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1982

Übersicht: Veröffentlichungen in diesem Jahr waren die Singles See You / Now, This Is Fun, The Meaning Of Love / Oberkorn (It's A Small Town) und Leave In Silence sowie das Album A Broken Frame.




Mitte Januar (leider scheint sich keiner an das genaue Datum erinnern zu können) hatte Alan seinen ersten Auftritt mit DM - im Crocs in Rayleigh.
In einem Artikel heißt es, die Band hätte über Alan gesagt, dass "er ein guter Musiker ist, aber sie sind sich noch nicht sicher, ob es das ist, was sie brauchen. Er spielte seinen ersten Gig im Crocs und war ziemlich erschreckt von dem Chaos rund um Depeche Mode, als Teenager in der ersten Reihe platt gedrückt wurden und vor ernsten Schäden gerettet werden mussten."[1]
(Man bedenke, dass dies gerade mal ein Jahr nach ihrem ersten wirklichen Erscheinen passierte. Sie waren wirklich so etwas wie eine hippe Boyband, die besonders von jungen Mädchen geliebt wurde. Manchmal mussten sie Konzerte in den frühen Abendstunden geben, weil die meisten dieser Mädchen zu jung waren, um die Konzerte am späteren Abend zu besuchen. - Falls du eines dieser Mädchen warst, schreibe bitte eine Mail an dmbiographie@hotmail.de und erzähle mir über dieses Ereignis und was dich zu dieser Zeit an der Band faszinierte.)
Fast unmittelbar danach reiste die Band nach New York, wo sie am 22.01. und 23.01. im Ritz auftrat.
Fletch: "Alan kam nach New York, und es war sehr lustig. Er hatte nur eine dünne Jacke an und einen Wollschal, und ich glaube, in New York waren es -40°."[2]
David trat mit einem Arm in der Schlinge auf. Er hatte sich ein Tattoo entfernen lassen und die Narben schwollen an. Der Rest der Mini-Tour war auch nicht viel besser.
Fletch: "Wir waren zuvor bei Top Of The Pops aufgetreten - keine Ahnung, warum wir dem zugestimmt hatten. Aber Mute hatte beschlossen, uns mit der Concorde rüberfliegen zu lassen. Es war das schlimmste Konzert unseres Lebens. Unser Equipment funktionierte nicht und wir kamen nicht vor halb 3 morgens auf die Bühne."[3]
Dies waren nicht die einzigen Schwierigkeiten, die sie hatten, als sie versuchten, Erfolge in den USA zu landen. Es würde lange dauern, ehe sie dort ihren Durchbruch erleben würden.



Leave In Silence

(Leave in silence - mit freundlicher Genehmigung von © Gergely Dervarics (Greg76))



Während Alan von der Presse zunächst nur am Rande erwähnt wurde, hatte Vince die volle Aufmerksamkeit - obwohl er gar nicht mehr da war.
Martin: "Er präsentiert dir Rätsel, Dinge, die man nicht erklären kann."
Fletch: "Den Eindruck, den er gern vermittelt, ist, dass ihn niemand kennt."
David: "Wir dachten, wir kennen ihn, aber wir fanden heraus, dass wir ihn nicht kennen."
Fletch: "Vince wollte immer viel im Studio machen, und der Rest von uns fühlte sich eingeengt. Wenn wir eine Idee hatten, hatten wir Angst, etwas zu sagen."
David: "Nein, nicht Angst. Wir fühlten uns unwohl."[4]
Nun übernahm Martin die Rolle des Songwriters, und sie versuchten, Songs zu produzieren, die mehr Substanz hatten und schwierigere Akkordwechsel beinhalteten.
Fletch: "Martin schreibt Musik um seine Texte, wohingegen Vince erst die Melodie schrieb und dann den Text. Worte waren nie Vinces Stärke. Ehrlich gesagt, waren wir manchmal ziemlich, äh, beschämt ob seines Stoffs. Wir haben viele seiner Songs nicht verstanden. Er hat uns nie gesagt, von was sie handeln!"
David: "Ich erinnere mich, dass ich eines Abends durch Basildon ging und diese beiden Mädchen sah, die mir folgten. Ich wusste, sie hatten mich erkannt. Und sie begannen zu singen, weißt du", er quietschte: "I stand still stepping on a shady street. Und ich ging ein bisschen schneller", er lachte, "schlug meinen Mantelkragen hoch, so! Und dann ...", er jammerte: "And I watch that man to a stranger. Und ich dachte: Oh nein, das ist peinlich! Verstehen sie diesen Text?! Vielleicht tun sie es und wir nicht!"[5]


