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1992

Übersicht: Veröffentlichungen in diesem Jahr waren Alans Solo-Single Faith Healer und das Recoil-Album Bloodline.




In Bezug auf die Band wurde in diesem Jahr nicht viel veröffentlicht. Das einzig Aktuelle war ein Fragebogen im BONG-Magazin, das im April 1992 veröffentlicht wurde.
Frage: "Du scheinst immer so gelassen zu sein, flippst du jemals aus und schreist rum? Und wenn ja, was ist der Grund?"
Alan: "Manchmal, aus verschiedenen Gründen."
Frage: "Wenn einer der anderen Bandmitglieder betrunken zu einer Show kommen würde, was würdest du tun?"
Alan: "Nichts. Jedes Bandmitglied ist sich seiner Verantwortung bewusst."
Frage: "Hören deine Eltern deine Musik und wenn ja, mögen sie sie?"
Alan: "Ja, machen sie, aber ich glaube nicht, dass sie sie mögen."
Frage: "Was oder wen vermisst du am meisten, wenn du auf Tour bist?"
Alan: "Meine Unabhängigkeit, Familie, für mich selbst kochen und Auto fahren."
Frage: "Arbeitest du lieber im Studio oder auf der Bühne?"
Alan: "Im Studio."
Frage: "Siehst du dich selbst bei DM in den nächsten zehn Jahren?"
Alan: "Nein."
Frage: "Wie sind deine Gefühle in Bezug darauf, dass ihr jetzt wieder ins Studio geht und auf Tournee?"
Alan: "Besorgnis."[1]
Die Frage ist hier: Wann wurden die Fragen beantwortet? Unmittelbar vor der Veröffentlichung im April oder bereits vor dem Zusammentreffen der Band im Februar? Dies würde Aufschluss über den weiteren Verlauf geben. Leider bleibt das Bong-Magazin die Antwort darauf schuldig.



Where time stands still

(mit freundlicher Genehmigung von © Anja - compositionofsound)



Der Rest kam erst in späteren Jahren zum Vorschein und war alles andere als erfreulich. Das erste Zusammentreffen der Band in einer Villa bei Madrid, um Songs Of Faith And Devotion (SOFAD) aufzunehmen, war ein Desaster. Zweimal sechs Wochen lang - mit einem Monat Pause dazwischen - wohnte die Band dort zusammen. (Dies war übrigens nichts Besonderes. Zu dieser Zeit (Anfang der 90er) war es "in", sich solche Anwesen zu mieten, wie eine Art "Familie" zusammenzuleben und in Klausur zu gehen, um ein neues Album aufzunehmen.)
David: "In der Theorie war es eine gute Idee, zusammen in einem Haus zu wohnen, aber wir gerieten in Schwierigkeiten, als wir plötzlich 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche zusammen waren. Mir hat es nicht so viel ausgemacht, aber Alan fand es furchtbar, und ich denke, Fletch mochte es auch überhaupt nicht.[2] Ich hatte mich verändert, aber ich wusste nicht wie sehr, bis ich Al, Mart und Fletch wieder traf. Sie starrten mich an, und der Ausdruck auf ihren Gesichtern war vernichtend.[3]"

Alan (um Diplomatie bemüht): "Die Tatsache, dass wir uns eine Weile nicht gesehen haben, dass sich in den individuellen Leben Dinge geändert haben - Kinder und Umzüge - hat uns eine andere Perspektive auf das gegeben, was die Gruppe war und ist, was sie uns bedeutet. Als wir dann wieder zusammen kamen, für eine längere Zeit, gab es eine Menge Unterschiede zwischen den einzelnen Mitgliedern der Gruppe."[4]
Fletch: "Dave war total energiegeladen, sang, dann verschwand er für Tage in seinem Zimmer."[5]
David: "Die meiste Zeit hatten sie nicht mal Lust, mit mir in einem Zimmer zu sein."[6]
Martin: "Es war ein absolutes Desaster. Wir alle hassten es, weil es nicht im Zentrum von Madrid war, sondern so 30-40 Minuten außerhalb lag. Jedes Mal, wenn wir ausgehen wollten, brauchten wir ein Taxi. Auch das enge Zusammenleben wurde schwierig. Wir hatten nie genug Platz, um uns aus dem Weg zu gehen."[7]


