1985
Übersicht: Veröffentlichungen in diesem Jahr waren die Singles Shake The Disease / Flexible und It's Called A Heart sowie der Konzertmitschnitt The World We Live In And Live In Hamburg und die Singleskollektion 1981-85.
Anfang 1985 legten DM eine kleine Tourpause ein und nutzten diese
wohl dazu, um Shake The Disease und Flexible aufzunehmen,
da die dazu gehörige Single praktisch unmittelbar nach Ende des dritten Teils
der Tournee erschien.
Denn vom 14.03. bis zum 12.04. spielten DM 19 Konzerte in den
USA und Japan. Und am 29.04. erschien dann
Shake The Disease / Flexible sowie das Live-Video The World We
Live In And Live In Hamburg.
(Das Konzert war am 09.12.1984 in der Alsterdorfer Sporthalle in
Hamburg mitgeschnitten worden.)
David: "Shake The Disease ist ein guter Song, einer, der zuletzt
in den Charts gefehlt hat. Da gibt es so viel amerikanische Musik und nichts,
was wirklich Substanz hätte, nichts Neues. Die meisten Sachen, die zuletzt
Erfolg hatten, sind einfach nur Rhythmus-Tracks, so was wie das, was wir mit der B-Seite
zum Spaß gemacht haben."
Martin: "Flexible ist eine Art Witz. Denn ich denke, wenn
meine Mutter sich jetzt anschaut, was ich so mache, denkt sie: 'Was hat es aus
dir gemacht?'[1] Viele Songs habe ich geschrieben, als ich noch sehr jung war.
Ich denke, dass es von Construction Time Again an viele Verbindungen
zwischen den Songs gibt. Manchmal sind sie sehr deutlich. Ich mag es,
solche Bezüge zwischen den verschiedenen Songs herzustellen. Manche sind recht
offensichtlich.
In Shake The Disease gibt es zum Beispiel einen Bezug zu einem anderen Song.
Da heißt es: Now I've got things to do and I've said before I know you have too.
In einem anderen Song heißt es: Now I've got things to do and you have
too."[2] (Für die, die nicht gleich drauf kommen: dieser andere Song ist
Stories Of Old.)
Alan: "Shake The Disease ist noch immer einer meiner
Lieblings-Martin-Songs, aber ich denke nicht, dass wir das Beste
daraus gemacht haben. Alle versuchten, es besonders klingen zu lassen,
ganz besonders Daniel, der tagelang alle möglichen Sounds von
seinem Synklavier auf 24 verschiedene Tracks aufnahm, um sie dann auf zwei
zu reduzieren. Und der Ergebnis? Etwas, das wie eine abgeschnittene
Sinuskurve klang."
Das Video zu Shake The Disease wurde von Peter Care gefilmt, der eine
sogenannte "auf den Kopf gestellte"-Maschine benutzte.
Alan: "Das Video beinhaltet Sequenzen mit 'freiem Fall', die auf einer
simplen optischen Täuschung basieren. Man wird an einer Stange mit
einem Motor festgebunden, die hinten durch die Jacke gesteckt wird. Wenn
einen die Rotation der Stange mit sich zieht, folgt die Kamera so, dass
der Eindruck vermittelt wird, als befände man sich noch am gleichen Ort,
während sich der Hintergrund bewegt. Peter verwendete auch einen ähnlichen
Trick, bei dem die Kamera an einem befestigt wird, an einem Art Harnisch. Wenn
man sich dann mit der Kamera bewegt, erscheint es, als bewege man sich selbst
überhaupt nicht, jedoch der Hintergrund schon."[3]
Man gönnte sich zwei Monate Pause, ehe man vom 06.07. bis
zum 30.07. mit acht Konzerten mehr oder weniger den vierten Teil
der Some-Great-Reward-Tour
spielte, hauptsächlich auf Festivals.
(mit freundlicher Genehmigung von Mute/EMI)
Da es in diesem Jahr nur wenige musikalische Aktivitäten gab, nach denen man
die Band hätte befragen können, neigten die Journalisten dazu, "Rückschau zu
halten" und dazu, mehr über die Persönlichkeiten der Bandmitglieder in
Erfahrung zu bringen. Da Martin sein Outfit und seinen Lebensstil drastisch
geändert hatte, stach er ein wenig aus der Gruppe hervor. Einige Journalisten
versuchten nun, ihn - frei nach Shake The Disease - "zu verstehen" und
besser kennen zu lernen. Aber das war nicht so einfach. Manchmal scheiterte es
daran, dass Martin keine Lust hatte, etwas über sich preiszugeben, manchmal
war er zu schlau und manchmal kapierten sie seinen Humor einfach nicht.
Wie auch immer, eines der beiden Hauptthemen in diesem Jahr war also
Martin - wegen seines Kleidungsstils, seiner
Stripeinlagen und seinen "Theorien". Ein paar dieser "Theorien":
"Ich habe die Theorie, dass wenn man sich selbst nicht übermäßig
entblößt, man länger im Geschäft ist. Als wir
anfingen, bekamen wir viel Kritik, weil wir ein so schreckliches
Image hatten. Sogar ich dachte, wir wären Feiglinge. Jetzt haben
wir das geändert. Es ist eine Herausforderung."
"Nach ein paar netten kleinen Popsingles muss ein bisschen Perversion
erlaubt sein. Der Arbeitstitel von Some Great Reward war auch
Perversion, aber wir dachten, dass Mütter das nicht für ihre Töchter
kaufen würden."