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Aber die Medien würde es auch Martin nicht leicht machen. Heute kennen wir ihn als genialen Songwriter, aber in diesen frühen Tagen musste er erst einmal die "Nagelprobe" bestehen, besonders als am 29.01. See You / Now, This is Fun erschien.
Fletch: "Nach New Life dachten viele Leute, DM wären süß und niedlich und so, und wir wollten ihnen zeigten, dass wir auch anders sein können. Auf der neuen B-Seite Now, This Is Fun versuchten wir ...", er hielt inne, während alle zu lachen begannen, "... wir versuchten ... wirklich ... cool zu klingen! Aber es hat nicht funktioniert ..."[6]
Auch das Verständnis für die neuen Texte funktionierte nicht wirklich. So wurde Martin gefragt, was es mit der Zeile Well, I know that five years is a long time and that times change but I think you'll find people are basically the same aus See You auf sich habe: "Es ist gut, ernst, aber lustig. Ich mag es, weil es Worte sind, die nur selten in Songs benutzt werden. Es ist so, wie die Leute reden. Ich kann die Geschichte dahinter nicht erzählen. Es ist privat. Ich schrieb es, als ich 18 war."[7] [Die Altersangabe variiert von Quelle zu Quelle, mal wird gesagt, er schrieb es, als er 15 war, mal, als er 17 war usw.]
"Seitdem ich angefangen habe, ernsthaft zu schreiben, hat sich meine Art des Schreibens verändert. Manchmal schreibe ich zuerst die Worte, manchmal die Musik, manchmal beides zusammen. Ich muss mich dafür zurückziehen. Einige Ideen können ganz schön peinlich sein, und daher ist man besser allein, wenn man sie ausprobiert![8] See You ist ganz anders als die Singles davor, daher dachten wir, dass sie einige unserer alten Fans nicht kaufen würden. Sie ist voller Anlehnungen an Bands wie The Ronettes und die Beach Boys. Ich weiß, dass die im Moment nicht gerade in sind, aber jeder kennt ihre alten Songs, und wir haben zum Beispiel And Then I Kissed Her als Coverversion gespielt."
David: "Vor zwei Jahren wäre See You wohl kein Hit geworden, aber die Radiostationen werden mutiger. Ich denke, Punk hat das möglich gemacht. Nach Punk konnte man alles machen."[9]

Alan über seinen ersten Auftritt bei TOTP, mit See You: "Es dauerte den ganzen Tag. Die meiste Zeit verbrachten wir in unserer Garderobe, während die BBC-Leute dauernd Tee-, Mittag- und Rückentrainingspausen machten. Das Publikum bestand aus etwa 15 Leuten, die wie Vieh von Bühne zu Bühne gescheucht wurden. Wir hatten das zweifelhafte Vergnügen, mit dem One-Hit-Wonder Adrian Gurwitz in einer Show zu sein. Der Text seines unvergesslichen Songs war gonna write a classic, gonna write it in an attic ..."
Nicht weiter verwunderlich ist es, dass er das Video zu See You nicht sonderlich mochte (und auch keins der anderen, die 1982 gedreht wurden): "Man kann alle Julian Temple Videos (See You, Meaning Of Love, Leave In Silence) als ein einziges Desaster ansehen. Man darf dabei aber nicht vergessen, dass das Medium Video zu dieser Zeit neu und experimentell war. Wir waren also nicht die Einzigen, die unter pickeligen Filmstudenten litten."[10]


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Am 12.02. begann in Cardiff die See-You-Tour - mit Alan als Bühnenmusiker. Der europäische Teil umfasste 27 Konzerte und endete am 12.04. in St. Peter Port. DM traten u.a. in Madrid, Stockholm, Hamburg, Hannover, Berlin - und in Oberkorn in Belgien auf. So kam es dann, dass am 26.04. die Single The Meaning Of Love / Oberkorn (It's A Small Town) erschien.
Martin: "Oberkorn war ein kleiner Ort, mit einer Einwohnerzahl, die kaum die ersten Reihen gefüllt hätte, und so war es eine große Überraschung für uns, zu sehen, was passierte. Statt dass nur eine Handvoll Leute dort waren, war die Halle gepackt voll, denn das Publikum kam von überall her, sogar über die Grenze. Als wir in unser Hotel zurückkamen, sagte unsere Plattenfirma, dass sie ganz schnell den Titel für die B-Seite bräuchten. Wir waren ja nie gut, was Namen anbelangt, und das Erste, was mir einfiel, war der Name dieses Ortes. Oberkorn."[11]
Vom 07.05. bis zum 16.05. schloss sich der amerikanische Teil der See-You-Tour mit insgesamt 8 Konzerten an, wobei DM schon zu dieser Zeit in Pasadena spielen - allerdings nicht in der Rosebowl.


