 26 (!) verschiedenen Antworten innerhalb der Fanbefragung
auf die Frage nach Alans Gründen, die Band verlassen zu haben,
zeigen, wie viel Alan dazu im Laufe der Zeit gesagt hat. Vielleicht sagte er ZU
viel. Da Fans natürlich auf das angewiesen sind, was ihnen die Band liefert,
greifen sie die Aussagen auf, die gegeben wurden.
Wie schon vorher ausgeführt, erscheinen einige von Alans Aussagen
hierbei widersprüchlich.
"Ich glaube ihm nicht, wenn er sagt, dass es eine wohl durchdachte Sache war.
Ich denke, es war eine Kurzschlusshandlung, weil er ausgebrannt, verletzt und
enttäuscht war", so lautet eine der Theorien eines Fans in dieser Umfrage.
Verletzt und enttäuscht ist eine Frage - nämlich die nach wovon,
von wem und durch was genau? Aber "ausgebrannt" und daraus schließen,
dass man von all dem genug habe (wobei sich alle genannten Dinge dann
summieren)
und man daher einen Gedanken in die Tat umsetzen will, den man schon länger
im Hinterkopf hatte (der eigene Chef sein und sich Soloprojekten widmen)
wäre eine Erklärung, die Sinn macht, zumal dies auch durch eine Aussage
Alans ein wenig gestützt wird (siehe 1997).
Denn "die Arbeit war ungleich verteilt"
klingt durchaus ziemlich beleidigt und beinhaltet
einen Angriff, ebenso wie "die Beziehungen waren teilweise intolerabel", ganz
besonders, weil Presse und Fans nicht wissen, worauf er sich bezieht.
Ein "ich habe im Moment keine Lust mehr auf die Band und möchte eine
Weile lieber solo arbeiten" hätte die Dinge für alle Seiten vermutlich sehr
viel einfacher gemacht.
Ich denke, dass "einer der Gründe, warum
ich die Band verlassen habe, war, dass ich mehr Zeit für meine Familie haben
wollte" und "ich wollte nie mein Leben lang in einer Band sein" die wahren
Gründe für seine Entscheidung waren.
Der verwirrende und widersprüchliche Punkt ist hauptsächlich das offizielle
Statement, besonders, da er auch einmal sagte: "Meine Entscheidung war kein
direktes Resultat der Spannungen."[24]
Vermutlich war es also ein längerer Prozess, der ihn zu der Überzeugung
gelangen ließ, dass er lieber allein arbeiten würde, aber er agierte etwas
unglücklich mit seinem offiziellen Statement (welches unter Umständen auf
einem Burn Out basiert haben könnte), welches ärgerliche Reaktionen
seitens Martin und Fletch sowie Spekulationen seitens der Presse und der Fans
hervorrief.
Die Spekulationen gerieten gelegentlich etwas außer Kontrolle. So gibt es noch heute Fans, die glauben, dass Alan weniger Geld erhalten hätte als die anderen Bandmitglieder. Aber Alan sagt, dass "die Einnahmen der reinen Veröffentlichung an den gehen, der den Song geschrieben hat (und geteilt werden, wenn es mehr als einen Urheber gab). Die Einnahmen aus den Plattenverkäufen werden gleichmäßig auf alle Bandmitglieder aufgeteilt, die an der Aufnahme beteiligt waren. Und genauso wie ich hieraus Einnahmen erziele, habe ich auch ein Recht, mitzubestimmen, was mit den Veröffentlichungen passiert (z.B. was das Artwork betrifft). Dass ich die Band verlassen habe, bedeutet nicht, dass ich nicht weiterhin 25% von allen Plattenverkäufen erhalte, an deren Aufnahmen ich beteiligt war - das betrifft also alles von Construction Time Again bis SOFAD. Ich werde so lange daran verdienen, so lange diese Platten verkauft werden."[25]
(It's No Good - mit freundlicher Genehmigung von © Ana María Villanueva O., Punta Arenas, Chile)
Das andere große Thema in diesem Jahr mal wieder
David: "Ich machte im August 1995 einen weiteren Entzug. Als
ich zurückkam, war mein Haus ausgeraubt worden."[26]
Alles war weg - Fernseher, Aufnahmestudio, zwei Motorräder, sogar
das Besteck. Die Einbrecher hatten die Alarmanlage ausgeschaltet,
sodass es jemand gewesen sein musste, der den Code kannte. Er wusste nicht,
was er tun sollte, also ging er in das Sunset Marquis (ein Hotel in L.A.
und Drogentreffpunkt.)