"Ich bin ein Pessimist und glücklich, einer zu sein. Manchmal male
ich alles zu schwarz, und selbst, wenn es uns gut geht, neige ich
dazu, die schlechten Dinge wahrzunehmen."
"Konventioneller Humor langweilt mich. Ich wünschte, ein paar Leute
könnten den Humor in unseren Songs sehen."[4]
"Ich bin eine pessimistische Person, und ich sehe das
Leben als sehr langweilig an. So sehe ich das, was wir tun als ...
Liebe Und Sex Und Trinken Gegen Die Langeweile Des Lebens an.
Wenn ich Liebeslieder schreibe, finden die Leute sie weinerlich,
aber ich sehe Liebe als ... ein Trost für die Langeweile des Leben.
Und trinken und Sex ... Ich persönlich denke, wir sind ziemlich
dekadent. Wenn wir auf Tournee sind, was sehr langweilig ist,
neigen wir, oder ein paar von uns, dazu, jede Nacht auszugehen
und zu trinken und Spaß zu haben. Trost, verstehst du? Ich weiß,
dass das von Bands erwartet wird, aber ausgehen macht Spaß, Trinken
macht Spaß und Kollabieren macht Spaß."
Martin kippte einen weiteren Whiskey hinunter, woraufhin der
Reporter die Frage einzuwenden wagte, ob er denn nie etwas wirklich
Wildes machen wolle.
Martin: "Ich möchte die Langeweile des Lebens repräsentieren ..."
Entschuldige, dass ich gefragt habe ...
Martin: "... und wenn man die Dinge zu absurden Extremen werden
lässt, reflektiert man das Leben nicht. Echtes Leben ist nicht
extrem, also sind wir es auch nicht, und auch nicht unsere Musik.
Aber wenn ich langweilige Platten mache, und die Leute sich damit
Identifizieren könen, dann habe ich mein Ziel erreicht."[5]
Nun, vielleicht nicht gerade "langweilige Platten", aber in jedem Fall Musik,
mit der sich sehr viele Menschen - mit ganz unterschiedlichem musikalischen
Background und aus völlig unterschiedlichen Kulturen - auf eine sehr
persönliche Weise identifizieren können. Zumindest scheint dies die
Quintessenz dessen zu sein, was die Fans nennen, wenn man sie fragt, warum sie
denn nun eigentlich Fans sind.
"Wie kann Mart wissen, was in meinem Kopf vorgeht?", ist vermutlich der Satz,
der es auf den Punkt bringt. Insofern identifizieren sich die Leute also nicht
mit der "langweiligen Platte", sondern mit ihrer eigenen Persönlichkeit, die
sie "durch die Musik finden". Die Musik von DM ist somit zugleich "irgendwie
anders und individuell" und trotzdem "vollkommen normal", weil sich jeder
"in so einer Situation exakt genauso gefühlt hat" und in der Lage wäre,
"zu jedem Song, jedem Album eine Geschichte zu erzählen", die mit seinem
eigenen Leben verknüpft ist.
Martin hat vollkommen Recht damit, dass das reale Leben in
der Regel nicht extrem ist. Somit reflektieren seine Songs das Leben, das die
meisten Menschen kennen.
Alan: "Martin ist definitiv ein unterbewerteter Songwriter. Seine Songs
sind in der Lage, Menschen zu berühren. Dies schaffen nur sehr wenige Songwriter.
Und die Qualität des Songwritings ist definitiv ein Hauptargument für die lange
Lebensdauer von Depeche Mode."[6]

Und die Klamotten!
Martin: "Ich brauche kaum Klamotten zu kaufen. Seitdem die Fans
realisiert haben, welchen Style ich pflege, schmeißen sie Sachen
auf die Bühne. Ich habe Tonnen von Halsbändern. ... Meine Mutter
akzeptiert es jetzt, ich bin wirklich überrascht. Als ich dieses Mal
nach Hause kam, trug ich Seidenstrümpfe und so. Ich ging zu meiner
Mutter und sagte: Was machst du mit Seidenstrümpfen, Mum, tust du
sie in die Waschmaschine? Und sie sagte: Tu sie zu der Schwarzwäsche,
Liebes."
Dass die gesamte Band zu dieser Zeit eine Vorliebe für schwarzes
Leder hatte, rief ebenfalls einige Spekulationen hervor.
Alan: "Wir beziehen dafür in England mehr Prügel als anderswo.
Ein paar amerikanische Geschäftsmännern beschimpfen uns als
'Schwule', aber nur sehr wenige im Vergleich zu hier."[7]
1989 sagte Martin: "Wenn ich zurückschaue, dann bin ich nicht
so glücklich über ein paar Klamotten, die ich getragen habe. In jedem
Interview wurde der Rock erwähnt. Ich denke, es war ganz lustig,
aber ich bereue, dass so viel Aufmerksamkeit darauf gelegt wurde,
und dass es immer noch Leute gibt, die denken, ich laufe wie eine
Transe rum."[8]
Und David im Jahr 1990: "Wenn es T.Rex oder Gary Glitter in
den 70er gewesen wären, man hätte das für normal gehalten. Es war cool, so zu
sein. Sie sind alle damit durchgekommen. Als Martin damit Mitte
der 80er ankam und es sehr direkt tat, bezog er Prügel. Es war
Martins Problem. Er dachte, es wäre lustig. Abseits der Kameras
hat er sich köstlich darüber amüsiert. Wir alle haben uns köstlich
darüber amüsiert. Dann realisierten wir, dass es für keinen von uns
gut war. Also sagten wir ständig: Du kannst nicht so rumlaufen. Wir
machten das wirklich. Martin hat natürlich weitergemacht. Diese
absurden Klamotten! Jetzt schaut er zurück und fragt: Was zur
Hölle hab ich gemacht? Das Lustige ist, dass wir damit
durchgekommen sind.