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Es fällt schwer, das nun Folgende allein an David festzumachen. Natürlich ist es schwierig, mit einem Junkie zusammenzuleben, aber dennoch gibt es eine Reihe von widersprüchlichen und unklaren Dinge. Einerseits fühlte Alan sich durch "Theater" gestört, auf der anderen Seite heißt es, David sei die meiste Zeit in seinem Zimmer gewesen und Martin sei viel aus gewesen, um Party zu machen. Was also meint Alan genau mit "Theater"? Der Einzige, der offenbar oft im Studio war, war Fletch, weil er sich in seiner Privatsphäre gestört fühlte. Hier das Gleiche: David war nicht da, Martin war nicht da - von wem oder was fühlte er sich gestört? Nun könnte man ja meinen, dass Fletch Alan störte, wenn er im Studio rumhing, aber Alan kannte Fletchs Depressionen inzwischen. Es heißt, dass es Fletch nicht gut ging, dass er manchmal hyperaktiv war, wenn er Antidepressiva genommen hatte, dann aber auch wieder Zeiten hatte, in denen er einfach nur still in einer Ecke des Zimmers saß. Sicher kann einem all das die Nerven gehen, aber wo genau ist das "Theater"?
David: "Es ärgerte Alan, dass er 12 Stunden im Studio verbrachte, während sich Mart irgendwo die Kante gab und ich auch irgendwas anstellte. Er war derjenige, der den Überblick behielt, während sich die anderen um ihre Egosch*** kümmerten. Aber niemand dankte ihm dafür."[8]

Auch sicher nervig, aber dennoch scheinen die Aussagen den eigentlichen Grund schuldig zu bleiben. Alan schien sowohl Martins Sprachlosigkeit als auch Fletchs Erkrankung und auch Davids Sucht sehr wohl begriffen zu haben - als menschliche Schwächen der anderen. Auch dass Martin recht wenig Interesse an Studioarbeit hatte, wusste er. Ein paar Jahre vorher hatte er das noch als "gute Arbeitsteilung" bezeichnet. Auch sagte Alan, dass "die meiste Zeit sind es ich und Flood, die allein im Studio zurückbleiben und bis in die frühen Morgenstunden das machen, was wir 'Feintuning' nennen. Man geht durch verschiedene Teile der Performance und restrukturiert sie, was Martin die meiste Zeit langweilt und Dave nur bedingt interessiert, aber mir macht es Spaß."[9] Worum geht es dann, wenn es ihm doch Spaß machte? Ausschließlich darum, dass ihm niemand dankte?
Und warum genau fühlte Martin sich dort nicht wohl? Er kannte die Depressionen seines Freundes, er kannte Alans Verbissenheit im Studio. Was war daran anders oder schlimmer als etwa bei Violator, bei dem man sich musikalisch ja auch nicht immer einig gewesen war? Warum funktionierte hier nicht mehr das, was vorher offenbar immer irgendwie funktioniert hatte?
Martin: "Ich fühlte mich sehr distanziert von der Band, wollte dort nicht mehr sein. Bis zu diesem Punkt waren wir immer eine Gang gewesen - dann fühlte es sich zum ersten Mal falsch an.[10] Ich denke, als wir das erste Mal in Madrid zusammen kamen, wurde deutlich, dass es kein echtes Bandgefühl mehr gab.[11]"
Vielleicht ist dies der Hauptpunkt, dass sie sich nicht mehr als Band empfanden. Aber warum genau war das so? Die einzigen Gründe, die Sinn machen, waren die Veränderungen in den Leben der einzelnen Bandmitglieder, die sich 1991 ergeben hatten. Andererseits verändern sich Menschen nicht radikal und über Nacht oder innerhalb eines Jahres (von David vielleicht einmal abgesehen).