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Auf dieser ersten Tour hatte Alan die Gelegenheit, sich an die frühen Live-Sets DMs zu gewöhnen. "Ich hatte das zweifelhafte Vergnügen, TV Set zu spielen. Auch mit Tomorrow's Dance wurde ich bekannt gemacht, obwohl ich selbst es nie gespielt habe. Auch gehört habe ich es nie. Daves Darstellung der embryonischen DM-Auftritte waren genug, um mir einen bleibenden Eindruck zu vermitteln."(Er spielt hier auf Davids Talent für Parodien an.)
Seltsam aber wahr: es gab tatsächlich ein paar Songs, die Alan mochte ;): "Tora, Tora, Tora ist mein Lieblingssong von Speak & Spell, The Sun And The Rainfall von A Broken Frame."[12]

Und natürlich erhielt Alan auch einen Eindruck von seinen neuen Bandkollegen: "Fletch und Martin haben eine merkwürdige Beziehung. Die Rolle von Fletch scheint darin zu bestehen, Martins Stimme zu sein, denn der ist unheimlich schüchtern - es sei denn, er ist betrunken. Wenn er ein Problem hat, kann man ihn nicht direkt danach fragen, sondern man muss mit Fletch sprechen."
Somit formierten sich schnell zwei Gruppen innerhalb der Band - Martin und Fletch auf der einen Seite, und Alan und David auf der anderen Seite - zumal auch David in der Freundschaft von Fletch und Martin keinen rechten Platz hatte und weil "Dave eine sehr freundliche und offene Person ist, mit der man leicht auskommt." Alan schätzte jedoch auch besonders Davids "sehr scharfen und boshaften Humor." In diesem Zusammenhang erzählte er, dass er es lustig fände, dass es Frauen gibt, die glauben, David sei "so eine Art armes, kuscheliges Häschen" (fluffy bunny-wunny) "das die ganze Zeit beschützt werden müsse. Würden diese Frauen Dave jemals direkt nach einer Show treffen oder sie kämen ihm mit dieser Attitüde, würde er sie bei lebendigem Leib mit ein paar gewählten Worten verspeisen."[13]

Angeblich hatte Alan große Probleme damit, sich anzupassen. Besonders Malins reitet in seiner Biographie darauf herum und weist mehrfach auf den Arbeiterhintergrund der anderen drei hin, während Alan ja aus der Mittelschicht stamme. Natürlich stellt dies in der englischen Gesellschaft definitiv einen Unterschied dar, ganz besonders in der Generation, der die vier Herren angehören. Jedoch ist es meiner Ansicht nach falsch, DIES als Problem anzusehen - das Problem scheint vielmehr darin bestanden zu haben, dass a) englische Männer dieser Generation grundsätzlich unfähig sind, über ihre Gefühle zu sprechen und anders als oberflächlich miteinander zu kommunizieren, was in dieser Band ganz besonders ausgeprägt gewesen sein dürfte und b) besonders Martin und Fletch sich schon in Kindertagen kannten, während Alan eben wirklich neu war.
Definitiv falsch ist es, zu suggerieren, Alan sei nicht anpassungsfähig. Er ist durchaus selbstbewusst und besitzt das Talent, sich jederzeit und überall den herrschenden Gegebenheiten anzugleichen und den Eindruck zu vermitteln, absolut zum Bild zu gehören und auch im Bilde zu sein. Man mache sich die Mühe und schaue sich die Promobilder an, die von den Bands gemacht wurden, in denen Alan vor DM war, und schaue sich dann die Bilder von DM 1982 an. Der Unterschied ist frappierend. Besonders auf den Bandfotos mit Real To Real und The Hitmen wirkt Alan ernsthaft, erwachsen, cool und hat sogar einigermaßen vernünftige Klamotten an. Wenig später guckt er genauso schüchtern und "niedlich" in die Kamera wie seine neuen Bandkollegen und zieht die abscheulichsten Sachen an, die die Welt je gesehen hat. ;) Auch gibt es genügend Videomaterial aus diesen frühen Tagen, auf dem man ihn mit den anderen herumalbern sieht. Auch ist bekannt, dass er sich köstlich über Davids Parodien amüsieren konnte.
Vielleicht gab es ein paar Anlaufschwierigkeiten im ersten halben Jahr - wie es wohl jedem geht, der neu in eine Firma / Schule / Gruppe kommt - und er hatte (wie er selbst sagt) durchaus einige Schwierigkeiten, sich "in diese sehr enge, in sich geschlossene Einheit zu integrieren" (womit er wohl hauptsächlich die Freundschaft zwischen Fletch und Martin meint), aber zu suggerieren, er sei überhaupt nie in der Band angekommen (wie es bis heute einige Leute glauben), halte ich für übertrieben.