Schau, Popmusik ist nichts, was man zu ernst nehmen sollte. Wir waren
sehr ernst, was unsere Musik anbelangt. Zur gleichen Zeit mussten wir einfach
über uns selbst lachen und über das ganze Musikgeschäft. Es wird so
ekelerregend, wenn man sieht, was diese Bands so machen und wer den Rekord
der Nächstenliebe hält. Das sind alles große Sachen, sicher, aber
wir haben so was immer vermieden. Wenn wir was Wohltätiges tun
wollen, dann machen wir das im Privaten und so leise wie möglich.
Wir wollten nie, dass Wohltätigkeit zu etwas wird, was unserer
Karriere hilft. Was auch immer die Intentionen dieser Bands sind,
so kommt es für mich rüber. Es ist sehr trendy geworden. Wir haben
das immer vermieden, so wie Plaque oder so. Man muss die ernste
und die humorige Seite in Waage halten.
Ich denke, der Grund, weshalb Martin Kleider getragen hat, war nur Spaß.
Nichts Tieferes dahinter. Die Leute lesen da mehr rein als da ist,
so was wie, dass er ein
Transvestit war oder so.[9] Martin sagte mal zu mir: Ich mag es,
in den Spiegel zu sehen, bevor ich rausgehe, zu lachen und zu
denken, mal sehen, womit ich heute durchkomme. Er trug Lederhosen
und darüber einen Rock. Und dann trug er nur einen Rock. Wir
saßen backstage und sagten: Martin, du kannst den Sch*** nicht
tragen, Mann! Du musst das ausziehen!"
Martin: "Ich fand es ganz lustig.
Ich dachte nicht daran, dass darum ein solches Theater gemacht
werden würde."[10]
Alan: "Ich fühlte mich nicht wohl damit, dass Martin sich
Mädchenkleidung anzog, und der Rest der Gruppe kommentierte
das auch oft und versuchte, ihn davon abzubringen. Aber je mehr wir das taten,
umso sturer reagierte er darauf.[11] Ironischerweise reagiert Martin heute
irritiert, wenn Leute ihn auf die Kleid-Phase ansprechen - was hat er erwartet?
Unglücklicherweise bilden sich die Leute ihre Meinung über jemanden danach,
wie er aussieht, und vieles an dem Style der frühen 80er Jahre war ziemlich
weiblich. Dass Martin einen Rock trug, half nicht gerade.
Aber man muss auch sagen, dass die Band von den frühen Tagen an eine
große schwule Fangemeinde anzog - lange bevor Martin überhaupt nur in
Erwägung zog, ein Kleid anzuziehen - die sehr treu und unterstützend war.
Der interessanteste Punkt daran ist, dass Martin nicht schwul ist, und es
ihn ärgert, wenn die Leute wegen der Kleid-Phase denken, er sei es.
Er scheint den Fakt zu übersehen, dass manche Leute immer noch
Transvestismus mit Homosexualität gleichsetzen."[12]
Alan irrt hier. Ich habe kein einziges Interview gefunden, in dem Martin sich
darüber geärgert hätte, dass jemand annahm, er sei schwul. Er reagierte höchstens
genervt, wenn die Frage allzu oft gestellt wurde. Sollte er sich also
tatsächlich mal über die Annahme, er sei schwul, geärgert haben, dann geschah
das intern.

1985 waren ihnen die Konsequenzen der "Klamotten-Sache" noch ziemlich egal.
Martin: "Ich kaufte meine erste Lederjacke, als ich 18 war.
Ich habe eine Vorliebe für schwarzes Leder entwickelt, was
paradox ist, weil ich, wie Alan, Vegetarier bin - aus moralischen
und gesundheitlichen Gründen. Schwarzes Leder ist beeindruckend
und einfach. ...
Die Leute denken, ich habe verrückte Angewohnheiten, aber meine schlimmste
Untugend sind Videospiele. Nun, ich habe noch ein paar andere, aber ihr wärt
daran zu sehr interessiert ...
Ein Durchschnittstag von mir sieht so aus: Ich stehe mittags auf und
komponiere auf meiner Gitarre, sample Töne bis acht Uhr abends. Ich bin
kein großer Musiker. Keiner von uns ist das, außer Alan. Mein Interesse gilt
Melodien und Texten. ...
Geschlechterbarrieren sind dumm. Meine Freundin und ich teilen Kleider,
Make-up, alles. Na und? Es ist ein Schock, in einem Magazin wie
der Bravo
zu lesen, dass ich mich wie eine Frau anziehe. ...[13] Ich mag es nicht,
wenn das so hochgespielt wird, weil ich nichts Besonderes darin sehe.
Es nur etwas, was mir Spaß macht. Ich denke, ich mag es, weil es anders ist,
und weil ich männliche Kleidung sehr langweilig finde. Männer sind sehr
begrenzt darin, was sie anziehen können, was akzeptabel ist. Ich
würde wohl nicht in einem Kleid einkaufen gehen, aber wenn ich in
einen Club gehe, ziehe ich eins an. Eine Sache, die mir
aufgefallen ist, ist, dass jeder glaubt, man sei schwul, wenn
man sich feminin anzieht, aber was die Leute dabei übersehen,
ist, dass sich die meisten Mädchen heutzutage so anziehen wie
Jungs. Manchmal, wenn ich etwas Neues kaufe und zum ersten Mal
präsentiere, lachen die anderen mich aus. Sie sagen so was wie:
das kannst du nicht anziehen und so."[14]
(Dies war die generelle Sichtweise unter - speziell - britischen Künstlern zu
dieser Zeit. Wenn man sich die Popkultur in Großbritannien Mitte der 80er ansieht,
findet man eine ganze Reihe von männlichen Künstlern, die sich feminin anzogen,
und eine Reihe von weiblichen Künstlern, die sich maskulin anzogen - als
prominentes Beispiel wäre Annie Lennox (Eurythmics) zu nennen.)