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Die Bandmitglieder hatten sehr unterschiedliche Ideen und Auffassungen davon, wie das Album klingen sollte, sodass die Studioarbeit nur schleppend voran ging. Erst durch einige Jamsessions bekam das Album eine Grundrichtung.
Alan: "Bei allen DM-Alben versuchten wir, uns von dem vorherigen wegzubewegen, und nach einigen Diskussionen zwischen mir, Flood und den anderen, kamen wir zu dem Schluss, dass unser Ansatz mehr in Richtung Live-Perfomance gehen sollte und wir versuchen wollten, in neue Bereiche vorzustoßen. Einige der Songs wie I Feel You, In Your Room und Rush hatten dann auch eher ein Live-Gefühl."
Aber es war ein schwieriger Prozess, bevor sie in der Lage waren, so etwas wie einen kreativen Arbeitsfluss zu erreichen. "Jeder versucht, ein Album in die Richtung zu ziehen, die er bevorzugt. Manchmal helfen solche Spannungen, aber meistens verlangsamen sie den Prozess. Jemand hat ein Problem, es wird gestritten, ein Kompromiss erreicht oder jemand verliert eine Debatte und ist beleidigt. Ich persönlich finde, dass einen dieses ständige Arbeiten in einem Team nach einer Weile runterzieht kann und den kreativen Fluss stört."[12]
Das ist das, was er später sagte, nachdem er die Band verlassen hatte. 1993 sagte er: "Martin langweilt sich schnell im Studio, Dave ist sehr enthusiastisch, aber er ist kein Musiker, sodass er nur bis zu einem gewissen Grad etwas beitragen kann, und Fletch hat überhaupt keine musikalische Rolle. Martin hängt immer an der melodischen Seite, also zieht er die Songs immer in diese Richtung, und ich versuche immer, sie in die düstere Richtung zu ziehen, weil das die Musik ist, die ich selbst höre. Wir treffen uns dann in der Mitte, sodass es in kantigem Pop endet. So ist es interessanter. Es hat mehr Tiefe, und es ist melodisch."[13]
(Dies ist - nebenbei bemerkt - die beste Beschreibung dessen, was die Musik DMs "in den alten Zeiten" so besonders machte und was die "alten Fans, die DM mit Alan besser fanden" meinen, wenn sie zu erklären versuchen, warum Alan für sie so ein wichtiger Teil der Band war. Es geht nicht darum, dass er der beste Musiker/Produzent aller Zeiten ist, sondern, dass er einen Konterpart zu Martin einnahm.)

Aber es war diesmal eben sehr schwierig, sich "in der Mitte zu treffen". So taten sie schließlich etwas, das für sie sehr ungewöhnlich war: "Ich kann mich gut daran erinnern, wie wir das erste Mal Walking in My Shoes aufnahmen. Es war das erste und einzige Mal, dass die Band jemals zusammen jammte. Wir waren nie diese Art von Band, wir programmierten Musik lieber. Ja, es gab auch Performance-Elemente, aber das waren eher Overdubs (Doppelungen) und Performances von einzelnen Personen. Nun kamen wir aber nicht weiter, wir hatten verschiedene Möglichkeiten ausprobiert, den Song aufzunehmen, aber keiner davon klang gut. Nach dem dritten oder vierten Versuch sagte Flood: Lasst uns mal alle ein Instrument nehmen und zusammen spielen. Dies wurde mit Spott aufgenommen: Was? Wovon redest du? Zusammenspielen?! Es war ein total merkwürdiges Konzept für Depeche Mode. Aber schließlich nahm Martin eine Gitarre, ich hatte einen Bass, jemand anderes ein Tamburin, wir ließen einen Rhythmuscomputer laufen und wir spielten zusammen. Und danach hatten wir die Grundstruktur für den Song, die Basslinie und die Gitarrenlinie. Ich behaupte nicht, dass das etwas Besonderes war. Ich will damit nur sagen, dass dieser Prozess sehr ungewöhnlich für uns war - und wir hatten ein Ergebnis. Ich wünschte, wir hätten mehr solche Dinge ausprobiert."[14]