"Ich rief meine Mum an, und sie sagte, Theresa hätte ihr gesagt,
ich wäre nicht in der Reha gewesen, ich würde nicht
versuchen, clean zu werden, so wie ich es versprochen hatte -
aber ich versuchte es doch! Danach habe ich mir einen Schuss
gesetzt, sehr viel Wein getrunken, eine Handvoll Pillen genommen.
Ich ging ins Bad und schnitt mir die Pulsadern auf ...
ein Freund war da ...
Nein, es war so, ich war mitten in dem Gespräch mit
meiner Mum, ich sagte ihr, sie sollte dran bleiben, ging ins Bad,
schnitt mir die Pulsadern auf, wickelte Handtücher darum, ging
zurück zum Telefon und sagte: Mum, ich muss gehen, ich liebe dich
sehr. Dann setzte ich mich neben den Freund, tat so, als wäre
nichts. Ich legte die Arme an die Seiten, und ich konnte fühlen,
wie das Blut rauslief ..."[27]
Wahrscheinlich auf Drängen der Plattenfirma sagte er später, er
hätte sich nur "aus Versehen" selbst verletzt, und es wäre kein
Selbstmordversuch gewesen.
"Am nächsten Morgen wachte ich
im Psychiatrietrakt auf, gefesselt, in einer gepolsterten Zelle.
Erst dachte ich, ich wäre vielleicht tot, dann kann der Psychiater
rein und informierte mich, dass es in Kalifornien verboten sei,
sich das Leben zu nehmen - also wurde ich dafür verhaftet, dass
ich versucht hatte, mich umzubringen!" (lacht)
"Ich bin froh, dass ich jetzt darüber lachen kann. ... Danach machte ich weiter.
Es wurde immer schlimmer und schlimmer. Ich habe oft überdosiert,
wachte irgendwo draußen aus, auf dem Rasen, ohne Kleidung,
ausgeraubt. Aber es gab immer Leute, die mich eingesammelt haben.
Ich ging zu diesen Treffen und fühlte mich schrecklich zwischen
all diesen Leuten, die clean waren. Ich ging dann ins Badezimmer
und setzte mir einen Schuss, kam zurück, hob meine Hände und sagte:
Ich war für 30 Sekunden clean!"[28]
Bei einer seiner Entziehungskuren lernte er Jennifer kennen,
seine jetzige Frau, eine New Yorker Schauspielerin und
Drehbuchautorin, die ebenfalls mal heroinabhängig gewesen war.
David: "Wir trafen uns in Arizona. Jennifer ging zurück nach
New York, und ich nach L.A., und wir blieben in Kontakt. Ich
besuchte sie und ihr Kind, das jetzt mein Stiefsohn ist,
und wir blieben Freunde. Ich konnte etwas in ihr sehen, das
ich mochte. Sie interessierte sich nicht für die Band, und das
sah ich gleich. Das war ungewöhnlich, weil ich sonst sehr
misstrauisch bin, besonders mir selbst gegenüber. Wenn man sich
selbst nicht vertraut, kann man auch niemand anderem vertrauen."[29]

Trotz all dieser Umstände begann die Band im September 1995 mit
den Aufnahmen für Ultra. Es scheint, als sei es eine Art Trotzreaktion
gewesen. Martin machte sich klar, dass Alan nicht einmal ein Gründungsmitglied
gewesen war, und dass es somit doch richtig wäre, ohne ihn weiter zu machen.