A Broken Frame

(A Broken Frame - mit freundlicher Genehmigung von © Annette Pehrsson)



Obwohl mit Alan ein ausgebildeter Musiker zur Band gestoßen war, beschlossen Martin, Fletch und David, zunächst ein Album allein aufzunehmen und gingen im Juli ins Studio.
Einerseits frustrierte Alan dies ein wenig: "Schließlich war ich mit ihnen auf Tournee gewesen, und man erwartete von mir, dass ich das fertige Album später mit ihnen promoten würde", andererseits hatte er auch Verständnis: "Sie waren sehr vorsichtig meinetwegen. Sie nahmen es Vince übel, dass er gegangen war und hatten das Gefühl, sie müssten ihm beweisen, dass sie problemlos ohne ihn weiter machen konnten. Es war eine Frage des Stolzes, denke ich, und sie wollten auch nicht als jemand angesehen werden, die sich auf dem 'Transfermarkt' einfach jemand Neuen suchten. Sie waren sehr selbstkritisch und wenig selbstbewusst. Ich hatte noch nie eine solche Gruppe getroffen, und ich fragte mich, wie sie in so kurzer Zeit so weit gekommen waren. Dann wurde mir klar, welch großen Einfluss Daniel Miller auf sie hatte. Er und Vince waren es, die sie dorthin gebracht hatten."[14]
Vermutlich lag er damit durchaus richtig. Auch einige Journalisten spekulierten, ob Daniel Miller die Band nicht auf eine gewisse Art und Weise manipuliere.
David: "Daniel ist wie ein Freund. Es ist keine Geschäftsbeziehung. Er kommt überall mit uns hin. Im Studio ist er nicht am Aufnahmeprozess beteiligt, aber er ist der Produzent."
Fletch: "Er gibt uns Ratschläge, und wir finden es schwierig, nein zu sagen, also manipuliert er uns schon auf eine gewisse Weise."[15]
David: "Daniel ist auch eine Art Manager, weil wir keinen haben. Er ist auch der Chef unserer Plattenfirma, somit kann er nicht alles machen, was ein Manager macht. Wir haben Meetings, in denen wir über Tourneen, Geld und Dinge wie Merchandising diskutieren."[16]
Die Entscheidung, ohne Alan ins Studio zu gehen, soll jedoch angeblich allein die der Band gewesen sein. Es halten sich hartnäckige Gerüchte, dass es deswegen Ärger zwischen den Bandmitgliedern und Alan gegeben habe, aber Alan sagt: "Ich wäre zwar gern an der Studioarbeit für dieses Album beteiligt gewesen, aber Daniel Miller sagte mir (die Band hat nie mit mir darüber gesprochen), dass ich nicht gebraucht würde."[17]

Am 16.08. erschien vorab die Single Leave In Silence, ehe am 27.09. das Album A Broken Frame folgte.
Leave In Silence war die erste Single, die mit dem "Bong"-Label erschien und der erste Song, von dem es mehr als nur einen Remix gab.
Zu dieser Zeit befanden sie A Broken Frame als reifer, was die Musik und die Texte anbelangte. Sie verwendeten viel Zeit und Mühe auf jeden einzelnen Song und versuchten sich in neuen Aufnahmeformen.
David: "Das neue Album hat etwas mehr Tiefe. Anstatt noch mehr von diesem leichten Pop zu produzieren, haben wir beschlossen, im Studio etwas zu experimentieren. Martin kann auch poppige Nummern schreiben, und auf dem Album sind auch ein paar poppige Nummern wie The Meaning Of Love, und da ist ein Song, der A Photograph Of You heißt, aber wir wollten auch etwas vollkommen anderes machen, um zu sehen, ob wir es können, und ich denke, es ist gut geworden."
Fletch: "Es gibt eine Menge Percussion auf dem neuen Album, weißt du, auf allen möglichen Dingen herumschlagen, plus Geh- und Marschiergeräusche und all solche Sachen, aber nichts, was man ein Instrument nennen könnte."
David: "Es gibt ein Saxophone. Aber du würdest es wohl kaum als solches erkennen. Es wurde rückwärts aufgenommen und klingt wie ein Elefant!"[18]
Später waren sie mit dem Album nicht mehr so glücklich. (Das Gleiche gilt für Speak & Spell.) Doch wenn man ihr Alter in Betracht zieht und die Art, wie sie in dieses Geschäft gelangten, mussten sie dieses Album vermutlich genauso aufnehmen, wie sie es aufgenommen haben.
Am 04.10. begann in Chippenham die A-Broken-Frame-Tour, die sich in drei Teile gliederte. Bis zum 29.10. spielte die Band in Großbritannien insgesamt 20 Konzerte.
Vom 25.11. bis zum 14.12. waren DM mit 14 Konzerten in Europa unterwegs, traten dabei hauptsächlich in Deutschland auf, so z.B. in Bochum, Köln und Goslar. Der dritte Teil fand erst 1983 statt.