Es scheint, als wäre Alans Hauptproblem tatsächlich Martin gewesen (wenngleich - wie ich vorher schon sagte - er daran an sich gewöhnt war), denn über David sagte er: "Bei dieser Platte haben wir versucht, Dave anders singen zu lassen. Auf einfache Weise wie etwa die Tonlage des Songs zu erhöhen, sodass er höher singen muss als er es für gewöhnlich tun würde. Wir versuchten, ihn dazu zu zwingen, die Songs anders anzugehen, Passagen wieder und wieder zu wiederholen, andere Umgebungen auszuprobieren, in denen er vorher noch nie gesungen hat, ohne Kopfhörer zu benutzen, wie wir sonst tun, alles zu versuchen und eine andere Performance zu bekommen. Er geht darauf gut ein. Dave hat eine sehr gute Einstellung. Er ist willens, Dinge auszuprobieren, auch, wenn er zunächst nicht versteht, warum er gebeten wird, dieses oder jenes zu tun."[15]
Andererseits - wenn Alan nach anstrengender Studioarbeit Ruhe suchte, musste er Davids Übungen auf der E-Gitarre ertragen, die er vom Nebenzimmer aus hören konnte. "Obwohl Dave eigentlich von der Idee eines neuen Albums begeistert war, engagierte er sich bald nicht mehr auffällig. Doch er kam hin und wieder runter ins Studio und lobte als Einziger Floods und meine Arbeit. Zumindest sorgte er sich um die Gruppe, ganz gleich in welcher Verfassung er selbst war."[16]
Diese Verfassung wurde mit der Zeit immer schlechter.
David: "Alan hat mich zuerst damit konfrontiert."
Martin: "Dann hatten wir unser erstes Ultimatum-Treffen mit Dave. Wir sagten zu ihm: Du musst da raus. Du bringst dich in Gefahr."
David: "Sie machten sich Sorgen um meine Gesundheit. Ich konnte das natürlich nicht so sehen. Ich sagte zu Martin: Du trinkst 15 Pints pro Nacht und dann ziehst du dich aus und machst eine Szene, sei nicht so heuchlerisch!"[17]
Martin: "Dave nahm sehr viel Heroin zu der Zeit. Es dauerte lange, bis ich das realisierte. Ich bin kein Drogenexperte. Ich kenne die Symptome nicht."[18]
Erst bei dem Meeting, das Alan in London einberief, merkte er, was Sache war. (Zumindest wurde er so zitiert.): "Um ehrlich zu sein, ich war sehr ignorant, aber nachdem ich die Puzzleteile zusammengesetzt hatte, ergab es einen Sinn für mich."[19]



Edge To Life

(Edge to Life - mit freundlicher Genehmigung von © Milla Valta)



Zwischendrin - und somit fast unbeachtet - erschien am 09.03. die Single Faith Healer von Alans Album Bloodline (Recoil), das am 13.04. veröffentlicht wurde.
Es unterschied sich stark von Hydrology, zumal Alan hier eine völlig neue Richtung eingeschlagen hatte.
So arbeitete er einerseits mit Sängern wie Moby, Toni Halliday und Douglas McCarthy zusammen. Er beschäftigte sich aber auch mit Klavierimprovisationen (Freeze), erarbeitete mit The Defector eine Hommage an Kraftwerk und schuf aus Aufnahmen von Bukka White ein neues Werk: "Die Originalaufnahmen von Bukka waren praktisch acapella - er sang zu einer akustischen Gitarre, aber die ist nahezu unhörbar. Daher schien es ein sehr interessantes Material zu sein, daraus etwas Ungewöhnliches zu schaffen. Ich mag auch den Klang seiner Stimme, besonders, wenn er in seiner ganz eigenen Sprache spricht. Verschiedene Gesanglinien wurden hierbei gesampelt, restrukturiert und dann gefiltert. Ich fühlte keinen Druck, ein Album zu machen, das konventioneller war, aber ich konnte auch nicht fortlaufend experimentelle Instrumentalmusik produzieren.[20] Es ist aber nicht ganz so geworden, wie ich es gern gehabt hätte. Ich hatte die Depeche-Mode-Verpflichtungen und realisierte Bloodline in der ersten echten Pause, die die Band nach zehn Jahren hatte. Am Ende dieses Jahres - ich produzierte auch noch ein Nitzer Ebb-Album - verließ mich die Energie. Ich denke, das Album leidet etwas darunter, ganz besonders der Gesang."[21]
Eine Weile gab es den Plan, Edge To Life als zweite Single herauszubringen, aber "zu dieser Zeit war ich schon mit dem nächsten DM-Projekt beschäftigt und hätte keine Zeit gehabt, sie zu promoten."[22]