Zitate aus dieser Zeit zeigen, dass sie sich sehr viel schwerer taten als
sie es vorgaben, und sie setzten auch die Serie der unglücklichen Aussagen
fort, wenngleich Martin sich zumindest um Diplomatie bemühte: "Alan war ein
bedeutender Teil der Band, besonders in Bezug auf die letzten beiden Alben.
Er war derjenige, der die meiste Zeit am Computer verbrachte, manchmal bis
vier Uhr morgens. Und er übernahm viele Aufgaben der Produktion. Somit war
es ... mmmh ... sehr wichtig für uns, die richtige Person zu finden."
Die Person von der er hier spricht, war Tim Simeon, den sie als Produzenten
für Ultra auswählten. Und während der erste Satz noch recht freundlich
war, ein kleiner Schritt auf Alan zu, ruinierte er es mit dem nächsten:
"Seitdem Alan weg ist, arbeiten wir mehr wie eine Einheit.
Wir ... wir sind ein bisschen wie eine Familie.[30] Alan ging wirklich
zu einer merkwürdigen Zeit. Es war, als wir nichts taten. Er ging
nicht nach der Tour, und er ging nicht, als wir zusammen kamen und
entschieden, wieder zusammen zu arbeiten. Ich denke, nach der
letzten Tour hatte er genug und wollte die Band verlassen, aber
er wollte sich wohl Zeit geben, darüber nachzudenken."[31]
Fletch: "Ich war mir nicht sicher, ob ich in einer Band ohne ihn
arbeiten könnte. Ich hatte aber das Gefühl, dass er nicht so viel Respekt
für die anderen Bandmitglieder hatte. Letztlich macht es den
Entscheidungsprozess einfacher. Wenn es nur drei Leute gibt, gibt es immer
eine Entscheidung."[32]
Quellenangaben:
[1] Ultra Sounds, Guitar World, Mai 1997. Text: Alan di Perna
[2] Presse Statement
[3] recoil.co.uk
[4] recoil.co.uk
[5] Synth and Sensibilities, NME, 25.01.1997. Text: Keith Cameron
[6] Pavement, 16.04.1997. Autor unbekannt
[7] Ultra Sounds, Guitar World, Mai 1997. Text: Alan di Perna
[8] recoil.co.uk
[9] Many Smack-Free Returns! Q, Juni 2001. Text: Dorian Lynskey
[10] Unsound Recordings, Sound On Sound, Januar 1998. Text: Bill Bruce
[11] recoil.co.uk
[12] Just Can't Get Enough, Uncut, Mai 2001. Text: Stephen Dalton
[13] recoil.co.uk
[14] Quelle ist nicht mehr auffindbar
[15] Depechemodebiographie.de
[16] Long and Winding Mode, Details, Mai 1997. Text: Gavin Edwards
[17] recoil.co.uk
[18] Many Smack-Free Returns! Q, Juni 2001. Text: Dorian Lynskey
[19] recoil.co.uk
[20] K-ROQ FM, L.A., Februar 1997, DJs: Kevin and Bean
[21] In the Mode for Love, Time Out, 04.04.2001. Text: Omer Ali
[22] Cash for Questions: Dave Gahan, Q, Juni 2003. Text: Paul Stokes
[23] recoil.co.uk
[24] recoil.co.uk
[25] recoil.co.uk
[26] Tears of my Tracks, Q, März 1997. Text: Phil Sutcliffe
[27] Tears of my Tracks, Q, März 1997. Text: Phil Sutcliffe
[28] Dead Man Talking, NME, 18.01.1997. Text: Keith Cameron
[29] Facing my Monsters, Daily Mirror, 27.06.2003. Text: Gavin Martin
[30] Modus Operandi, Detour, Mai 1997. Text: Shari Roman (Ed: Trent Buckroyd)
[31] Ultra Sounds, Guitar World, Mai 1997. Text: Alan di Perna
[32] It's a Mode Mode Mode Mode World, Hits, 28.04.1997. Text: Janet Trakin
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