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Trotz allen Erfolgs lief es jedoch nicht so richtig rund. Auch mit dem neuen Stoff gelang es DM zunächst nicht, von der Presse und der allgemeinen Öffentlichkeit ernstgenommen zu werden oder das Image der Neuen Romantiker und Futuristen abzuschütteln.
David: "Ich denke, die gleichen Leute, die Duran Duran oder Spandau Ballet kaufen, kaufen auch unsere Platten. Aber ich denke trotzdem, dass wir in einem anderen Markt sind. Jetzt sind nicht mehr so viele Neue Romantiker im Publikum wie früher. ... Ich meine, wir haben über 30 Interviews gemacht - die meisten in Europa -"[19] (er meint damit das europäische Festland. Briten denken oft in diesen Kategorien: GB - Europa - Rest der Welt. ;-)) "- und werden immer noch nach Neuer Romantik und Futurismus gefragt. Wir sagen, dass wir damit nichts zu tun haben.[20] Trotzdem drucken sie dann direkt daneben diese scheußlichen Fotos von uns! Die waren von der allerersten Fotosession, und sie waren so schlecht! Sie verfolgen uns überall hin!"
Martin: "Das ist der Grund, weshalb wir nie wie Duran Duran sein werden, weil unsere Fotos so schrecklich sind!"[21]

Neben diesen bereits bekannten Problemen tauchten nun neue auf. So schien ihnen das Publikum nicht mehr zu zuhören ...
Fletch: "Selbst, wenn man viele Fehler macht, und man glaubt, man ist schrecklich gewesen, es scheint ihnen nichts auszumachen. Der Musikaspekt ist weg. Im Crocs haben sie uns nicht mal zu einer Zugabe aufgefordert, sie standen nur da und warteten. Alles, was sie wollen, ist uns zu sehen. Wir sind ein Event geworden."
... und die Zeit wurde immer knapper.
Martin: "Letzten Sommer konnten wir die Dinge noch von Woche zu Woche planen. Es ist schrecklich, jetzt in den Terminkalender zu sehen und festzustellen, dass jeder Tag in den nächsten sechs Monaten verplant ist."
Fletch: "Wir haben nicht mal Zeit, nachzudenken! Was passiert, ist, dass wir immer beschäftigter sind und immer weniger mit den kleinen Entscheidungen zu tun haben, die uns betreffen. Wenn man genug Geld hat, endet man darin, dass man es jemandem gibt und sagt: Mach das für uns."[22]
David: "Jeden Tag scheint etwas zu sein. Ab einem bestimmten Punkt fängt man an, sich daran zu gewöhnen. Aber man fängt an sich zu fragen, ob es einem gut tut."[23]