Während ich auf Anfragen bezüglich einer Erlaubnis zum Einfügen von Ausschnitten aus Depeche-Mode-Songs nie eine Antwort erhalten habe, erlaubte Alan mir dies in Bezug auf Recoil-Songs.
Dies ist ein Ausschnitt aus Curse:

(mit freundlicher Genehmigung von © Recoil / Alan Wilder)



Im April heiratete David Theresa in Las Vegas. Kein anderes Bandmitglied nahm daran teil. Er legte sich auch einen Haufen Tätowierungen zu, angeregt durch Theresa. In den späteren Jahren versuchten einige Biographen und Journalisten die Sache so darzustellen, als hätte David mehr Theresa beeinflusst als umgekehrt bzw. behaupten, sie wäre willens gewesen, seine Gelüste (in Bezug auf Drogen und Sex) zu erfüllen. Wer bei David zwischen den Zeilen liest, kommt zu einem anderen Ergebnis.
David: "Meine Frau ist Amerikanerin, und weißt du, sie ist wirklich aggressiv, und das färbt wohl auf mich ab. Und die meiste Zeit hat sie ganz Recht mit dem, was sie denkt. Sie hat Dinge zu mir gesagt, die meine Sicht im letzten Jahr total verändert haben. Sie hat nichts getan, mich nur ermuntert. Und so kam ich dann voller Ideen und so zurück zur Band nach Madrid, und alle sagten: Nun, wir waren gerade zu Hause mit Frau und Kindern, beruhig dich erst mal, Dave. Nun verstehe ich das, aber in dem Moment ... es war so ein bisschen ich und sie. Ich schloss mich in meinem Zimmer ein und malte [für Theresa]. Ich habe zehn Jahre lang nicht mehr auf Leinwand gemalt. Ich verbrachte vier Wochen den ganzen Tag im Studio, danach konnte ich nicht schlafen, also war ich die ganze Nacht auf und malte. Als es fertig war, sagte Martin: Oh ja, weißt du, ich wusste gar nicht, dass du malen kannst. Und ich sagte: Nun ja, das habe ich früher gemacht, Mart, das ist alles, was ich konnte. Ich war drei Jahre auf dem Kunstcollege, und das Einzige, in dem ich jemals wirklich gut war, war malen ...
Ich habe mehr Rock- und Blues-Einflüsse als die anderen in der Band. Als Martin mir die ersten Demos schickte und sie waren so ..., dachte ich: Großartig! Und die Texte waren so wie ich mich fühlte. Es war fast, als hätte Mart sie für mich geschrieben. Condemnation ist, denke ich, meine beste Performance. Als ich in den Kontrollraum kam, wurden alle still und drehten sich um, und plötzlich sagte Flood: Das war absolut großartig. Und Alan und jeder sagte: Das war wahrscheinlich der beste Gesang, den du je gemacht hast. Und ich dachte: Ja, war es. Es hat mich innerlich total aufgebrochen, und zugleich war es sehr optimistisch. ... Ich habe meine Schlachten gewonnen, um ganz ehrlich zu sein - als wir mit der Platte anfingen, wusste ich, es wäre gut für uns, einen Schlagzeuger zu haben. Ich habe darauf bestanden, und am Ende sagte Alan: Also schön, machen wir es dann und holte ein Schlagzeug."[23]
Alan hat das anscheinend anders in Erinnerung: "Ich hatte das schon eine Weile in Erwägung gezogen und erwähnte es wohl mal Dave gegenüber, der es für eine gute Idee hielt."
Zu Davids Gesangsleistung sagte Alan später: "Ich habe mit Dave viele Jahre daran gearbeitet, um seine beste Performance zu bekommen, und ich denke, dass einige seiner besten Gesangsleistungen auf SOFAD zu finden sind. Daves Stimme spiegelt die Intensität der Musik bei Songs wie In Your Room, Condemnation, I Feel You und Walking In My Shoes perfekt wieder. Während einiger Live-Performances bei der Devotional gab es ein paar Probleme, aber das basiert auf dem Stress der extremen Tour und ist absolut verständlich. Ich bevorzuge auf jeden Fall eine 'raue' Stimme voller Emotionen, anstatt eine technisch perfekte, die aber leblos wirkt."[24]
Später erklärte David: "Ich plante die Verwandlung vom einfachen Dave aus Basildon hin zu einem Monster. Das hab ich getan. Während der Worldviolation. Nicht über Nacht. Es fehlten noch ein paar Dinge: eine passende Begleitung, um den echten Rock'n'roll-Star spielen zu wollen - die sich dann als Theresa herausstellte - und ... die Droge. Ich wollte diesen sehr egoistischen Lebensstil führen, ohne gerichtet zu werden. Meine Frau machte dabei mit. Tatsache ist, sie hat mich bekannt gemacht mit ... Sie hat mich nicht dazu gebracht, Heroin zu nehmen, sie gab mir die Möglichkeit, es wieder zu versuchen. Ich hatte das schon mal in Basildon ausprobiert, injizierte es damals aber nicht."[25]