David: "Mart hat sich total verändert. Aber er geht den Weg, den
er gehen will. Er hat seine Teenagerzeit ausgelassen, ausgehen,
jede Nacht ein anderes Mädchen, sich betrinken, sich keine Sorgen
machen. Er lebt das jetzt. Es ist nicht schlecht. Jeder sollte so
eine Phase durchleben. Ich persönlich denke, er macht jetzt all
die Sachen, die ich gemacht habe, als ich 16 war. Die ganze Sache
mit der Langweile ist genau das, was ich auch erlebt habe. Ich
ging in Clubs mit Leuten, die viel älter waren als ich. Ich trug
Tonnen von Make-up und auch Kleider. Wenn ich jetzt in einen Club
gehe, will ich nur eine gute Zeit haben, nicht schockieren."[15]
1990 erklärte er: "Du wirst mich nicht in einem Sch***-Kleid
erwischen! Keine Chance! ... Ich hab in meinem ganzen Leben
kein Kleid getragen. Werd ich auch nie!"[16]
Allerdings gibt es ein Bild aus dem Dezember 1980, auf dem er
eindeutig ein Kleid trägt:
(Copyrightinhaber unbekannt - kann auf Wunsch sofort entfernt werden)
Und es ging noch weiter mit den Klamotten ...
Alan: "Es gefällt Martin, wenn wir durch den Zoll gehen und er
gefragt wird, ob er in die Männer- oder die Frauenkabine will,
um durchsucht zu werden."
David: "Ich sehe mir die Dinge an, die Martin jetzt macht, und
ich lache einfach ..."[17]
Alan: "Viele Typen im Publikum denken sicher nicht darüber nach,
warum Martin einen Rock trägt. In einer anderen Situation würden
sie ihn verprügeln, aber wenn es auf der Bühne ist, lieben sie es."[18]
Aussagen wie diese führten dazu, dass man sie für reichlich dekadent hielt.
Martin: "Nun, mir geht es nicht um ... Schmerz oder so was. Dekadenz
deckt viele Bereiche ab! Einige von uns gehen was trinken, wenn wir
auf Tournee sind, und ich weiß, dass man so was von uns erwartet,
weil wir eine Band sind, aber es ist nur ein Weg, sich zu amüsieren ..."
David: "Du magst Dekadenz aber schon, oder?"
Martin: "Mmmmmm ... nun, ja, schon ... Manchmal ... wenn man etwas
macht, so was, wie die Straße mit deiner Freundin runterlaufen,
dann bekommt man das Gefühl, zu normal zu sein. Es ist kein gutes
Gefühl ..."
David: "Ich kann dir versichern, du bist nicht normal, Martin!"[19]

In diesem Jahr nennenswerte Themen zu finden, war schwierig.
Es gab nur Kleinigkeiten am Rande zu vermelden.
So sinnierte David über die Nebeneffekte der Tourneen: "Am Ende
dieser Tour werde ich etliche Kilo verloren haben. Es ist sehr
ungesund, so zu leben. Ich werde dauernd krank, also reise ich
mit einem Koffer voller Medikamente - Antibiotika, Glycerine,
Vitamine ... Die Sache ist, die Konzerte sind großartig, aber der
Rest ist reine Zeitverschwendung. Man macht nichts, und man isst
nicht vernünftig. Nach der Show ist man so aufgedreht, dass man
stundenlang wach ist. Wenn es vorbei ist, und ich nach Hause
fahre, bin ich total desorientiert. Ich renne wie aufgedreht
im Haus herum. Es braucht Wochen, um zu einer Routine zu finden,
wie Wäsche waschen, Rechnungen bezahlen, etwas für die Wohnung
kaufen. Als ich innerhalb von Basildon umgezogen bin, habe ich
etwas an Gewicht zugelegt. Es hat nicht lange gehalten ..."
Und über die Konzerte: "Es ist ein sexuelles Gefühl, ein Gefühl
von immenser Macht. Je größer die Menge ist, umso besser. Unsere
Live-Shows sind anders als die Alben, viel aggressiver, und ich
trage die Verantwortung dafür. 9.000 Leuten zu sagen, was sie
machen sollen, ist wie auf einem anderen Planeten zu sein."[20]
Das große Live Aid-Festival, das in diesem Jahr stattfand und in
die Geschichte einging, war für DM ebenso wenig Thema wie typische
Medienarbeit generell.