Ein weiteres Problem, mit dem sie sich von nun an auseinandersetzen mussten, war der Ruhm und damit, wie er sich auf ihr Leben auswirkte.
Fletch: "Da war eine Sache in der Sun, über unsere Single und es wird gesagt: eine weitere Platte von einer gesichtslosen Band. Ich denke, Leute, die Musikmagazine lesen, kennen uns vielleicht, aber die anderen können dem Namen kein Gesicht zuordnen. Die Leute fragen, wie es ist, berühmt zu sein. Aber da gibt es keinen Unterschied. Wenn ich durch Basildon gehe, erkennen sie mich vielleicht, aber wenn ich durch London laufe, werde ich nicht erkannt."
David: "Ich denke, es ist besser, nicht hip zu sein. Es ist definitiv sicherer.[24] Wir gehen aber auch nicht in die Clubs nach London oder so. Ich weiß nicht, wie andere Bands das machen. Sie touren rund um die Welt und sie bringen jede Woche Platten raus. Sie müssen so müde sein.[25] Einmal bin ich zum Camden Palace gegangen und bin praktisch zerrissen worden. Es war wirklich beängstigend. Als ich reinkam, war ich gefangen, und die Leute krallten sich an mir fest, zerrissen meine Kleidung, zogen an meinen Haaren - ich hatte so große Angst, ich rannte weg und versteckte mich auf dem Klo. Ich wollte da auch nicht mehr rauskommen. Ich denke, das war eine meiner schlimmsten Erfahrungen, diese Kinder können dich umbringen."[26]
Fletch: "Wir kriegen keine Gästelisten mit Stars darauf. Ich denke, das ist es, warum uns die Leute mögen. Wir ziehen ein solches Publikum nicht an. Wir sind keine Glitterband. Backstage sind viele unserer Freunde.[27] Wir haben aber auch eine Menge Freunde verloren, die früher mit uns ausgegangen sind. Man verliert den Kontakt."
David: "Du weißt aber auch, wer deine richtigen Freunde sind. Sie haben sich nicht verändert. Du weiß es, wenn du mit ihnen redest und mit ihnen unterwegs bist. Sie sehen dich nicht als eine andere Person. Aber dann gibt es da welche, die nicht deine besten Freunde waren, als du angefangen hast, und dann deine dicken Freunde werden, wenn du Erfolg hast."
Fletch: "Ich denke, es waren rund 10.000 Leute, die mit dir zur Schule gegangen sind."
David: (lacht) "Ja, die Klasse muss rund 1.000 Schüler gehabt haben, wenn es nach einigen Leuten geht. Es waren nur 40. Du denkst, du wirst verrückt, wenn Leute sagen, dass sie mit dir zur Schule gegangen sind, und du kannst dich nicht an sie erinnern."[28]

Es wurde zunehmend schwierig, noch ein Privatleben zu führen. Davids Freundin Jo[anne] gab ihren Job als Krankenschwester auf und übernahm gemeinsam mit Martins Freundin Anne, die gerade die Schule beendet hatte, die Leitung des Fanclubs. Auf diese Weise waren sie auf jeder Tournee mit dabei.
Die Band empfand das als "Luxus", während ich persönlich mir gut vorstellen kann, dass dies Grundlage für ein "hervorragendes" Konfliktpotential bietet.
David: "Wir haben nicht das Gefühl, dass sie im Weg sind, obwohl es viele Bands gibt, die meinen, Freundinnen auf Tournee sind eine Bürde. Für uns ist es so, als würden wir unsere besten Freunde mitnehmen. Obwohl ich denke, es ist fair zu sagen, dass die Mädchen sich erst mal an die Fanreaktionen gewöhnen mussten. Es war ziemlich komisch, weil unsere Mädchen auch den Faninformationsstand betreiben. Sie haben sich das einfacher vorgestellt. Aber die Realität mit Hunderten von Mädchen, die auf uns zu rannten und uns zu küssen versuchten, war ein bisschen zu viel! Es scheint, dass die Mädchen Alan toll finden. Es macht uns nichts aus, wenn er diese Aufgabe übernimmt."[29]
Alan, der da noch immer "Teilzeitmode" war, fragte beim Autogrammeschreiben noch nach dem Namen von jedem Einzelnen. Etwas, was die anderen längst aufgegeben hatten. Dies und sein gutes Aussehen führten dazu, dass die meiste Schreierei der Mädchen auf sein Konto ging.
Anne, Martins Freundin: "Ich bin froh, dass sie Alan ankreischen. Es gibt ihm das Gefühl, mehr dazu zu gehören."
Martin: "Wenn das so anhält, wird er nicht mehr lange dazu gehören wollen."[30]