Condemnation

(Thou Shalt Love Thy Neighbour
As the homosexual CONDEMNATIONs flowed from the mouths of the born again street preachers, many same sex couples walking by would stop and make-out with each other in front of the soapbox sermon. While the couples made-out the street preachers would scream out specific chapters and versus backing their case for why these acts were an abomination unto God. The crowds that had gathered were mostly amused by the absurdity of the preaching and loudly cheered on the gay and lesbian couples that would stop and kiss.

- mit freundlicher Genehmigung von © Danny Hammontree)



Derweil kollabierte die Beziehung zwischen Fletch und Alan.
Martin: "Alan kam nicht wirklich aus mit Andy. Andy ist nicht wirklich musikalisch, und Alan war zu der Zeit total mit Studioarbeit beschäftigt. Das passte nicht zusammen. Ich denke, Alan hatte das Gefühl, dass es falsch war, dass Andy, der faktisch nichts im Studio machte, das gleiche Geld bekam wie er."[26]
Ich bezweifle nicht, dass diese beiden Charaktere nicht miteinander auskamen, weil sie recht verschieden sind, aber ich denke nicht, dass es dabei wirklich um Geld ging. Ich fürchte, dass Alan sehr zynisch (und dann auch verletzend) sein kann, weil er eine sehr realistische und fokussierte Person ist. Während viele Fans Martins Meinung teilen - "ich denke, Andy findet es als ärgerlich, wenn er in ein Interview geht und die ganze Zeit über praktisch nur nach der geschäftlichen Seite befragt wird. Jeder denkt, dass er als Musiker total inkompetent ist, ja, sie denken sogar, dass er auf der Bühne keine einzige Note spielt, weil er es nicht kann"[27] - Alan, Fletch selbst und viele andere Fans denken, dass Fletchs Rolle definitiv eine andere ist. Aber im Hinblick auf Fletchs Erkrankung zu dieser Zeit könnte es ihn sehr verletzt haben, wenn einem jemand permanent das Gefühl vermittelt, nutzlos zu sein. Alan hat das zwar nie so offen gesagt, aber wenn er über Studioarbeit oder über die Vorbereitung eines Konzerts mit DM spricht, kommt Fletch darin nie vor. Insofern liegt der Verdacht nahe, dass Alan Fletch nie für voll genommen hat (aus seiner Sicht durchaus verständlich), womit Fletch gerade zu dieser Zeit nicht umgehen konnte (aus seiner Sicht ebenfalls verständlich).

Aber auch das Verhältnis zwischen Alan und David - wenn vielleicht keine wirklichen Freunde, aber zumindest gute Kumpels - kippte, als David in einer Bar in Madrid eine Gruppe Hell's Angels provozierte.
Alan: "Ich glaube, Dave sagte zu einem: Was guckst du so blöd, du fetter A***? Sobald wir aus der Bar kamen, wurden wir angegriffen. Ich bin ein geborener Feigling, also hielt ich mich zurück. Ich habe das Talent, mich in solchen Momenten unsichtbar zu machen. Es war enttäuschend für mich [als ich feststellte, dass Dave drogensüchtig war]. Nicht aus moralischen Gründen, sondern, weil es seine Persönlichkeit veränderte und seinen größten Vorzug verlor: seinen Humor. Er war auch recht apathisch manchmal. Er wurde nicht zu einem Monster oder so, aber Dave war offensichtlich in einer eigenen Welt. Es machte ein normales Gespräch sehr schwierig, was einen zusätzlichen Druck in eine ohnehin angespannte Situation brachte. Es war traurig aus meiner Sicht, weil er nicht wirklich 'da' war, und ich seinen Scharfsinn vermisste. Niemand sonst bei DM hatte jemals Heroin genommen, so weit ich weiß, und Dave muss sich wie ein Alien vorgekommen sein. Eine Distanz zwischen mir und Dave entstand, die mich traurig machte, besonders, weil er eigentlich eine enthusiastische und vitale Person ist. Dave ist auch sehr großzügig und offen, aber vielleicht liegt auch darin das Problem - und ja, natürlich versuchte jeder, ihm zu helfen, aber ich denke nicht, dass jemand von uns wirklich begriff, was tatsächlich los war. Außerdem ist es nicht leicht, jemanden aufzuhalten, wenn er sich auf einer Mission befindet."[28]