Alan: "Es ist eine konträre Sache. Wir sitzen da und denken: Oh
nein, wir sind nur Nr. 18 mit Shake The Disease, und zur gleichen
Zeit wissen wir, wir würden eine höhere Position erreichen, wenn
wir mehr solche Dinge tun würden, die wir nicht tun wollen, dieses
ganze Medienzeug. Das Problem ist, wenn man sehr ehrlich ist, wenn
man immer die Wahrheit sagt, kommt man ein bisschen rückgratlos
daher, ein bisschen langweilig."[21]
Fletch: "Da wir bei einer unabhängigen Firma sind, haben wir
solche Kontakte nicht, also wurden wir nicht gefragt, ob wir bei
Live Aid auftreten würden. Ich denke nicht, dass Geldof klar war, wie
viele Platten wir international verkaufen. Zu der Zeit waren wir
enttäuscht, aber die ganze Sache wurde dann ziemlich schäbig - all
diese alternden Rockbands, die offenbar nur auftraten, um ihre
eigene Karriere zu pushen - jetzt sind wir froh, nicht beteiligt
gewesen zu sein. Das Geld, was dabei eingenommen wurde, kann
nicht kritisiert werden ... aber es wäre sehr viel mehr gewesen,
wenn sie das dazugerechnet hätten, das für ihre Kokainrechnung
draufgegangen ist ..."[22]
Alan: "Ich bezweifle, dass wir die Einladung wirklich angenommen
hätten, wären wir gefragt worden. Meine persönliche Meinung ist, dass Charity
eine absolut private Sache sein sollte, aus der keinerlei persönlicher Vorteil
gezogen werden sollte. Die Künstler, die an Live Aid beteiligt waren, hatten
danach aber fast alle eine Steigerung ihrer Plattenverkäufe zu verzeichnen,
und der Zyniker in mir fragt sich, wie viel von dem Profit dann tatsächlich in
Äthiopien angekommen ist."[23]
Ich hingegen bezweifle, dass sie wirklich "nein" gesagt hätten, wenn sie denn
gefragt worden wären. Der Satz "Ich denke nicht, dass Geldof klar war, wie viele
Platten wir international verkaufen" sagt an sich alles, was man wissen muss.
Es ist möglich, dass sie ihre Meinung später änderten. Aber dennoch ist es
ein wenig heuchlerisch, denn während sie auf der einen Seite stolz auf ihre
Unabhängigkeit waren und glücklich darüber, dass sie nichts mit dem generellen
Musikbusiness zu tun hatten, waren sie auf der anderen Seite durchaus auf
Erfolg aus. Vielleicht kamen sie einfach zu dem Schluss, dass es besser war,
den Erfolg auf andere Weise zu erreichen.

Am 04.08 heirateten David und Joanne und zogen in ein gemeinsames Haus
in Essex. Dies war das zweite "große" Thema in diesem Jahr.
"Ich habe viele Mädchen getroffen, und ich hatte viele
Mädchen, und sicher, ich war davor auch schon mal verliebt, aber
Jo ist das einzige Mädchen, das ich je getroffen habe, mit dem ich
leben kann. Da ist etwas Besonderes. Wir gehen jetzt seit sechs
Jahren miteinander, und ich stand einfach eines Morgens auf und
fragte sie, und sie sagte nur: Ja, okay. Es war ganz zwanglos."[24]
1986 ergänzte er: "Wir hätten das hochspielen können. Es stört mich
nicht, es zu sagen, aber was soll's? Wen interessiert das? Tausende
von Leuten heiraten jeden Tag. Es ist vielleicht klischeehaft zu
sagen, man fühle sich nicht anders, aber ich tue es wirklich nicht.
Wir kommen einfach gut klar. Jo macht so viel für mich, und sie
ist immer da, wenn ich sie brauche. Ich vermisse sie mehr und mehr."
Dennoch kam sie schon seit einiger Zeit nicht mehr mit auf Tournee.
David: "Sie kann kommen, aber es funktioniert nicht. Es ist sehr
schwierig. Auf Tournee bin ich ein ganz anderer Mensch. Ich kann
schrecklich sein, weil ich so fixiert bin auf das, was ich tue.
Wenn Jo dabei ist, mag ich es, aber sie ist jeden Tag da, und
wenn ich schlechte Laune habe, lasse ich sie darunter leiden.
Wir hatten viele wüste Streitereien ..."
Klingt nicht gerade nach der großen Liebe. Auf Nachbohren eines
Journalisten gab er zu, dass der Hauptgrund für die Ehe Kinder gewesen
seien: "Ich denke, das würde dem Leben eine ganz neue Perspektive
geben. Ein Kind aufzuziehen, stellt alles andere in den Schatten.
Alles andere würde zweitrangig werden."[25]
Während David heiratete und mit Jo innerhalb Basildons umzog,
zog Fletch nach London - in "einen Schuhkarton mit vielen Pflanzen" -
etwas, was die Band amüsierte.
Alan: "Er hat seine Wurzeln verloren." (Alan war hier ziemlich
gemein, aber Fletch hatte in vielen vorherigen Interviews eben
immer wieder gesagt, er würde nie, nie aus Basildon wegziehen.)
"Er investiert in Dinge wie Weinregale. Er hat sogar eine Reihe
von Büchern über Pflanzenpflege."[26]
Oder eine andere Geschichte ...
In einer Hotellobby saß ein Reporter zwischen den Depeche-Jungs.
Er wandte sich an den gelangweilt drein schauenden Alan: "Wir
fangen mit dir an, Vince Clarke ..."[27]
Leider wurde es versäumt, zu erzählen, was Alan darauf erwiderte.
Wie ist denn eigentlich so das Leben als Popstar?
David: "Es ist: Ich bin glücklich - ich bin depressiv. Da gibt
es nichts dazwischen. Man fühlt sich nie einfach okay, man ist
entweder extrem glücklich oder extrem depressiv. Ich glaube,
niemand kann das verstehen, bevor er nicht in einer erfolgreichen
Band ist."[28]
Klingt fast so, als würde man automatisch manisch-depressiv, wenn man
Popstar wird. Vielleicht ist dies aber der Grund, warum so viele von ihnen
zu Alkohol und Drogen greifen.