Und immer wieder ging es um ihr Image:
David: "Ich denke, es ist gut, dass wir kein echtes Image haben. Einige Bands stecken in welchen fest, aber obwohl alle ständig versuchen, uns in eine Schublade zu stecken, haben wir immer das gemacht, was wir gerade wollten."
Fletch: "Die Band mit dem besten Image ist Pink Floyd. Das ist wirklich eine gesichtslose Band. Ich meine, ich mag ihre Musik nicht wirklich, aber sie sind trotzdem eine der größten Bands, wenn man Brian Waters sieht ..."
David: "Roger Waters, du Idiot!"
Fletch: "Oh ja, aber da siehst du, das meine ich. Sie sind wirklich anonym. Wir haben keine Bilder von uns auf den Plattencovern, weil sie so schnell out sind. Wie das Duran-Duran-Cover. Ich wette, sie schämen sich jetzt dafür!"
Martin: "Sie hätten sich zu dieser Zeit dafür schämen sollen!"
David: "Und das ist dann fürs Leben - es ist viel besser, ein Design zu haben. Das neue LP-Cover ist wirklich gut. Viel besser als das letzte. Das war schrecklich! Der Typ, der es gemacht hat, Brian Griffin, als er erklärte, was er wollte - ich stelle mir einen Schwan vor, der in der Luft schwebt - und wir sagten: Ja, gut! - dann er redete davon, dass er auf einem See aus Glas schwimmt, und es hörte sich großartig an. Es stellte sich dann als ausgestopfter Schwan in einer Plastiktüte heraus! Es war nett und romantisch gemeint, aber es war nur komisch!"[31]
(Dennoch sollte Brian Griffith noch etliche Fotos für Alben-/Singles-Cover machen, also kann das Speak and Spell-Cover doch nicht so schlimm gewesen sein - oder sie waren zu schüchtern, um ihm zu sagen, dass sie es nicht mochten. Wie auch immer: nimmt man Umfragen als Grundlage, meinen die meisten Fans, dass Speak and Spell nicht das schlimmste Cover war, das DM je hatten.)
Es gab also eine Menge Dinge, die sie lernen mussten. Und sie mussten sie schnell lernen.
Fletch: "Uns wurde klar, dass 1982 das wichtigste Jahr für uns war. Entweder wir etablierten uns und wir würden untergehen."[32]



My Secret Garden

(My secret garden - mit freundlicher Genehmigung von © Tuxedofeline)



Und hier noch zwei kleine Dinge, die im Hinblick auf die Zukunft interessant sind:
Fletch zeigte schon damals Anzeichen seiner depressiven Ader, die später noch schlimme Folgen haben sollte: "Ich werde depressiv, besonders auf Tour, weil ich viele Freunde zu Hause habe. Ich vermisse den Klatsch und so. Martin und Dave haben Anne und Jo, und das ist ihre Begleitung, aber ich habe niemanden. ... Ich habe viele Freunde verloren, weil ich nicht mit ihnen reden kann. Wir haben uns immer erzählt, was wir machen, aber jetzt - wir fliegen nach Spanien und machen ein Fernsehding, wir gehen auf Tour ... Ich fühle mich schuldig, und ich kann nicht darüber reden, was ich mache, denn alles, was ich mache, ist die Band. ... Ich denke mehr nach als die anderen. Nun, ich mache mir Sorgen. Ich bin deprimierender."
Gelächter. Ob er nicht vielleicht doch "depressiver" meine?
Alan: "Beides, wahrscheinlich."[33]

Das nächste ist nicht ganz so ernst, aber es ist eine jener Aussagen, die zeigen, wie sehr sich Menschen im Laufe der Zeit und durch ihren Lebensstil verändern.
Martin: "Wir sind nicht die Art Leute, die Spaß an Partys haben oder die oft in Clubs gehen. Wenn wir nicht arbeiten, sind wir zu Hause bei unseren Eltern. Wir alle finden es wirklich, ein stabiles Zuhause zu haben, da man sonst dazu neigt, sich zu isolieren und nur noch mit Leuten im Musikbusiness abzuhängen. Und das ist nicht gut für einen. Ich denke nicht, dass wir uns verändern werden. Wir haben nicht den Drang danach, uns in Londons Nachtleben herumzutreiben."[34]
Wenn man sich auf Martin selbst bezieht (insbesondere auf den Text zu See You), dann bleiben Menschen in ihrer Basis meistens gleich. Dies passt durchaus zu den (ehemaligen) Bandmitgliedern. Alle haben noch immer dieses "stabile Zuhause" und sind prinzipiell ziemlich normale Leute. Heute sind alle Familienväter und haben sich nicht großartig in die Musikwelt verstrickt. Aber die Fans wissen natürlich, dass die Band in den nächsten Jahren durchaus eine Menge Spaß an Partys und Clubs haben würde.