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Die Band machte eine Pause und arbeite vom 10. bis 29.08. in Hamburg in den Chateau du Pape-Studios weiter. Dort ging es etwas besser.
(Übrigens - wusstest du, dass die deutsche Heavy Metal Band Helloween und DM zur gleichen Zeit in den Chateau du Pape-Studios aufnahmen? Helloweens Michael Weikath sagt, dass dort "eine Menge Weiber waren, aber sie waren nicht wegen uns da. Wir mussten über 15jährige Mädchen steigen, wenn wir ins Studio wollten. Depeche Mode waren nett, wir haben oft mit ihnen gequatscht."[29]
Solltest du zu diesen "15jährigen Mädchen" gehört haben, schreib mir eine E-Mail und erzähle, wie's war ;) dmbiographie@hotmail.de)
Alan: "Fletch ging wegen seiner Depressionen nach England in eine Klinik, Dave kam nur, um zu singen, und Flood, Martin und ich brachten das Album in Form."[30]
Doch Martin soll auch in dieser Zeit tagelange Sauftouren unternommen haben, David verschwand ebenfalls manchmal für Tage. Seine Drogensucht war inzwischen so offensichtlich, dass es Gerüchten zufolge oft zu Streit gekommen sein soll.
In anderen Quellen heißt es jedoch, dass Alan und Martin dort recht gut miteinander ausgekommen seien und oft zusammen in Hotelbars "auftraten", Alan am Klavier und Martin als Sänger. Dies allerdings sollte man wohl nicht so überbewerten, wie es etwa Malins in seiner Biographie tat.
Alan: "Es gab hunderte von solchen improvisierten Sessions in Hotelbars rund um den Planten. Es war ein gemeinsames Hobby von Martin und mir, in Hotelbars das Klavier zu übernehmen. Ich bin ziemlich schlecht im Notenlesen (was vor allem an mangelnder Übung liegt), aber es war nie ein Problem für mich, nach Gehör oder aus der Erinnerung heraus etwas zu spielen. Ich war immer gut im Improvisieren - und Martin scheint die Texte zu jedem Song zu kennen, der jemals geschrieben wurde."[31]

Dinge wie diese widersprechen der Darstellung der "extrem schlechten Beziehung" zwischen den beiden. In einer Aussage trennt Alan zwar mal zwischen der "menschlichen Seite, auf der wir uns gut verstanden" und der "Arbeitsseite", es gibt aber auch eine sehr späte Aussage (um die SubHuman-Zeit herum), in der er sich darüber beklagte, Martin habe ihn wohl nie gemocht.
Martin soll einmal gesagt haben, dass Alan in Hamburg lockerer war, weshalb es für ihn leichter gewesen sei, mit ihm zurecht zu kommen, während Alan meint, dass das "reduzierte Arbeitsteam" die Stimmung verbessert habe.
Diese Widersprüche - die durchaus auch durch Journalisten und Biographen entstanden sein können, die etwas falsch wiedergegeben oder übersetzt oder aus dem Zusammenhang gerissen haben - machen es für Außenstehende schwer, die Lage gänzlich zu durchschauen.