Und was kann man so in Berlin machen?
Alan: "Man kann viel machen in Berlin. Wenn man um 4 Uhr morgens
mit der Arbeit aufhört, endet man in einer Bar oder einem Club.
DNC ist beliebt, dann gibt es ein paar gute Schwulenclubs,
Corelles ist gut, The Jungle ..."[29]
Die Spekulationen dazu kann man sich in etwa vorstellen. Erst
sehr viel später fügte er hinzu: "Ich bin nicht schwul, aber
ich habe kein Problem damit, in eine Schwulenbar zu gehen. Wir
gingen dorthin, weil sie die beste Stimmung und Musik hatten."[30]
Aus heutiger Sicht ist es schwierig zu verstehen, warum die Spekulationen, die
Band (oder eines der Bandmitglieder) könnte homosexuell sein, so ein Problem
darstellte. Ich bin zwar selbst auch in den 80ern aufgewachsen, aber ich vergesse
oft, welch langen Weg die schwule Community seither zurückgelegt hat. Es gibt
immer noch viele Länder, in denen Homosexuelle nicht gern gesehen sind, aber
inzwischen auch viele, in denen man sich um Toleranz bemüht. In den 1980ern
war dies anders. Als ich alte Musikmagazine durcharbeitete, fiel mir auf, wie
unterschwellig intolerant sie waren - gegen Frauen, Homosexuelle und alles, die
irgendwie aus dem Rahmen fiel. Musiker hatten ein bestimmtes Image zu erfüllen.
Heute wird oft so getan, als hätten sich Künstler mehr rausnehmen können, aber
das stimmt so nicht. Besonders von Rockmusikern erwartete man mehr oder weniger,
dass sie männlich, hetero und "ganze Kerle" waren. Jemand mit Martins Vorliebe
für's Cross-Dressing (denn um etwas anderes ging es ja gar nicht) passte einfach
nicht in das Weltbild dieser Zeit.

Kurz nach Davids Hochzeit begannen die Aufnahmen zu It's Called
A Heart in den Genetic-Studios. Die Single erschien am 16.09.
Während sich die Bandmitglieder über Shake The Disease einig
gewesen waren, verursachte It's Called A Heart einigen Stress.
Alan: "It's Called A Heart ist meine meist gehasste DM-Single,
und ich war sogar dagegen, sie überhaupt aufzunehmen, geschweige
denn, sie zu veröffentlichen. Ich kämpfe verbissen für die B-Seite
Fly On The Windscreen, die viel besser war. Für mich war die ganze
Sache ein extremer Rückschritt. Wir hatten darum gekämpft, uns
weiterzuentwickeln und als eine Band mit einem härteren Sound,
mehr Tiefgang und Reife wahrgenommen zu werden, und dann kam diese
extrem poppige Nummer, die für unsere Reputation nicht gut war.
Leider wurde ich von den anderen überstimmt, obwohl sie auch fanden,
dass Fly On The Windscreen als B-Seite verschwendet war und
zustimmten, es solle auf dem nächsten Album, Black Celebration,
erscheinen."
Bleibt zu hoffen, dass er dabei in der Lage war, dem Bild zu entsprechen,
dass er von sich selbst hat: "Ich habe natürlich ausgesprochen, was ich
über das Potential der einzelnen Songs dachte, aber ich habe dabei versucht,
immer diplomatisch zu sein und keine unsensiblen Kommentare abzugeben."
Auch das Video zu It's Called A Heart hasste er, beantwortete die
Frage, ob er etwas in seinem Leben ändern würde, wenn er die Zeit
zurückdrehen und alles noch mal machen könnte, mit: "Ich denke nicht, dass
ich viel anders machen würde, abgesehen von ein paar Haarstyles und den
bescheuerten Stiefeln, die ich bei 101 getragen habe. Oh, und ich
würde dafür
sorgen, dass ich an dem Tag, an dem wir das Video zu It's Called A Heart
gedreht haben, meinen Wecker überhört hätte."
Nach der Intention des Videos gefragt, antwortete er: "Das musst du Peter
Care fragen (den Regisseur) - er kam mit diesem 'Konzept' an. Etwa wie er
'so etwas wie ein Herz' mit wirbelnden Kameras an einem Seil am Ende eines
Kornfelds in Reading gleichsetzte - ich werde nie in der Lage sein, es
zu erklären."[31]
Er hasste den Song sogar so sehr, dass er die Frage "was ist deiner Meinung
nach ein wahrer DM-Fan?" mit "jeder, der uns nach It's Called A Heart
noch Zeit gewidmet hat"[32] beantwortete.
Ein bisschen seltsam ist es, dass es kaum Aussagen der anderen Bandmitglieder
zu It's Called A Heart gibt. Zumindest nicht 1985. David sagte
einfach: "Ich finde es schwierig, Singles zu beurteilen, wenn sie gerade erst
erschienen sind"[33], und Martin erklärte: "Der Song handelt von der
Wichtigkeit des Herzens in einem mythischen Sinne, als der Teil des Körpers,
in dem Gut und Böse beginnen. Ich bin nicht sicher, ob ich daran glaube,
aber es ist eine hübsche Idee."[34]
Jahre später würde Fletch auf die Frage nach ihrem schlechtesten
Song It's Called A Heart[35] nennen, und Martin sagte 1998:
"It's Called A Heart war eines der schlimmsten Dinge, die wir je
herausgebracht haben."[36]
Trotzdem MUSS es jemanden gegeben haben, der ihn 1985 mochte, denn sonst
wäre es kaum zu diesen Problemen innerhalb der Band gekommen.