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Ende des Jahres wurde Alan zum Vollmitglied erklärt und so die Weichen für die Zukunft gestellt.
Martin: "Nachdem Vince ging, waren wir bereit, ein neues Album aufzunehmen. Alan begann, mit uns zu spielen, aber wir wollten sicher sein, dass alle Veränderungen in unserer Musik nichts mit Alan zu haben. Wir mussten zeigen, dass wir in der Lage waren, die musikalische Veränderung selbst herbeizuführen. Also haben wir A Broken Frame mit diesem Gedanken im Hinterkopf aufgenommen, obwohl Alan mit uns auf Tournee gehen würde. Jetzt fühlen wir uns frei dafür, ihn als Vollzeitmitglied aufzunehmen, nun, da sich die Veränderung etabliert hat!"[35]
(Nun ja, die eigentliche Veränderung kam erst mit Construction Time Again ...)
Alan: "Ich bin den anderen nicht böse, dass sie meinetwegen ein bisschen vorsichtig sind, nachdem, was mit Vince passiert ist.[36] Jemand in ihrer Position nimmt nicht den nächstbesten, der sich dann als komplettes A***l*** herausstellen könnte. Also ging ich erst mal nur mit auf Tour und trat bei den Fernsehshows auf, ging aber nicht mit ins Studio.[37] Die letzte Tournee hat mich in der Band mehr zu Hause fühlen lassen, obwohl es mich ziemlich nervös gemacht hat, vor so großem Publikum zu spielen.[38]"
1987 sagte er: "Sie waren ein so fester Verband, und ich brauchte eine Weile, um einer von ihnen zu werden. Zwischen 1982 und 1983 war ich nie sicher, ob ich drinnen oder draußen war, bis Fletch mir eines Tages sagte, ich wäre ein Vollmitglied."[39] (In einer anderen Quelle wird er damit zitiert, dass Daniel Miller ihm dies gesagt habe.)






Quellenangaben:
[1] No Time to Even Think, New Sounds New Styles, März 1982. Text: Mike Stand
[2] The Story Of Depeche Mode, BBC Radio London Live94.9, 07.05.2001, Produzent: Tony Wood
[3] Just Can't Get Enough, Uncut, Mai 2001. Text: Stephen Dalton
[4] No Time to Even Think, New Sounds New Styles, März 1982. Text: Mike Stand
[5] A Clean Break, Smash Hits, 21.01.-03.02.1982. Text: Mark Ellen
[6] A Clean Break, Smash Hits, 21.01.-03.02.1982. Text: Mark Ellen
[7] No Time to Even Think, New Sounds New Styles, März 1982. Text: Mike Stand
[8] "Some people think you're cute, but other people think you're slightly vile ...", Look In, 22.05.1982, Text: Phil Parsons
[9] A La Mode, Kicks, 06.04.1982. Text: Johnny Black
[10] recoil.co.uk
[11] The Name's the Game! Zig Zag, November 1982. Text: John Kercher
[12] recoil.co.uk
[13] recoil.co.uk
[14] recoil.co.uk
[15] Sound of the Suburbs, NME, 20.03.1982. Text: Lynn Hanna
[16] A La Mode, Kicks, 06.04.1982. Text: Johnny Black
[17] recoil.co.uk
[18] Modey Old Dough, unbekanntes Magazin, 1982. Text: Bill Prince
[19] A Clean Break, Smash Hits, 21.01.-03.02.1982. Text: Mark Ellen
[20] Quelle ist nicht mehr auffindbar
[21] A Clean Break, Smash Hits, 21.01.-03.02.1982. Text: Mark Ellen
[22] No Time to Even Think, New Sounds New Styles, März 1982. Text: Mike Stand
[23] Sound of the Suburbs, NME, 20.03.1982. Text: Lynn Hanna
[24] Sound of the Suburbs, NME, 20.03.1982. Text: Lynn Hanna
[25] Sound of the Suburbs, NME, 20.03.1982. Text: Lynn Hanna
[26] The Bright Side of the Moon, Sounds, 04.09.1982. Text: Karen Swayne
[27] Sound of the Suburbs, NME, 20.03.1982. Text: Lynn Hanna
[28] Essex Appeal, Record Mirror, 21.08.1982. Text: Simon Tebbutt
[29] The Name's the Game! Zig Zag, November 1982. Text: John Kercher
[30] On The Mode, Record Mirror, 20.03.1982. Text: "Sunie"
[31] The Bright Side of the Moon, Sounds, 04.09.1982. Text: Karen Swayne
[32] A Clean Break, Smash Hits, 21.01.-03.02.1982. Text: Mark Ellen
[33] On The Mode, Record Mirror, 20.03.1982. Text: "Sunie"
[34] The Name's the Game! Zig Zag, November 1982. Text: John Kercher
[35] The Name's the Game! Zig Zag, November 1982. Text: John Kercher
[36] A La Mode, Kicks, 06.04.1982. Text: Johnny Black
[37] Hanging in the Balance, NME, 26.03.1983. Text: Matt Snow
[38] A La Mode, Kicks, 06.04.1982. Text: Johnny Black
[39] Depeche Mode Magazine, Circuit Communications, 1987. Text: Mike Martin



Biographiefaden: 1983

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