Die letzte Session fand in London im Olympic-Studio statt. Dort arbeitete man mit einem Gospeltrio - Hildia Campbell, Bazil Meade und Samantha Smith - einem Dudelsackpfeifer, Steafan Hannigan, und einem Streichorchester zusammen.
Martin: "Ich dachte, dass das daraus nichts werden würde. Aber als der Chor zu singen begann, bekam der Song für mich plötzlich eine ganze neue Ebene, und ich beschloss, nicht mehr so engstirnig zu denken."[32]
Alan: "Nachdem wir uns einmal dafür entschieden hatten, dass wir 'echte' Streicher verwenden wollten, kamen nur ein oder zwei Leute in Frage, die sie arrangieren konnten. Will Malone hatte die Streicher für Unfinished Sympathy von Massive Attack arrangiert, ein Song, den Martin und ich beide mochten. Die Streicher wurden in den Olympic Studios in London aufgenommen, wobei Martin den Gesang praktisch live einsang. Es war wohl eine der schnellsten Aufnahmen für einen DM-Song überhaupt. Nur bei Somebody war es ähnlich schnell gegangen."
Während sie in Bezug auf One Caress einer Meinung gewesen waren, waren sie es in Bezug auf Judas nicht.
Alan: "Wir haben den Song in drei oder vier verschiedenen Versionen aufgenommen. Die finale Version wurde sehr spät fertiggestellt und Martin sagte nicht viel dazu, was seine Art ist, um auszudrücken, dass er etwas nicht mag. Ich denke, Martin war sehr auf seine Demo-Version fixiert, während ich fand, dass der Song mehr Atmosphäre brauchte. Er mochte vor allem das Ende nicht. In der Live-Version wurde das dann aber noch mal geändert, weil sie so nicht richtig passte."[33]
Silvester 1992 wurde das Album mit großer Verzögerung endlich fertig gestellt.






Quellenangaben:
[1] Ask Alan, Bong 16, April 1992
[2] Mode Three, Future Music, April 1997. Autr unbekannt
[3] They Just Couldn't get Enough, Q, März 1997. Text: Phil Sutcliffe
[4] Devout Moded, Vox, Februar 1993. Text: Martin Townsend
[5] They Just Couldn't get Enough, Q, März 1997. Text: Phil Sutcliffe
[6] In the Mode, Details, April 1993. Text: William Shaw
[7] Mode Three, Future Music, April 1997. Autor unbekannt
[8] Quelle ist nicht mehr auffindbar
[9] Biography, International Music Publications, 1993, Autor unbekannt
[10] Just Can't Get Enough, Uncut, Mai 2001. Text: Stephen Dalton
[11] Many Smack-Free Returns! Q, Juni 2001. Text: Dorian Lynskey
[12] www.recoil.co.uk
[13] The Highs and Lows and Rise of Depeche Mode, FHM, Juni 1993. Text: Andy Darling
[14] Bullz-Eye, 10.05.2010, Text: David Medsker
[15] Biography, International Music Publications, 1993, Autor unbekannt
[16] www.recoil.co.uk
[17] They Just Couldn't get Enough, Q, März 1997. Text: Phil Sutcliffe
[18] Just Can't Get Enough, Uncut, Mai 2001. Text: Stephen Dalton
[19] Many Smack-Free Returns! Q, Juni 2001. Text: Dorian Lynskey
[20] www.recoil.co.uk
[21] Unsound Recordings, Sound On Sound, Januar 1998. Text: Bill Bruce
[22] www.recoil.co.uk
[23] "I Never Wanted to Destroy Depeche Mode", Melody Maker, 03.04.1993. Text: Jennifer Nine
[24] www.recoil.co.uk
[25] Tears of my Tracks, Q, März 1997. Text: Phil Sutcliffe
[26] Just Can't Get Enough, Uncut, Mai 2001. Text: Stephen Dalton
[27] Plugged In, Creative Loafing, October 2, 1993. Text: Katherine Yeske
[28] www.recoil.co.uk
[29] Helloween in Hamburg, Metal Hammer, Issue 3, 2010. Text: Marc Halupczok
[30] Just Can't Get Enough, Uncut, Mai 2001. Text: Stephen Dalton
[31] www.recoil.co.uk
[32] The Life and Loves of Depeche Mode, I-D, Oktober 1993. Text: Michael Fuchs-Gambock
[33] www.recoil.co.uk



Biographiefaden: 1993

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