(mit freundlicher Genehmigung von © Bart Ceuppens)
Am 15.10. wurde The Singles 1981-1985 veröffentlicht, welche
hauptsächlich auf den US-Markt zugeschnitten war, denn dort begannen
DM mehr und mehr Fuß zu fassen.
Unterbrochen von einem Auftritt in Peter's Popshow am 09.11. in der
Dortmunder Westfalenhalle, begann die Band Ende 1985 in den
Westside-Studios in London und später in den Hansa-Studios mit den
Aufnahmen zu
Black Celebration. Die Idee einer monatelangen Dauersession, um ein
"klaustrophobisches Gefühl"[37] zu erzeugen, erwies sich sehr bald als allzu wahr.
Tatsächlich wurde die Studioatmosphäre während den Aufnahmen zu
Black Celebration immer schlechter. Während
Martin es nun eher zuließ, seine Demos jenen zu überlassen, die
sich mehr auf die musikalische Umsetzung konzentrierten - wenngleich
er nicht mit allem glücklich war - wurde die
Produktionsbeziehung zwischen Daniel Miller, Gareth Jones und Alan
schlechter. Dies führte schließlich zum Entschluss Millers, der
Produktion in Zukunft fern zu bleiben.
Alan: "Dan und ich waren als Freunde und musikalische Kollegen
zusammengewachsen und hatten ein gegenseitiges Verständnis darüber
entwickelt, welche Gebiete Depeche Mode erkunden sollte. Zum
Beispiel war unser Verbund durch Verbringen langer Stunden bei
der Fertigstellung von Some Great Reward verbessert worden,
während alle anderen schon in den Ferien waren. Mit
Black Celebration überschritten wir den Zeitplan ebenfalls, aber
diesmal kam es zu Problemen, vielleicht, weil zu viele zusätzliche
Stimmen in die Gleichung gebracht wurden."[38]
Martin: "Es wurde unglaublich viel gestritten damals. Wir hatte die
Arbeitsbeziehung mit Daniel und Gareth Jones überstrapaziert. Das war das
dritte Album, das wir zusammen machen, und ich denke, jeder war sehr faul
geworden, hielt sich an Formeln fest."[39]
Anscheinend fand er es mitunter so unerträglich, dass er zwischenhinein für
eine Woche verschwand und damit wildeste Spekulationen
auslöste. (Vor allem in den Teenager-Magazinen.)
"Ja, ja, ich bin ausgeflippt." (lacht) "Dieses Geschäft geht
einem manchmal auf die Nerven, und ich musste für ein paar Tage
raus. Wir hatten viel zu tun, das ist viel Stress, und ich bin
auch noch gerade dabei umzuziehen." (Er zog von Berlin zurück
nach London.)
David: "Ich denke, es tut gut, mal auszuflippen. Ich hätte es
fast getan, als wir unser letztes Album aufgenommen haben. Ich
bin umgezogen, hatte einen schlimmen Autounfall und an dem Punkt
dachte ich: Das ist es, es ist vorbei."
1990 erzählte er, der Unfall sei passiert, als jemand vor ihm
ausparkte, und er in den anderen Wagen hinein rauschte. Er verletzte
sich dabei, besonders seine Knie.
Alan: "Ich bekomme nie einen Koller, aber trotzdem befinde ich
mich in einem permanenten Zustands des Ausflippens. Die meiste
Zeit weiß ich nicht, wer ich bin."[40]
So endete das Jahr mit kleineren und größeren Unstimmigkeiten.
David: "Wenn es jemals einen Punkt gab, uns aufzulösen, war es
Ende 1985. Wir haben uns ständig gestritten. Sehr intensiv. Wir
wussten nicht, was wir nach Some Great Reward machen sollten, also
beschlossen wir, die Dinge langsamer anzugehen. Dadurch hatten wir
aber mehr Zeit, und diese Zeit verbrachten wir damit, uns zu streiten.
Manchmal scheint es unglaublich, dass wir diese Phase überlebt haben
und wir überdies nicht verrückt geworden sind."[41]
Fletch: "Ab Black Celebration hatte ich das Gefühl, dass die Band
jeder Zeit auseinander brechen konnte."[42]
Auch ich würde - nach dem Studium all dieser Interviews - sagen,
dass 1985 der Punkt war, an dem die Zündschnur an das Fass
angebracht wurde, was acht Jahre später bei der Devotional-Tour
explodieren würde. Der Eindruck, der sich bei einigen Interviews
aufdrängt, ist ein Mangel an echter Kommunikation zwischen den
Bandmitgliedern. Es wurde viel geredet, aber wenig ausgesagt.
Alan sieht das etwas anders: "Innerhalb einer Zeitspanne von 13
Jahren gibt es in einer Band immer Zeiten höchster Spannung. Ich
würde sagen, dass die Dinge nach den Aufnahmen zu Black Celebration
etwas schwierig waren - würde es aber nicht als Anfang vom Ende sehen."[43]
Es scheint, als hätten die Probleme vor allem auf der menschlichen Seite
basiert und weniger auf dem musikalischen Aspekt, denn sie waren alle recht
zufrieden mit der Entwicklung, die sie genommen hatten. Man kann vielleicht
sogar sagen, dass DM mit Black Celebration überhaupt erst richtig anfing,
obwohl - oder vielleicht gerade weil - dieses Album "das Ende einer musikalischen
Ära markierte und Fazit einer (Leid)geprüften Produktion darstellte."
Seit 1983 hatte Alan versucht, die Musik
von den frühen Popwurzeln wegzuführen, um "eine dunklere Welt zu umarmen".
Somit war Black Celebration das letzte DM-Album, das "den
'wir sampeln absolut alles und jeden'-Gedanken erfüllte, wenngleich
Alltagsgegenstände als Musikinstrumente auch später nicht gänzlich
verschwinden würden."[44]
Martin: "Es war der Zeitpunkt, ab dem sich die Alben wirklich anfingen
zu entwickeln. Ich fühlte mich sehr frei. Ich schrieb es in Berlin, und wir
alle fingen an, schwarz zu tragen. Wenn wir jetzt da sind, werden wir immer
noch von den Fans verfolgt, die wir The Black Swarm nennen. Wenn man morgens
in den Fitnessraum geht, warten sie in der Lobby auf einen und folgen einem."[45]
Alan: "Ich denke, zu dem Zeitpunkt, als wir bei Black Celebration
angelangten, bekamen die Songs wirklich Tiefe. Das lag zum Teil an den Songs
selbst, und zum Teil daran, weil Martin sich zu einem sehr viel weltlicheren
Songwriter entwickelte, was sich mit meinem Einfluss mischte, einen düsteren
Sound kreieren zu wollen."[46]
Quellenangaben:
[1] The Last of the Futurists, Record Mirror, 25.05.1985. Text: Betty Page
[2] Boys on Film, Melody Maker, 15.04.1989. Text: Francesco Adinolfi
[3] Recoil.co.uk
[4] Boys Keep Swinging, No. 1, 19.01.1985. Text: Max Bell
[5] Fake the Disease, NME, 05.10.1985. Text: Danny Kelly
[6] Depeche Mode: A Short Film, EPKMUTEL5, Regisseur: Sven Harding
[7] The Last of the Futurists, Record Mirror, 25.05.1985. Text: Betty Page
[8] The Unlikely Lads, Q, April 1989. Text: Mat Snow
[9] Depeche Mode Hip it up and Start Again, Melody Maker, 10.03.1990. Text: Jon Wilde
[10] Violator, Alligator, NME, 07.07.1990. Text: Jeff Giles
[11] The Story Of Depeche Mode, BBC Radio London Live94.9, 07.05.2001, Produzent: Tony Wood
[12] Recoil.co.uk
[13] Martin Gore: The Decadent Boy, No. 1, 11.05.1985
[14] Are Depeche Mode Cracking up?, Smash Hits, 09.-22.10.1985. Text: Chris Heath
[15] Fake the Disease, NME, 05.10.1985. Text: Danny Kelly
[16] Depeche Mode Hip it up and Start Again, Melody Maker, 10.03.1990. Text: Jon Wilde
[17] Fake the Disease, NME, 05.10.1985. Text: Danny Kelly
[18] Coming up Smiling, The Face, Februar 1985. Text: Sheryl Garratt
[19] The Normal Invasion, The Hit, 28.09.1985. Text: Marc Issue
[20] Boys Keep Swinging, No. 1, 19.01.1985. Text: Max Bell
[21] Aces High, Zig Zag, August 1985. Text: William Shaw
[22] Basildon Bond, Blitz, April 1986. Text: Bruce Dessau
[23] Recoil.co.uk
[24] Are Depeche Mode Cracking up?, Smash Hits, 09.-22.10.1985. Text: Chris Heath
[25] "I Love the Idea of Wearing Leather and I Love the Idea of Being Tied up, Because I Love the Feeling of Helplessness ...", Record Mirror, 08.02.1986. Text: Nancy Culp
[26] Are Depeche Mode Cracking up?, Smash Hits, 09.-22.10.1985. Text: Chris Heath
[27] Coming up Smiling, The Face, Februar 1985. Text: Sheryl Garratt
[28] Are Depeche Mode Cracking up?, Smash Hits, 09.-22.10.1985. Text: Chris Heath
[29] Alan Wilder: The Band Boy, No.1, 25.05.1985
[30] Recoil.co.uk
[31] Recoil.co.uk
[32] Ask Alan, Bong 16, April 1992
[33] Everything Counts (in Large Amounts), Number One, 19.10.1985. Text: Paul Bursche
[34] Are Depeche Mode Cracking up?, Smash Hits, 09.-22.10.1985. Text: Chris Heath
[35] Ask Andy, Bong 17, Juli 1992
[36] The Singles 86-98 by Martin Gore, Bong 37, September 1998. Zusammengestellt von Michaela Olexova
[37] Recoil.co.uk
[38] Recoil.co.uk
[39] Just Can't Get Enough, Uncut, Mai 2001. Text: Stephen Dalton
[40] Are Depeche Mode Cracking up?, Smash Hits, 09.-22.10.1985. Text: Chris Heath
[41] Depeche Mode, Published by HMV / Melody Maker, 22.09.1990. Autor unbekannt
[42] They Just Couldn't get Enough, Q, März 1997. Text: Phil Sutcliffe
[43] Depechemodebiographie.de
[44] Recoil.co.uk
[45] User's Guide: Depeche Mode, Kingsize, Mai 2001. Autor unbekannt
[46] Songs of Praise and Emotion, Blue Divide, Volume 2, Issue 1, 2000. Autor unbekannt
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Deutsche Übersetzungen/Interpretationen
zu den Texten der Some-Great-Reward-Ära (+1985).
Rezension zu Some Great Reward (+1985)
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